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Lauenburg Scheer fordert Kompensation für Atommüll
Lokales Lauenburg Scheer fordert Kompensation für Atommüll
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11:14 10.02.2019
Nina Scheer ist Bundestagsabgeordnete der SPD. Quelle: FOTOS: Holger Marohn
Geesthacht/Berlin

Ein Endlager für den hoch radioaktiven Atommüll auch aus dem Kernkraftwerk Krümmel wird bis zum Jahr 2036 nicht gefunden und gebaut worden sein. Doch dann endet die Betriebsgenehmigung für das Castorlager in Krümmel. Eine automatische Verlängerung der Betriebsgenehmigung darf es aus der Sicht der lauenburgischen Bundestagsabgeordneten Nina Scheer (SPD) jedoch nicht geben – auch wenn jetzt schon sicher sei, dass es „eine Lücke geben“ werde.

Kompensation für längere Belastung

„Diese Diskussion wird uns in diesem Jahr sehr beschäftigen, auch wenn sich abschließend behandelt werden wird“, prognostiziert Scheer, die auch stellvertretendes Mitglied des Kuratoriums der Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ ist. Dabei spricht offenbar Einiges für eine längere Nutzung des Standortes Geesthacht. So müsse eine Zwischenlösung laut Scheer das Risiko durch möglichst wenig neue Transporte minimieren und letztlich auch praktikabel sein. „Man muss einfach schauen, wie es mit Verlängerungen an den heutigen Zwischenlagerstandorten aussehe.

Sie gehöre nicht zu denjenigen, die dafür seien, wie bei der Endlagersuche auf einer quasi weißen Karte völlig ergebnisoffen nach neuen Zwischenlagern zu suchen. Für eine abschließende Entscheidung in diesem Jahr sei der Prozess allerdings einfach viel zu langwierig. Klar müsse aber auch sein, dass es – wenn es zu einer Verlängerung der Zwischenlagerung an den derzeitigen Standorten komme – diese Belastung dann auch mit einer finanziellen Kompensation einhergehe. „Es muss gebührend berücksichtigt werden, dass diese Last eben bei diesen Kommunen liegt“, fordert Scheer.

Diskutiert worden war über die Zwischenlösung im vergangenen Jahr auf Einladung von Scheer in Geesthacht mit dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit BfE. Dabei war deutlich gemacht worden, dass die zeitliche Begrenzung der Lagerdauer der Castoren vor Ort auf 40 Jahre vor allem politische Gründe gehabt habe, um keine faktischen Endlager zu schaffen – und nicht vorrangig technische.

Scheer weist jedoch darauf hin, dass an der bis 2036 beschränkten Lagergenehmigung „nicht zu rütteln“ sei. „Wenn diese ausläuft, ist die erst einmal ausgelaufen“, sagt Scheer. „Und die neue Lösung kann bedeuten, dass man vielleicht an dem gleichen Standort wieder eine Genehmigung bekommt.“ Es könne bedeuten, dass man sie nicht wieder bekomme. Es könne bedeuten, dass man sie unter Auflagen bekommt und Umbauten vornimmt. „Was auch immer, das muss man prüfen“, so Scheer.

Allerdings warnt Scheer auch vor ungesteuertem Aktivismus bei der Suche nach einer Zwischenlösung für die Lagerung der Castorbehälter nach dem Auslaufen der Genehmigung 2036 und der Fertigstellung eines Endlagers. „Natürlich kann mit der Suche nach einer Zwischenlösung nicht früh genug angefangen werden. Aber bestimmte Voraussetzungen für eine Entscheidung liegen auch einfach noch nicht vor“, sagt Scheer. Dazu gehörten auch entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse.

In den Fokus gerückt ist das Thema durch den Übergang der Verantwortung für das Lager mit den derzeit 41 Castoren mit mehr als 2000 Brennelementen vom Kraftwerksbetreiber Vattenfall zur Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung BZL Anfang des Jahres. Am kommenden Donnerstag, 14. Februar, stellt sich die BZL bei einem Dialogabend im Ratssaal Geesthacht, Markt 15, vor (Beginn 18.30 Uhr).

Holger Marohn

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Das Atomkraftwerk Krümmel an der Elbe bei Geesthacht soll abgerissen werden. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Zwischenlager.

Zum Thema: Sein halbes Leben lang hat Jens Mulzer aus Schwarzenbek gegen das Atomkraftwerk Krümmel gekämpft - wir haben mit ihm gesprochen

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