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Lauenburg Schornsteinfeger überbringen das Glück für kranke Kinder
Lokales Lauenburg Schornsteinfeger überbringen das Glück für kranke Kinder
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12:40 27.06.2018
Emma(11,li) und Jakob (9) freuten sich, dass ihr Papa, Schornsteinfegermeister Andreas Walther aus Göldenitz endlich wieder da ist. Walther war die gesamte 1000 Kilometer lange Strecke mitgeradelt. Quelle: jeb
Hamburg/Büchen

Sechs Tage waren die teilnehmenden Glücksradler über 1000 Kilometer mit dem Rad bei Wind und Wetter vom Start in Düsseldorf bis zum Ziel am Dienstagmittag in Hamburg unterwegs. Ihr Ziel: so viele Spenden wie möglich bei berufsnahen Firmen, Innungen und Kollegen, sowie bei der Bevölkerung einzusammeln.

Um 14 Uhr bogen die Radfahrer, begleitet von der Hamburger Polizei, auf den Adolfsplatz vor der Handelskammer in Hamburg ein. Quelle: jeb

„Einer für alle, alle für einen“, der Leitspruch des Schornsteinfegerhandwerks, verbunden mit der Tradition als Glücksbringer zeigt sich bei der Glückstour auf besondere Weise: Alle Spenden werden direkt und ohne Abzug bei den einzelnen Etappenzielen an ortsansässige Initiativen übergeben, die sich um krebskranke Kinder und ihre Angehörigen kümmern oder die Forschung vorantreiben.

Spenden gehen ins Herzogtum Lauenburg, nach Stormarn und Lübeck

In diesem Jahr wurden an den einzelnen Etappenorten die Gelder, die im vergangenen Jahr bei der Glückstour eingesammelt wurden, wieder ausgeschüttet. Gleich drei Spenden gingen an Empfänger im Verbreitungsgebiet der Lübecker Nachrichten. Die Lübeck Hilfe für krebskranke Kinder, der Förderverein für schwerstkranke und behinderte Kinder und ein Kollege aus dem Schornsteinfegerhandwerk, der in Bad Oldesloe lebt und arbeitet, wurden in diesem Jahr bedacht.

Peter Schmid weiß schon, wohin die 3000 Euro gehen. Er hat schon wieder zwei Fälle mit schwerst erkrankten Kindern, einen Fall in Ratzeburg und einen weiteren ganz neu in Sandesneben. „Beide Familien sollen jeweils die Hälfte dieser tollen Spende der Schornsteinfeger bekommen“, erklärte er noch auf der Treppe vor der Handelskammer in Hamburg, nachdem er den Scheck in Empfang genommen hatte.

Für Schmid ist es ein Glücksfall, dass die Macher der Glückstour um ihren ersten Vorsitzenden Ralf Heibrok erst kürzlich entschieden hatten, nicht nur krebskranke Kinder sondern auch Kinder andere schwersterkrankte Kinder finanziell zu unterstützen. So kann auch er, der bisher immerhin mehr als 1,8 Millionen Euro für seinen Verein eingeworben hat, auch hier partizipieren.

Hilfe für kranke Kinder

Und auch Schornsteinfeger Timo Schulz und seine Lebensgefährtin Julia bekommen Geld. Ihrem 20 Monate alten Sohn Caiden hatte die behandelnde Ärztin den Eltern vorausgesagt, dass er keine Überlebenschance hätte. Inzwischen ist der Junge knapp zwei Jahre alt und die Ärztin möchte nun keine Prognose mehr abgeben.

Der stellvertretende Geschäftsführer der Glückstour, Schonsteinfegermeister Andreas Walther (Ahrensburg,li) bei der Scheckübergabe an Timo Schulz (mit Söhnchen Caiden auf dem Arm) und seiner Lebensgefährtin Julia sowie seinem Chef Harmut Voigt (Wesenberg/Fliegenfelde). Quelle: jeb

Fest steht, dass die Eltern ihren Sohn rund um die Uhr betreuen müssen, da er sich nicht allein bewegen kann und auch immer wieder Krämpfe bekommt. Die seltene Krankheit ist durch eine Hirnblutung noch während der Schwangerschaft im Mutterleib entstanden.

Trotz inzwischen anerkannter Pflegestufe fünf aber weigert sich die Krankenkasse immer wieder zu zahlen. Oftmals gibt es komplette Absagen oder es wird nur die absolut billigste Variante bezahlt, die dann erst für die Bedürfnisse umgebaut werden muss. „Eigentlich braucht unser Kind eine Rund um die Uhr Versorgung, aber die Krankenkasse zeiht davon acht Stunden für die Nacht einfach ab. Und das, obwohl unser Kind oft gar nicht schläft“, erklärt Vater Timo Schulz.

Momentan hat seine Lebensgefährtin noch Elternzeit, aber niemand weiß, wie es danach weitergeht. Mutter Julia ist bei der Bundeswehr. Vater Timo hat mit Schornsteinfegermeister Hartmut Voigt einen sehr guten Chef, der ihm viele Freiheiten lässt. „Das funktioniert gut und es gibt keine Probleme“, so Voigt. „Natürlich wissen wir, dass es jederzeit zu Ende sein kann, dass unser Kind sterben wird“, sagt Timo Schulz.

Er hält seinen Sohn im Arm, als er die Spende seiner Kollegen entgegen nimmt. Die 3000 Euro, die ihm die Glückstour spendet, sind allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Badezimmer in dem älteren Haus, dass die beiden vor zwei Jahren gekauft haben, muss behindertengerecht umgebaut werden.

Und noch einige andere Dinge sind zu machen. „Eigentlich könnte ich ja vieles selbst machen, aber es bleibt einfach keine Zeit dafür. Ich muss ja auch arbeiten und es geht verdammt viel Zeit dabei drauf, wenn ich mich mit der Krankenkasse auseinandersetzen muss, deswegen beim Anwalt sitze. Und ich verbringe natürlich auch soviel Zeit wie irgend möglich mit unserem Sohn, entlaste auch meine Julia dabei ein wenig“, sagt Timo Schulz.

Von Jens Burmester

Neue Rekordsumme

In diesem Jahr sammelten die „Schwarzen“ bei ihrer Glückstour 2018 eine neue Rekordsumme ein. Insgesamt kamen 208 350 Euro an Spenden zusammen. Die werden im kommenden Jahr bei der Glückstour ausgeschüttet.
Die nächste Glückstour im Jahr 2019 endet in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, ein Jahr später ist der Zielort dann die Hansestadt Lübeck. Ziel der radelnden Schornsteinfeger ist es, die Spendensumme in jedem Jahr zu toppen.

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