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Lauenburg Schicksal der BQG soll in einem Monat entschieden sein
Lokales Lauenburg Schicksal der BQG soll in einem Monat entschieden sein
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20:19 29.08.2013
Nils Duensing (23, links) und Pascal Volz (17) bei Metallarbeiten in der Ratzeburger Produktionsstätte der BQG. Quelle: Fotos: Alessandra Röder (2)/Martin Stein

„Die BQG wird weiterbestehen.“ Alexander Willberg, der Geschäftsführer der BQG Personalentwicklung GmbH mit Sitz in Ratzeburg, zeigt sich selbstbewusst bei der Frage nach der Zukunft des Unternehmens, das zu den so genannten Dienstleistern am lauenburgischen Arbeitsmarkt gehört. Die gemeinnützige Gesellschaft, die sich insbesondere um Langzeitarbeitslose und um die Qualifizierung junger Leute für einen gelungen Einstieg in das Berufsleben kümmert, steht vor der Frage, in welchem Rahmen sie ihre seit fast zwei Jahrzehnten andauernde Arbeit fortsetzen kann.

Die BQG, „ein verlässlicher und einer der wichtigsten Partner des Jobcenters“, wie dessen Chef Ulrich Elsweier sagt, erlebt als Folge der Arbeitsmarktpolitik mit verringerten Fördermöglichkeiten schon seit etwas mehr als fünf Jahren eine ständige Verringerung ihres Geschäftsvolumens. Der Personalabbau von einstmals 47 auf heute nur noch 20 Beschäftigte ist beträchtlich. Und jetzt zeichnet sich für 2013 erstmals eine BQG-Jahresbilanz mit roten Zahlen ab. Das Minus könnte sich bis zum 31. Dezember nach LN-Informationen auf einen Betrag von 100 000 Euro summieren. Damit wäre das Defizit allerdings nicht größer als die vorhandene Liquiditätsreserve.

Auf diesem Hindergrund stellt sich den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat die Frage, wie die Zukunft der BQG aussehen könnte. Hauptgesellschafter mit 55,1 Prozent des Stammkapitals in Höhe von 37 600 Euro ist der Kreis Herzogtum Lauenburg, die restlichen Anteile besitzen die lauenburgischen Städte und Ämter mit jeweils etwas mehr als zwei oder vier Prozent des Stammkapitals. Deren Vertreter, insbesondere Bürgermeister, Amtsvorsteher und Kreistagsabgeordnete, sitzen im Aufsichtsrat. Den Vorsitz führt dort Kreissparkassenchef Rainer Burghardt.

Ende September beschäftigt sich der Haupt- und Innenausschuss des Kreistages mit der Zukunft der BQG, Anfang Oktober geht es im BQG-Aufsichtsrat um die Frage, ob und in welcher Form die Gesellschaft ihre Arbeit fortsetzen kann. In den Städten und Ämtern stehen ebenfalls Beratungen an, so im Hauptausschuss der Stadt Mölln in der kommenden Woche. Beschlüsse der Kreistagsfraktionen gibt es noch nicht, aber erste Einschätzungen.

CDU-Fraktionschef Norbert Brackmann sieht zwei Möglichkeiten, nämlich den Verkauf der Kreisanteile oder die Auflösung der Gesellschaft. Für die FDP sagt deren Fraktionsvorsitzender Thomas Kuehn: „Wir wollen die BQG eindeutig erhalten.“ Eine Lösung mit einem neuen Hauptgesellschafter halte er für denkbar. Die SPD-Kreistagsfraktion will noch Gespräche mit der BQG führen: „Die Entwicklung sehen wir schon mit Sorge“, sagt der stellvertretende Fraktionschef Jens Meyer.

Die Abkürzung BQG stand 1995 bei der Gründung des Unternehmens für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft. Inzwischen verweisen die drei Buchstaben im Namen der Personalentwicklung GmbH auf die Tätigkeiten „beraten, qualifizieren, gestalten“. Der jüngste vorliegende Geschäftsbericht für 2011 weist eine Bilanzsumme von 1,1 Millionen Euro aus. Zu den Einrichtungen der BQG gehört auch eine Kreativwerkstatt in Schwarzenbek.

„Für mich ist das hier sehr wichtig“
Die BQG betreut zurzeit jährlich etwa 200 Langzeitarbeitslose. Dazu gehören auch Jugendliche, die unter anderem die preisgekrönte und hochgelobte Jugendbildungsstätte (JuBi) in Ratzeburg besuchen. Für die Betroffenen ist die dortige Produktionsschule oft die letzte Chance, den Weg in einen Beruf zu finden — was die jungen Leute zu schätzen wissen. Das zeigte sich, als einige von ihnen jetzt den LN über ihre Erfahrungen berichteten.

Christina Litzenberger hat sich freiwillig für ein BQG-Angebot gemeldet, um ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Die junge Mutter möchte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau machen. „Alleine hätte ich es nicht geschafft, meinen Abschluss nachzuholen“, sagt die 21-Jährige. Nils Duensing besucht seit zwei Jahren die Produktionsstätte: „Für mich ist das hier sehr wichtig.“ Der 23-Jährige arbeitet in der Produktionsstätte im Metallbaubereich. Er kann sicher mit einer Flex umgehen und Metall bearbeiten. Sein Traum ist es, sich im Metallbau selbstständig zu machen. „Ich habe hier viel Grundlegendes im Metallbau gelernt. Außerdem gefällt mir das soziale Umfeld“, sagt Nils. Zurzeit bewirbt er sich für eine Ausbildung zum Metallmechatroniker.

Pascal Volz berichtet nicht ohne Stolz: „Ich habe hier gelernt, mit Segelfliegern umzugehen.“ Der 17-Jährige entdeckte die Arbeit an den Gleitfliegern für sich und würde sich gerne auch beruflich in diese Richtung entwickeln. „Ich kann hier vieles ausprobieren, und das ist für meinen Lebensweg wichtig“, sagt er. Mit der Zeit sei seine Motivation für diese Arbeit immer mehr gewachsen.

Laura Schloms äußert sich ähnlich über die BQG-Produktionsstätte: „Das ist besser, als zu Hause rumzusitzen“, findet die 18-Jährige. Sie wollte ursprünglich in der Küche arbeiten. Weil die Ausbilderin in ihrer ersten Woche im Urlaub war, begann Laura im Holzbau — und bleibt dabei: „Ich hätte nie gedacht, dass ich dafür talentiert bin.“ Nun möchte sie eine Tischlerausbildung machen.

ar

Martin Stein

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