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Lauenburg Schöner wohnen im alten Schweinestall
Lokales Lauenburg Schöner wohnen im alten Schweinestall
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13:43 29.07.2017
Viel Platz zum Wohnen gibt es heute in diesem ehemaligen Waldarbeiterhaus in Rotenbek. Dieses große Zimmer war einmal ein Stall. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Rotenbek ist ein kleiner Ortsteil von Kuddewörde und liegt direkt am Sachsenwald, dem größten geschlossenen Waldgebiet Schleswig-Holsteins. Für Menschen, die dort beschäftigt sind, ist es natürlich vorteilhaft, sehr nahe an ihrer Arbeitsstätte zu wohnen. Das jetzige Wohnhaus der Familie Kind in Rotenbek war denn auch bis 1985 ein Waldarbeiterhaus.

Familie Kind hat ein ehemaliges Waldarbeiterhaus mit viel Liebe saniert.

Zwei Wohnungen befanden sich in dem Gebäude, als die Kinds es erwarben: „Eine stand leer, in der anderen lebte eine Familie mit zehn Kindern“, erinnert sich Nicola Kind. „Ziemlich abgewohnt und total renovierungsbedürftig“ sei das Haus damals gewesen, fügt sie gleich hinzu. Man habe sich aber entschlossen, es nicht total zu entkernen, sondern so viel wie möglich von der ursprünglichen Substanz zu erhalten. Dass zum Beispiel einige Türen krumm und schief seien, stört die heutigen Besitzer überhaupt nicht – das mache sogar den Charme eines so alten Bauwerks aus. Für die betagte Holztäfelung und den rustikalen Fußboden gelte das ebenfalls, erklären sie – und niemand wird dem widersprechen. Um 1778 soll das Haus in Rotenbek errichtet worden sein, genau Unterlagen darüber existieren allerdings nicht mehr. Sicher ist nur, dass das Gebäude schon einmal um etwa ein Drittel erweitert wurde.

Rund die Hälfte der 180 Quadratmeter Wohnfläche wurde ursprünglich als Stall genutzt, die andere Hälfte zum Wohnen. Heute sind neben Küche, Bad und Flur sechs Zimmer zum Wohnen vorhanden. Der Dachboden wurde nicht ausgebaut, er ist im Original erhalten geblieben. Noch vorhanden ist auch der eigene Brunnen im Garten, doch er wird nicht mehr genutzt, seitdem das Dorf an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen wurde.

Das Reetdach wurde beim Besitzerwechsel 1985 nicht komplett erneuert, es wurde nur eine neue Reetschicht auf das alte Dach aufgebracht. Das hielt bisher ganz gut. „Es regnet jedenfalls nicht durch“, sagt Volkert Kind, aber in den nächsten Jahre stehe wohl nun doch eine Neueindeckung an.

Rustikal und wohnlich ist es ohne Frage, das alte Waldarbeiterhaus. „Den aktuellen Energieeinsparverordnungen entspricht es natürlich nicht“, erklärt Volkert Kind, aber das müsse man bei einem so alten Gebäude eben in Kauf nehmen. Toll sei aber, dass es in den Räumen an heißen Tagen herrlich kühl bleibe – wenn man die Fenster geschlossen halte. Die meisten der Fenster sind verhältnismäßig klein, vor allem die im ehemaligen Schweinestall. Der ist heute ein ungemein gemütliches und großzügiges Wohnzimmer.

Nur wenige Meter hinter dem ehemaligen Waldarbeiterhaus steht ein weiteres schönes Fachwerkhaus, das ebenfalls der Familie Kind gehört. Es wurde zwar erst im Jahr 2000 in Rotenbek errichtet, doch seine Bestandteile sind weit älter. Dieses Gebäude wurde um 1800 in Gudow erbaut, war schon zum Teil eingefallen und wirklich abbruchreif, als die Kinds es dort vor 17 Jahren eher zufällig entdeckten. Sie ließen es abtragen, 30 Kilometer in Richtung Westen transportieren und in Kuddewörde wieder aufbauen. Über ein Jahr dauerten diese Arbeiten, doch dann dann war ein echtes Schmuckstück entstanden – mit einem Reetdach, wie es das Haus einst geschützt hatte. In Gudow hatte es zum Schluss nur noch ein Blechdach gehabt.

Nummerierte Balken

Den Wiederaufbau des in Gudow abgebauten Hauses ging Familie Kind generalstabsmäßig an: Alle Balken wurden nummeriert und kamen genau an jene Stelle, an denen sie schon 200 Jahre gestanden hatten. Auch die alten Türen und deren Beschläge wurden wieder verwendet. Unten wurde ein Pferdestall mit fünf Boxen eingerichtet, oben ein Büro. Heute wohnen die Kinder der Familie in dem neuen alten Haus.

 Norbert Dreessen

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