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Lauenburg „Schöpp-Schule“ verabschiedet den Rektor in den Ruhestand
Lokales Lauenburg „Schöpp-Schule“ verabschiedet den Rektor in den Ruhestand
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11:46 21.07.2016
Ein Abschiedsfoto mit ihrem Herrn Schöpp: Da ließen die Kinder sich nicht lange bitten. Jeder wollte mit dem Rektor abgelichtet werden. Und er erinnert sich, dass er in den ersten Jahren als einziger Mann im Kollegium oft mit „Du, Frau Schöpp“ angesprochen wurde. Fotos (2): Dorothea Baumm

Hand aufs Herz, liebe Möllner: Kennen Sie die Schöpp-Schule? Wenn nicht, ist es kein Grund, an Ihrer Kenntnis der Eulenspiegel-Stadt zu zweifeln. Es gibt nämlich keine Schöpp-Schule in Mölln. Aber es gibt die Grundschule Tanneck am Papenkamp. Und wenn Schulrätin Katrin Thomas von der Möllner Schöpp-Schule spricht, tut sie das mit einem breiten Lächeln – der Rektor der Schule heißt nämlich Schöpp, und das schon in der zweiten Generation. Diese gute Tradition endet nun allerdings zum 1. August: Gestern hat die Schulrätin Torsten Schöpp in den Ruhestand verabschiedet.

Ende einer Möllner Ära: Nach 40 Jahren wird der Rektor der Grundschule Tanneck erstmals nicht Schöpp heißen. Torsten Schöpp mit Trommeln und Reden verabschiedet.

„Schülersorgen waren bei Dir immer Chefsache.“ Stephanie Rick, Kollegin

Natürlich gab es eine offizielle Feier. Unter den Gratulanten: Schöpps Vater und Vorgänger im Amt, Hans-Otto Schöpp. Der ist zwar schon 87, was ihn aber nicht daran hindert, auf den 63-jährigen Sohn stolz zu sein. Der Junior ist seit 1991 Rektor der Grundschule Tanneck. Er hat Büro und Titel nahtlos von seinem Vater übernommen, der das Amt von 1973 bis 1991 inne hatte. „Mein Vater hat die Schule mitbegründet und -aufgebaut“, erzählt er stolz. Das hat nichts daran geändert, dass Torsten Schöpp sich ganz offiziell und regulär um den Posten bewerben musste – da gibt es Ausschreibungen und klare Verfahrensvorgaben, Klüngelei ist nicht drin.

Angst vor Langeweile im Ruhestand hat Torsten Schöpp nicht. Zum einen will er, der seit 45 Jahren bei der Feuerwehr engagiert ist, sich künftig vermehrt um die Bereiche Brandschutzerziehung und -aufklärung kümmern. Die Arbeit an der Chronik der Feuerwehr lockt ihn auch. Und dann ist da noch Noel. Der Zweijährige ist Schöpps Enkel und sein ganzer Stolz. „Ich möchte künftig mehr Zeit mit meiner Familie und ganz besonders mit meinem Enkel verbringen“, sagt er.

Er mag Kinder – und die Kleinen mögen ihn. „Du, Herr Schöpp, kommst Du morgen wieder?“ Immer wieder wird er das gefragt, und noch bei der zigsten Wiederholung antwortet er mit einem freundlichen Lächeln, beugt sich den Kindern entgegen. Und selbst auf das etwas weinerliche „ich hab Aua, ich bin hingefallen“ geht er mit genau der richtigen Mischung aus Besorgnis und Aufmunterung ein und entlässt ein dann doch wieder munter davon hopsendes Kind in den schulfreien Nachmittag.

Doch nicht alle waren nach Unterrichtsschluss weg. Schließlich galt es, den Rektor zu verabschieden, da waren die Trommelgruppe und ein Kinderchor beteiligt. Zur Melodie des kleinen grünen Kaktus’ sangen die Knirpse „Herr Schöpp, der darf nun gehen, in seinen Ruhestand. . .“, und der Rektor machte vergnügte Dirigentenbewegungen mit der Hand – wenn er sich nicht gerade eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel wischte.

Dass es zur offiziellen Verabschiedung ein Programm geben würde, war klar. Was die Kollegen ihrem langjährigen Chef präsentierten, war jedoch etwas ganz besonderes. Entsprechend berührt war Torsten Schopp, der in seiner Dankesrede launig formulierte: „Seit 14 Tagen passieren hier unglaubliche Dinge. Die Eltern haben mir einen Rundflug über Mölln geschenkt. Mit den Möllner Schulleiterkollegen bin ich das erste Mal in meinem Leben mit einer Draisine gefahren. Heute morgen wurde ich von der Feuerwehr abgeholt und zur Schule gefahren, dort standen alle 260 Kinder mit den Lehrern Spalier, mit Ketten aus selbstgebastelten Wimpeln und von jeder Klasse bekam ich eine riesige Sonnenblume. Zum Schulfest gab es als Überraschung die Umgestaltung des überdachten Frühstücksplatzes ins Torsten-Schöpp-Haus. Kurz: Ich bin erschrocken, was alles hinter meinem Rücken gelaufen ist – ich dachte immer, ich weiß alles, was an dieser Schule passiert.“ Nun, in diesem Fall war es gut, dass der Direx keine Ahnung hatte. Tschüss, Herr Schöpp!

 Dorothea Baumm

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