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Lauenburg Schon 195.000 Einwohner: Kreis wächst schneller als erwartet
Lokales Lauenburg Schon 195.000 Einwohner: Kreis wächst schneller als erwartet
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21:09 30.01.2018
Neubaugebiete in Schwarzenbek aus der jüngsten Zeit: Gerade der Zuzug aus dem für Wohnraum teuren Hamburg verstärkt sich und sprengt nach jüngsten Erkenntnissen zur Kreisentwicklung frühere Prognosen. Schon jetzt hat der Kreis bereits 195000 Einwohner. Quelle: Foto: Timo Jann
Ratzeburg

Der Titel der siebzehnteiligen Schaubilddarstellung klang eher sperrig: „Kleinräumige Bevölkerungs- und Entwicklungprognose Kreis Herzogtum Lauenburg 2015 bis 2030“ war der Bericht des Fachdienstleiters Regionalentwicklung und Infrastruktur, Michael Birgel, überschrieben.

Doch die Zahlen, Fakten und Prognosen stimmten die Mitglieder des Kreistags-Ausschusses für Energie, Umwelt und Regionales nachdenklich. Wie entwickelt sich der Kreis in den nächsten 15 Jahren? Welche Entwicklungschancen und -hemmnisse gibt es? Eines steht jetzt fest: Der Kreis wächst schneller als angenommen, und zwar rasant. „Schon 2016“, erläuterte Michael Birgel, „wurde die für 2030 prognostizierte Entwicklungsmarke von 195000 Einwohner im Kreis Herzogtum Lauenburg gerissen.“ Dabei sei ein neuer Trend erkennbar: Erstmals seit langer Zeit gibt es im Kreis mehr Geburten als Sterbefälle. Eine Trendumkehr, die hauptsächlich auf dem Zuzug von Flüchtlingen beruht.

Die Prognose zeigt aber auch sich verfestigende Trends auf: Größere Orte und Städte wachsen deutlich, während kleinere Dörfer eher stagnieren oder sogar mit rückläufiger Bevölkerungsentwicklung zu kämpfen haben, führte Birgel weiter aus. Und: der Zuwachs ist hauptsächlich im Süden des Kreises, dem so genannten Hamburger Speckgürtel, erkennbar. Demnach werden laut Prognose in den nächsten 15 Jahren fast 10000 zusätzliche Wohneinheiten erforderlich sein.

Vor allem die Städte Schwarzenbek, Geesthacht, Ratzeburg und die Amtsbereiche Breitenfelde und weiter südlich gelegene Orte werden künftig mehr Haushalte als heute aufweisen. Birgel: „Der Druck wird auch bei nicht klar zu prognostizierenden Flüchtlingsentwicklungen bleiben, aber die Kommunen werden den Bedarf nicht decken können.“

 

„Die Kommunen werden den Bedarf nicht decken können.Michael Birgel, Leiter Fachdienst Regionalentwicklung und Verkehrsinfrastruktur

Allerdings sei da noch ein weiterer wichtiger Faktor, betonte der Fachdienstleiter, der Faktor Arbeitsplätze. Bedingt durch den Strukturwandel bei Handel und Gewerbe und in der Arbeitswelt insgesamt sei nicht mit einem nenenswerten Zuwachs an Arbeitsplätzen zu rechnen. Das wiederum habe bei einem gleichzeitigen Bevölkerungszuwachs Auswirkungen auf Fragen der Mobilität für die berufstätigen Menschen im Kreisgebiet. Birgel: „Da müssen wir noch verstärkt eigene Vorstellungen entwickeln.“

Ausschussmitglied Horst Kühl (CDU) aus Mölln kommentierte den Entwicklungsbericht so: „Wir müssen wissen, was wir wollen. Wenn wir wachsen wollen, müssen wir in die Nachbargemeinden, die Städte sind voll, da geht nichts mehr.“ Dazu kam allerdings noch ein anderer Hinweis aus der Runde: Eine rigide Gesetzeslage blockiere geradezu die Entwicklung von kleineren Gemeinden. Da müsse etwas getan werden – allerdings vom Bund.

 Von Matthias Wiemer

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