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Lauenburg Schwerer Stand für Windanlagenbauer
Lokales Lauenburg Schwerer Stand für Windanlagenbauer
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23:39 07.09.2015
Es war voll bei der Einwohnerversammlung der Gemeinde Sierksrade im Gemeindehaus. Quelle: Fotos: Jens Burmester
Sierksrade

Sollen bei Sierksrade zehn Windkraftanlagen gebaut werden, oder nicht? Darüber diskutierten am Freitagabend im Sierksrader Gemeindehaus etwa 100 Einwohner mit Vertretern der Betreiberfirma Eno Energy, der Landesvorsitzenden von „Gegenwind“, Dr. Susanne Kirchhof aus Plön, und Nabu-Experte Heinz-Achim Bork aus Mölln.

Ziemlich schnell wurde an diesem Abend deutlich, dass offenbar eine große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nur wenig von dem Bauvorhaben des Rostocker Unternehmens begeistert ist. Eno Energy Mitarbeiter Heiko Steinfeld hatte einen schweren Stand an diesem Abend und konnte zudem mit seinen Antworten auf einige Fragen nicht immer plausible und ausreichende Antworten geben. So konnte er keine erschöpfende Auskunft geben, ob seine Firma nach dem Bau den Windpark behalten wolle oder nicht. „Eigentlich wollen wir solche Anlagen langfristig betreiben, aber ich kann nicht sagen, ob wir diese Anlage auch behalten werden“, gab Steinfeld an.

Zehn Anlagen waren auf einer Karte eingezeichnet, die Steinfeld präsentierte. Der Windpark soll auf einer Fläche entstehen, die noch hinter der Ortschaft Düchelsdorf liegt. Somit zeigten hier auch die Einwohner von Klinkrade besonderes Interesse, was Wolfgang Templin und Christian Stöber in der Versammlung auch deutlich machten. Dort war in zwei Volksentscheiden in den vergangenen Jahren der Bau von solchen Windkraftanlagen abgelehnt worden. Weil aber von einem Gericht die Entscheide und auch die Planungen des Landes gekippt worden waren, versuchen nun Windkraftbetreiber per Ausnahmeregelung zu einer Genehmigung zu kommen und schnellstmöglich solche Anlagen zu errichten. Auch in Klinkrade scharre man bereits mit den Hufen, erklärte Stöber, der dort im Gemeinderat sitzt.

Susanne Kirchhoff nutzte ihre zehnminütige Redezeit, um den Sierksradern zu erklären, mit welchen Belästigungen sie rechnen müssten. „Es sind besonders die tiefen Töne, die durch Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h an den Flügelspitzen herrühren. Das führt zu Schlafstörungen und Unwohlsein“, erklärte Kirchhof.

Mitarbeiter Steinfeld von Eno Energy war der Vortrag der Gegnerin von Windkraftanlagen in der Nähe von Wohnsiedlungen sichtlich unangenehm, aber er hatte dem kaum etwas entgegen zu setzen. Die Frage, warum seine Firma gerade hier bei Sierksrade solche Anlagen mit einer Höhe von bis zu 180 Metern errichten wolle, blieb unbeantwortet. Steinfeld gab an, dass bei der hier geplanten Anlage eine Effizienz gegeben sei, weil man hier eine Windleistung von sechs Metern in der Sekunde vorfinde.

Man konnte während der Versammlung durchaus den Eindruck gewinnen, dass sich Steinfeld von Kirchhof und dem Nabu-Mann Heinz-Achim Bork, der eine Lanze für bedrohte Tierarten wie Fledermäuse und Rotmilan brach, in die Enge getrieben fühlte. Und so war er nach dem Schlusswort von Vizebürgermeisterin Runge denn auch gleich verschwunden. Nachfragen an den Eno Energy-Mann waren nicht möglich.

Die Eno Energy GmbH
Die Firma Eno Energy erschließt mit ihrer Tochterfirma Eno Energy Systems nicht nur Windparks, sondern entwickelt und stellt auch die Windkraftanlagen dafür selbst her. Außerdem übernimmt das Unternehmen den Service und die Wartung für die Windräder. Eno Energy wurde 1990 in Rostock gegründet. Dependancen befinden sich auch in Paris, Birmingham und im schwedischen Vessigebro.
Anleihen im Stückwert von 1000 Euro hat die Eno Energy GmbH vor gut vier Jahren ausgegeben. Damit wollte sie insgesamt 25 Millionen Euro bei den Anlegern einsammeln. Den Anliegern wurden Zinsen in der Höhe von jährlich 7,375 Prozent zugesagt, die jährlich auszuzahlen sind. Laufzeitende mit Auszahlung der Anleihe ist am 30. Juni 2016. Außerdem sind 2009 so genannte Genussscheine im Wert von bis zu sechs Millionen Euro (Zinsen 7 Prozent per anno) ausgegeben worden. Sie sind am 30. November 2016 fällig.
Mit einer Online-Abstimmung will Eno Energy die Zustimmung der Inhaber zu einer Verlängerung der Laufzeit der Anleihe um drei Jahre. Laut Sierksrades Gemeindevertreter Oliver Knobloch geht es um etwa 10,3 Millionen Euro.

Jens Burmester

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