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Lauenburg Schulen im Konkurrenzkampf: Kinder werden zu Pendlern
Lokales Lauenburg Schulen im Konkurrenzkampf: Kinder werden zu Pendlern
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18:21 13.02.2016
„Profitieren von der Verkehrsanbindung.“ Dr. Harry Stossun, Schulleiter in Büchen

Die Schullandschaft ist in Bewegung — und mit ihr die Schüler. Für die Gemeinden hat das finanzielle Folgen: Für jeden ihrer Schüler, der in einem anderen Gebiet zur Schule geht, müssen sie Schulkostenbeiträge zahlen. Andersherum nehmen sie Geld ein. Durch neue Angebote und Oberstufen stehen Schulen in einer nie da gewesenen Konkurrenz zueinander — Die Schülerströme haben sich verändert. Schulen im Kreis müssen um Schüler buhlen.

Auf welche Schule ein Kind geht, das entscheiden häufig die Eltern, oft mit ihren Kindern zusammen. Viele Schüler pendeln täglich quer durch den Kreis zum Unterricht. Welche Fächer werden angeboten, wie lange wird am Nachmittag gelernt und ist der Nachmittagsunterricht freiwillig oder verpflichtend? Schulen müssen sich dem Vergleich stellen.

142 Kinder und Jugendliche pendeln beispielsweise jeden Tag aus dem Geesthachter Stadtgebiet nach Lauenburg. „Entscheidend bei der Schulwahl ist der Elternwille“, erklärt Geesthachts Pressesprecher Torben Heuer das Verfahren, das durch das 2014 geänderte Schulgesetz Schleswig-Holsteins geregelt wird. Weder Ort noch Schulform werden demnach von Lehrerempfehlungen vorgegeben. Eltern entscheiden unabhängig, an welcher Schulform und in welcher Stadt ihre Kinder unterrichtet werden. Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien müssen sich dem Wettbewerb stellen. Die Schullandschaft ist mit steigender Zahl der Oberstufen vielfältiger.

Büchen liegt zentral im Kreis Herzogtum Lauenburg. Zwölf Gemeinden zählen zum Schulverband des Ortes. Aus 47 Gemeinden pendeln 524 Schüler zum Unterricht nach Büchen. Allein aus Schwarzenbek kommen 126 Schüler in die Grund- oder Gemeinschaftsschule und zum Standort Siebeneichen. 2015 hat der Verband damit 783500 Euro eingenommen — im Schnitt mehr als 1400 Euro pro Schüler. Dr. Harry Stossun: „Wir profitieren von der Verkehrsanbindung.“ Mehr Schüler bedeuten neben Einnahmen durch Schulkostenbeiträge auch mehr Lehrkräfte, so der Schulleiter der Gemeinschaftsschule Büchen. In Schwarzenbeks Kassen flossen fast 850000 Euro. Einen erheblichen Anteil hat daran das städtische Gymnasium mit rund 555000 Euro. Mehr als 400 Schüler besuchen es.

Eine gute Stunde dauert eine Busfahrt von Büchen nach Mölln, eine Fahrzeit die derzeit mehr als 200 Schüler in Kauf nehmen. Das sind gut ein Drittel der 581 Schüler, die den Amtsbereich Büchen für die Schule verlassen. Die Zahl ortsfremder Schüler in Mölln ist jüngst zurück gegangen, damit auch die Einnahmen durch Schulkostenbeiträge: Besuchten 2013 noch 960 von ihnen eine der sechs Möllner Schulen, waren es 2015 nur noch 920 — die meisten davon besuchten das Marion-Dönhoff-Gymnasium. 146 Schüler kommen aus dem Amt Sandesneben-Nusse, in dem es kein Gymnasium gibt. Aber: Dort gibt es eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe. Dennoch kommen von dort 53 Schüler nach Mölln an die Gemeinschaftsschule. 75 Sandesnebener Schüler pendeln zum Möllner Gymnasium. Von Konkurrenz möchte Andreas Korte, Schulleiter der Sandesnebener Gemeinschaftsschule, nicht sprechen. „Es geht um die Schüler“, sagt er und vor allem sei wichtig, dass für sie alle Abschlüsse möglich seien. Schulen brauchen eine „klare pädagogische Zielrichtung und auch Alleinstellungsmerkmale“, so Korte. Dr. Harry Stossun spricht offener von Konkurrenz und sagt: „Letztlich sind unsere Infoveranstaltungen auch Werbeveranstaltungen.“

„Alle in Geesthacht wohnenden Kinder können in Geesthacht zur Schule gehen und aus diesem Angebot auswählen, wobei lediglich an der Alfred-Nobel-Schule begrenzte Plätze zur Verfügung stehen“, betont Torben Heuer. So ist es auch in Büchen. Jeder Schüler aus dem Einzugsbereich des Schulverbandes hat ein Recht auf einen Schulplatz. Hinzu kommen Gymnasiasten vom Kooperationspartner Schwarzenbek. „Je höher die Klassenstufe, desto schwieriger ist es für Schüler aus anderen Gemeinden, einen Platz zu bekommen“, sagt Stossun. Es gebe mehr Anmeldungen als Plätze. Entschieden werde nach Auswahlkriterien wie Geschwisterkinder oder Leistung.

„Fakt ist, dass das Schulsystem zweigleisig geworden ist“, benennt Andreas Korte einen möglichen Grund für die Schülerwanderungen — Gemeinschaftsschule oder Gymnasium. Hinzu kommen Profilangebote und Fahrtwege. Fakt ist aber auch, dass für Städte und Gemeinden die Rechnung aufgehen muss. Sie versuchen, Schüler an ihren Schulen zu halten, neue für sich zu gewinnen und Eltern mit ihren Angeboten und Profilen zu überzeugen.

Der Schulkostenbeitrag

Die Gemeinden zahlen Schulkostenbeiträge für Schüler, die eine Schule besuchen, an dessen Trägerschaft die Gemeinden nicht beteiligt sind. Die Höhe des Beitrags ergibt sich aus laufenden Kosten, Verwaltungskosten und einer Investitionspauschale von 325 Euro.

Der Schulverband Büchen nimmt so für einen Schüler auf der Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe 1688,42 Euro pro Jahr ein; Schwarzenbek hat im Schnitt 1604,40 Euro pro Schüler ausgegeben.

Philip Schülermann und Wiebke Brütt
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