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20:12 03.01.2018
Schriftsteller Christoph Ernst ist ein absoluter Fan von „Film noir“, lobt: „Sprache und Dialog in Noirs sind bestechend ökonomisch.“ Quelle: Foto: Antje Berodt/hfr
Klein Zecher

Noir. Ernst. Zahltag. So lässt sich „schwarz“ steigern. Im Gespräch mit dem Schriftsteller, der in Klein Zecher lebt, wird schnell klar: Da spricht einer, der sich auch wissenschaftlich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. „Zahltag ist eine Hommage an einen meiner Lieblings-Noirs“, erzählt Ernst. Es geht um „Out of the Past“ von Jacques Tourneur aus dem Jahre 1947. „Er basiert auf dem Roman ,Goldenes Gift’, im Original ,Build My Gallows High’ von Geoffrey Homes – und hinter dem Pseudonym Homes verbarg sich Daniel Mainwaring.“

Wie so vieles im Leben ist auch „Zahltag“ das Resultat vieler kleiner Schritte, die sich, teils völlig ungeplant, aneinanderreihten. „Es fing damit an, dass ich das Drehbuch in Auszügen übersetzt habe, weil ich es für Schreibübungen nutzen wollte“, erinnert sich Ernst, der unter anderem auch Schreibkurse gibt. Und schon hatte er eine Dialogsequenz herausgelöst: „Die habe ich meinen Schreibschülern als besonders ökonomische Form des Erzählens ans Herz gelegt.“

Genau das ist es nämlich, was Oldtimer-Fan Christoph Ernst an den Noirs so sehr gefällt: „Sprache und Dialoge in den Noirs sind bestechend ökonomisch.“ Wikipedia definiert „Film Noir“ wie folgt:

„Ursprünglich wurde mit diesem Begriff eine Reihe von zynischen, durch eine pessimistische Weltsicht gekennzeichneten US-amerikanischen Kriminalfilmen der 1940er und 1950er Jahre klassifiziert, die im deutschen Sprachraum auch unter dem Begriff ,Schwarze Serie’ zusammengefasst werden.“ Ernst bringt es auf den Punkt: „Noirs sind rasend schnell und gut.“

Als nächstes kam eine Reise: Ein Freund hatte den Schriftsteller nach Andalusien eingeladen. „Wir haben uns über den Film unterhalten.“ Und schließlich reifte der Entschluss zu schreiben. „Ich habe das Gerüst der Geschichte genommen, um einen Euro-Neo-Noir zu schreiben.“ So entstand „Zahltag“. Mit ein paar Verfremdungen handele es sich aber um die ursprüngliche Geschichte, betont Ernst.

Das Original beginnt in einer amerikanischen Kleinstadt und spielt dann in Mexiko und Kalifornien. „Im Kern ist es eine Dreiecksgeschichte mit einer Femme fatale, und es kommt noch ein gutes Mädchen als Gegenpart zur bösen Frau hinzu.“ Das Ende des Originals sei allerdings etwas moralischer, „da beißen Held und Femme fatale ins Gras“.

Wie Christoph Ernst das Ende von „Zahltag“ gestaltet hat, wird hier nicht verraten – wer’s wissen will, soll bitteschön selbst lesen. Soviel aber darf gesagt werden, ohne das Lesevergnügen zu schmälern: Ernsts „Fingerübung“ nimmt ihren Ausgang im nordwestmecklenburgischen Dassow. Dort betreibt der Held eine Tankstelle an der B 105 – richtig, die gibt es auch im wahren Leben.

„Die Umgebung von Dassow ist ganz zauberhaft“, schwärmt Ernst. „Wenn ich so ein Held wäre, wie der Held in meinem Buch, dann wäre das ein Ort, an dem ich mich gern verlieren würde.“ Wer sich in der Region auskennt, hat beim Leben immer wieder Aha-Erlebnisse. Abstecher führen den Helden, einen abgetauchten, ehemaligen Privatdetektiv, auch nach Aix in Frankreich. Warum dorthin? „Da wohnt eine Freundin“, erklärt der Autor, „Da kenne ich mich aus.“

Parallel zu „Zahltag“ hat Ernst an dem Roman geschrieben, der im Frühjahr bei Leda erscheinen soll. „Das ist der Versuch, einen Film auf Papier zu bringen.“ Es geht um einen Mann, der in Kanada lebt.

„Er wird nun nach 25 Jahren von seiner Geschichte eingeholt, die sich in Berlin abgespielt hat. Jetzt muss er alles seiner Tochter beichten. Und um sich und seine Tochter zu retten, muss er sich den Gespenstern seiner Vergangenheit stellen“, erzählt Ernst. Arbeitstitel des Buches ist „Mareks Liste“, der Roman ist „etwas aufwändiger“.

Wenn man Ernst erzählen hört, drängt sich der Verdacht auf: Der Mann reist gern. Und tatsächlich: Ein Freund kommt aus Kanada, „die Familie hat eine eigene Insel, da hat er mich mit hingenommen“.

Auch Kuba hat der Schriftsteller schon bereist: „Da hat mich meine Frau mal hingeschleppt. Das fanden wir beide so zauberhaft, da mussten wir gleich nochmal hin.“

Abschließend schnell noch einmal zurück zu „Zahltag“. Warum sollte man das Büchlein lesen? Ernst antwortet, dem Thema angemessen wie aus der Pistole geschossen: „Mit ,Zahltag’ wartet fette Beute auf Menschen, die sich gern Film noir angucken.“

„Zahltag“: Christoph Ernst, Hallenberger Media, 106 Seiten, 9,50 Euro

Von Dorothea Baumm

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