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Lauenburg Schulhund „Balou“ tröstet Möllns Schüler
Lokales Lauenburg Schulhund „Balou“ tröstet Möllns Schüler
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10:19 18.02.2015
Ein lässiger Zeitgenosse: In der Schule Steinfeld sorgt Schulhund „Balou“ für Ruhe und Gemütlichkeit im Klassenraum. Mit seiner tapsigen Art bringt er auch Schülerin Lena (12) beim Pfötchen geben zum Lachen. „Ich finde sein Fell so witzig“, sagt die 12-Jährige . Quelle: Fotos: Alessandra Röder
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Mölln

Niklas hat sich in der hinteren Ecke des Klassenzimmers zusammengekauert und ruft nach „Balou“. Sekunden später taucht der riesige Wuschelkopf auf und hüpft auf den 12-Jährigen zu. Der Schüler hebt den Finger und gibt die Anweisung ‘sitz‘. Sofort setzt sich das Tier auf sein flauschiges Hinterteil.

Ein lässiger Zeitgenosse: In der Schule Steinfeld sorgt Schulhund „Balou“ für Ruhe und Gemütlichkeit im Klassenraum.

Mit stolzem Blick gibt Niklas seinem haarigen Kumpel ein Leckerli. Dann ruft Lena (12) den Briard und das Spiel geht von vorne los. Seit Beginn des Schuljahres begrüßen die Schüler von der Schule Steinfeld „Balou“ jeden Freitag mit diesem kleinen Ritual. Der einzige Schulbegleithund im Kreis ist der Star an der Förderschule. Die Schüler vertrauen „Balou“ und lernen durch ihn Sozialkompetenzen.

„Niklas und Jan-Philipp sind gerne laut und aufgedreht. Aber mit „Balou“ sind die beiden anders. Die werden ganz lieb und vorsichtig“, erzählt Ulrike Siebert. Die Sonderschulpädagogin hatte schon lange die Idee, ihren Hund mit in die Schule zu bringen. In diesem Jahr hat sie das Projekt zum ersten Mal realisiert. Die Lehrerin ist selbst erstaunt, welche Wirkung das Tier auf die Schüler hat.

„Balous“ Anwesenheit reicht, um die Klasse zu beruhigen. „Nicht nur das Streicheln, sondern schon die bloße Präsenz des Tieres hat eine stressreduzierende Wirkung“, sagt sie.

Doch der Rüde leistet noch viel mehr: „Heute hat mich „Balou“ getröstet“, erzählt Niklas. Er hatte sich mit seinen Klassenkameraden gestritten und war wütend. Dann kam „Balou“ auf ihn zu und stupste ihn an. „Die Kinder flüstern ihm ihre Probleme ins Ohr“, erzählt Lehrerin Siebert. Selbst Schüler, die kaum ein Wort sagen, würden von und mit „Balou“ sprechen. Die sieben Schüler der Projektgruppe sind zwischen 11 und 17 Jahre alt. „In dem Alter wollen sie nicht mehr mit den Eltern kuscheln, aber brauchen dennoch Zärtlichkeit“, erklärt Siebert. Die Schmuseeinheiten können sie sich bei dem Schulbegleithund holen.

Dabei sieht das Tier auf den ersten Blick wild aus: Er reicht den Kindern bis zum Bauchnabel und könnte sie wohl mit einem Sprung umwerfen. Doch der Briard macht geduldig jedes Spiel mit und geht auf alle Kuschelattacken ein. Selbst als Lisa-Marie (17) ruckartig an seinem langen Zottelfell zieht, knurrt er nicht mal, sondern steht nur erschrocken auf. „Durch seine direkten Reaktionen lernen die Kinder, sensibel und rücksichtsvoll mit Tieren und Menschen umzugehen“, erklärt Siebert.

Die Kinder stellen sich nun in einer Reihe auf und jeder soll „Balou“ im Slalom durch den menschlichen Parcours führen. „Los, komm“, ruft Jan-Philipp (12) und führt ihn mit Hilfe von Leckerlis herum.

Während der Übung gucken die Kinder aus der Nachbarklasse begeistert aus dem Fenster. Wöchentlich üben die Schüler in den eineinhalb Unterrichtsstunden mit dem Hund umzugehen. Dabei sind sie viel draußen. Lehrerin Siebert freut sich, wenn ihre Projektgruppe anderen Schülern schon erklärt, wie sie auf den Hund zu gehen sollen. Zuviel toben und rumalbern sollen sie mit „Balou“ aber nicht. Im theoretischen Teil lernen sie die Hunderassen und die Körperteile der Tiere kennen.

Siebert hat mit ihrem siebenjährigen Rüden eine Gehorsamkeitsausbildung gemacht. Er hat zwei Begleithundeprüfungen beim Verband für das Deutsche Hundewesen bestanden. Die 38-Jährige war zusätzlich auf Fortbildungen. Nach dem Unterricht kippt „Balou“ erschöpft auf die Seite und schläft sofort ein. Der „Co-Pädagoge“ muss sich jetzt erstmal ausruhen, damit er fit für die nächste Stunde ist. Für die Schüler ist er sehr wichtig geworden. Siebert: „Die können sich einen Freitag ohne ihn nicht mehr vorstellen. Der Tag ist etwas besonders für die Schüler und „Balou“.

„Ich brauche nur zu sagen, ,Balou‘ ist doch da und die Klasse wird ganz ruhig.“
Ulrike Siebert, Lehrerin

Alessandra Röder

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