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Schön nostalgisch und anstrengend

Ratzeburg Schön nostalgisch und anstrengend

Mit einem Ford Roadster Baujahr 1931 bei der 47. RAC-ADAC Veteranen-Rallye unterwegs – Wie man sich als Autofahrer sogar Radler zu Freunden machen kann.

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Ratzeburgs Bürgervorsteher Ottfried Feußner gibt den Start zur 47. RAC-ADAC Veteranen Rallye auf dem Ratzeburger Markt frei. Die LN hatten Gelegenheit, das Geschehen vom Beifahrersitz des zweitältesten Fahrzeugs im Feld, des offenen Ford A von Markus Neumann aus Berlin, hautnah zu verfolgen.

Ratzeburg. Das sollte eigentlich seit der Umgestaltung des Ratzeburger Marktes nie wieder passieren: Die kahle Fläche füllt sich mit Autos. Allerdings mit ganz besonderen. Und heute ist es nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Hier ist Start und Ziel für die 47. RAC-ADAC Veteranen-Rallye. 87 Autos und Motorräder sind gemeldet. Die LN dürfen dabei sein;

LN-Bild

Mit einem Ford Roadster Baujahr 1931 bei der 47. RAC-ADAC Veteranen-Rallye unterwegs – Wie man sich als Autofahrer sogar Radler zu Freunden machen kann.

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der Ratzeburger Ehrenbürger, RAC-Mitglied und Oldtimer-Fan Markus Neumann aus Berlin hat für uns den Beifahrerplatz in seinem Ford Modell A De Luxe Roadster freigehalten. Da steht das 86 Jahre alte Schätzchen, blitzblank und technisch putzmunter, zurückgeklapptes Verdeck. Unser Blick richtet sich skeptisch gen Himmel. Ausgerechnet heute soll es regnen. Und das Modell A hat nur einen kleinen, ruckeligen Scheibenwischer. Was soll’s, los geht’s auf Startplatz 3. Bürgervorsteher Ottfried Feußner schwenkt die Fahne, und Markus Neumann, schick in Schale mit einem zum Baujahr 1931 des Autos passenden nostalgischen Outfit gibt Gas. Der erste Eindruck ist irritierend: 86 Jahre alt ist dieses Vehikel, aber es fährt sich eigentlich ganz normal. Kein Klappern, kaum Ächzen, der Motor schnurrt ruhig vor sich hin, vom ersten bis zum dritten Gang, mehr gibt’s nicht. Aber sonst, ein fast ganz normales Auto. Neumann grinst wissend: „Sie müssten hier am Lenkrad sitzen, dann würden Sie das nicht sagen.“ Na klar. Die wenigen urigen Anzeigeinstrumente im Armaturenbrett lassen schon auf einiges schließen, was weit jenseits allen gewohnten Fahrkomforts angesiedelt ist. Die Lenkung ist schwer und unexakt, das zweisitzige Auto mit Klappnotbank im Gepäckbereich („Schwiegermuttersitz“) watschelt schwammig auf der Landstraße wie eine Ente. Beim Bremsen muss der Fahrer aus Berlin spürbar sein ganzes Gewicht auf das Pedal drücken. „Ja, es ist ganz schön anstrengend“, lacht der 52-jährige KFZ-Gutachter und Oldtimer-Experte. Aber was macht das schon. Denn mit so einem Auto hat man auf der Straße plötzlich nur noch Freunde.

Winkewinke an jeder Ecke. Passanten, alte Damen vor ihren Bauernhäusern sitzend, sogar Radfahrergruppen scheinen von kindlicher Freude befallen, erblicken sie dieses Gefährt aus einer anderen Zeit.

Wir kommen ins Klönen. Das wird sich auf die Schlusswertung – die lassen wir mal lieber außen vor – ungünstig auswirken. Aber auch das macht nichts. Der Rallyeerfahrene am Steuer, der nebenbei auch eine Fachwerkstatt für Ford A-Modelle betreibt, ist zufrieden mit seinem Beifahrer: „Sie haben kein Rechts-/Links-Problem und Sie drehen nicht ständig die Landkarte im Kreis. Das ist schon mal sehr gut, das kenne ich durchaus anders.“ Na, das lässt ja hoffen.

An den zahlreichen Kontrollpunkten, die wir wegen unserer regen Unterhaltung manchmal erst im zweiten Anlauf entdecken, gibt es stets einen netten Schnack. Und einen Stempel in die Bordkarte.

Manchmal muss auch eine schlaue Frage aus der Welt des Automobils beantwortet werden. Wann wurde der Nürburgring eröffnet? Ach du Schande. Irgendwann in den 30er Jahren, meint Markus Neumann. Oder in den 20ern? Neumann erstickt jeden Stress mit Gelassenheit. „Wir wollen ja gar nicht gewinnen.“ Werden wir auch nicht. Es gebe da auch unter den Rallyebegeisterten ganz ehrgeizige Vertreter, spricht der Berliner aus Erfahrung. Aber er hat schon genug Pokale.

Wieder ein Blick nach oben. Nun ist es kein Tröpfeln mehr. Der Ford A stoppt in Höhe Pogeez, der Fahrer steigt aus und schließt das Verdeck. Dazu sind schon einige geübte Handgriffe nötig. Alte Technik eben, die aber ewig hält. So wie der Motor – wenn man ihn pfleglich behandelt. Der Vierzylinder ist mit seinen 3,6 Litern Hubraum und 40 PS quasi unverwüstlich. Das A-Modell war einst so etwas wie der VW-Käfer – für unter 400 Dollar.

Nach gut 110 Kilometern fahren wir in Ratzeburg wohlauf wieder auf den Markt. Zum Empfang gibt es ein Gläschen Sekt und launige Worte von Rallye-Moderator Andreas Bigott. Viele Menschen umsäumen den Zielbereich und klatschen. Man kommt sich ein wenig vor wie ein Filmstar. Auch Landrat Christoph Mager wird als Beifahrer von Christiane Rosenthal in ihrem kleinen MG begrüßt. So wie er und wie wir haben alle 87 Teilnehmer ins Ziel gefunden, keine wesentlichen Pannen keine Unfälle. Eine schöne Tour – Nostalgie pur.

NACHGEFRAGT

„Man fühlt sich wie zu Hause“

Wie sind Sie zu Oldtimern gekommen?

Durch meinen Vater, der mir mal bei einer USA-Reise einen alten Ford gezeigt hat. Da bin ich aus Begeisterung bis heute hängen geblieben.

Diese alten Maschinen sehen so einfach und übersichtlich aus.

Sind sie eigentlich auch. Aber man muss sie genau kennen und pflegen, sie sind wie Wesen. Ich spreche auch mit dem Motor meines Ford A.

Wie hat sich der Rallye-Sport aus ihrer Sicht entwickelt?

Teilweise leider nicht so gut. Der Enthusiasmus der Teilnehmer ist natürlich geblieben. Aber es ist eine Menge Kommerz hinzugekommen. Manche Rallye-Teilnahme ist unverschämt teuer geworden.

Sie kommen aus Berlin, was schätzen Sie an der RAC-Rallye rund um Ratzeburg?

Die Landschaft, aber auch die familiäre Atmosphäre hier. Ich bin seit den 90er Jahren dabei. Man fühlt sich wie zu Hause hier.

Matthias Wiemer

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