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Lauenburg Schuldnerberatung in Not: Grüne warnen vor Folgen
Lokales Lauenburg Schuldnerberatung in Not: Grüne warnen vor Folgen
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18:22 09.04.2016

Im Jahr 2015 suchten mehr als 900 Personen die Schuldner- und Insolvenzberatung des Kreises Herzogtum Lauenburg auf. Diese Zahl bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre um 50 Fälle. Das hat eine Anfrage der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen bei der Kreisverwaltung ergeben.

Klaus Törmählen fordert Ausbau. Quelle: mst

Schuldnerberatung

Die Schuldner- und Insolvenzberatung wird vom Land und von Wirtschaftsbetrieben sowie Banken getragen. Die Finanzierung ist auf Bundesebene nicht einheitlich geregelt. Die Mittel des Kreises sind von ehemals 200000 Euro in 2010 auf 146200 Euro abgesenkt worden.

Auf Grund unzureichender Bundes- und Landesmittel sowie der Kürzung des Kreiszuschusses habe die Personalausstattung nicht entsprechend angepasst werden können, heißt es in einer Mitteilung der Grünen. Im Schnitt seien auf einen Berater 265 Fälle gekommen — ein in den letzten acht Jahren nicht dagewesener Rekord. In der Antwort der vom Diakonischen Werk betriebenen Beratungsstelle sei vermerkt, dass „der Personalstand nicht ausreicht, um in kurzen Zeitabständen die Einnahme- und Ausgabesituation der Ratsuchenden zu erörtern und um rechtzeitige Veränderungen zu ermöglichen. Der Personalstand und die Förderrichtlinie des Kreises reichen auch nicht aus, um die notwendige Prävention so auszubauen, dass jeder Schulabgänger eine Unterrichtseinheit zur Budgetplanung erhält, da diese Leistung aus der Förderrichtlinie gestrichen wurde.“

Neben der Notwendigkeit von Lösungen in der aktuellen Schuldensituation der Betroffenen müsste aus Sicht der Kreisgrünen gerade die Prävention eine tragende Komponente der Schuldnerberatung sein.

Dazu sagt Klaus Tormählen von der Kreistagsfraktion, der die Zahlen angefordert und analysiert hat: „Die Überschuldung vieler Menschen ist eine Belastung für die ganze Gesellschaft. Diese trägt nicht nur die Kosten der Beratung und Insolvenzbetreuung, sie hat auch Folgekosten in Form von Krankheiten, Sucht und Arbeitslosigkeit mit allen Auswirkungen auch auf Kinder in verschuldeten Familien zu tragen“, so Tormählen. Dazu komme, dass die zu 75 Prozent Betroffenen der Altersstufe 25 bis 55 keine ausreichende Altersversorgung aufbauen könnten und damit im Rentenalter auf Grundversorgung des Staates angewiesen sein werden.

Tormählen: „Die Kreistagsmehrheit hat sich seinerzeit im Rahmen der Konsolidierung für Kürzungen in fast allen sozialen Einrichtungen entschieden. Dies ist allerdings überall dort zu kurz gesprungen, wo die Einkürzung präventiver Maßnahmen die Folgekosten nach oben treiben.“

Die Beratungsstelle verfügt aktuell insgesamt über knapp 3,5 Beraterstellen. Die auf Bundesebene tätige Arbeitsgemeinschaft „Schuldnerberatung der Verbände“ fordere zwei Stellen pro 50000 Einwohner, für den Kreis Herzogtum Lauenburg bei über 190.000 Bürgern also das Doppelte. Laut Schreiben der Diakonie ist gerade im Bereich „Ratsuchende mit besonderem Hilfebedarf“ dringend ein Personalausbau nötig.

Am Dienstag dem 12. April stellt die Beratungsstelle der Diakonie ihren Jahresbericht in der Sitzung des Kreissozialausschusses vor (Mölln, Jobcenter, Alt-Möllner-Straße 2, 17.30 Uhr).

LN

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