Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Sechs Monate auf Bewährung wegen Kinderpornos
Lokales Lauenburg Sechs Monate auf Bewährung wegen Kinderpornos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 07.08.2015
Ratzeburg

Sichtlich angespannt, die Hände auf dem Tisch zusammengefaltet, sitzt der 44-jährige Möllner auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Besitz von Kinderpornos. Nicht Bestandteil dieses Verfahrens, aber dennoch zur Sprache kam ein anderer Vorfall: Zu Hause filmte der Angeklagte auch die 18-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin heimlich beim Duschen. Zwei Justizbeamte haben den gelernten Koch kurz vorher in den Saal zwei des Ratzeburger Amtsgerichtes geführt. Eine Woche Untersuchungshaft in Lübeck-Lauerhof haben den Mann in schwarzem T-Shirt und schwarzer Hose gezeichnet. Dorthin hatte ihn Richter Martin Mrozek eine Woche zuvor bringen lassen, nachdem der Angeklagte zum ersten Verhandlungstermin nicht gekommen war.

Von den beiden Beamten an Tür und Fensterfront sitzend bewacht, gibt sich der Möllner wortkarg, lässt zunächst seinen Pflichtverteidiger sprechen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft nimmt er ohne große Regung hin. Nur einmal fällt er der Anklägerin ins Wort, korrigiert seinen zweiten Vornamen. Reihenweise kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos — teilweise gelöscht — seien bei der Hausdurchsuchung im April 2013 auf diversen Festplatten und Speichersticks und -Karten gefunden worden, so die Staatsanwältin.

Aufgeflogen war der Möllner durch eine „anlassunabhängige Recherche“ der Polizei in Baden-Württemberg. Die hatten die IP-Adresse des Hausanschlusses seiner Lebensgefährtin bei einer einschlägig bekannten Tauschbörse ermittelt — und die Ratzeburger Beamten informiert. Die handelten schnell — auch angesichts des Vorstrafenregisters des verurteilten Vergewaltigers. Der Beweissicherung folgten monatelange Auswertungen von mehreren hundert Gigabyte Daten.

Hatte er die Taten in einem Vorgespräch mit Richter Mrozek noch abgestritten, gibt er den Besitz nun zu. Passiert sei alles aber aus Versehen, behauptet der Angeklagte. Eigentlich habe er „ganz normale Pornos“ gesucht, so der unter anderem wegen Vergewaltigung vorbestrafte vierfache Vater — unter anderem von zwei zum Tatzeitpunkt vierjährigen Kindern.

Richter Mrozek hakt nach, will sich ein kompletteres Bild des Angeklagten machen. Was das mit den Duschaufnahmen auf sich habe, will der Vorsitzende wissen. Eigentlich habe er vom Badezimmer aus den Hof videoüberwachen wollen und zum Test das Badezimmer aufgenommen, so der Angeklagte. Dass seine 18-jährige Stieftochter dort duschen werde, will der Koch mit Informatik-Zusatzausbildung nicht gewusst haben. Ein Version, die ihm weder Staatsanwältin, noch Richter abnehmen. „Dass sie die Kamera nicht so installieren, dass sie das zeigt, was auch später überwacht werden soll, nehme ich ihnen nicht so ab“, so Mrozek. Dennoch hat die Tat keinen Einfluss auf das Urteil, da sie Bestandteil eines anderen Prozesses war.

Für die verhandelten Taten brummt Mrozek dem 44-Jährigen wie von der Staatsanwältin gefordert sechs Monate auf Bewährung auf. Außerdem muss er 500 Euro an den Frauennotruf zahlen. „Heute haben Sie sich vernünftig eingelassen und die Taten zugegeben. Wenn Sie diese Einsicht heute nicht gezeigt hätten, wären Sie eingefahren“, warnt Mrozek.





Aus dem
Gerichtssaal
Kinderpornos
Der Besitz von kinderpornografischen Bildern und Videos wird mit einer Geldstrafe oder Gefängnis von bis zu zwei Jahren bestraft. So steht es im Strafgesetzbuch. Unterschieden wird zwischen Kinder- und Jugendpornografie.
Der Gesetzgeber hänge den Tatbestand trotz aller politischer Bekenntnisse sehr niedrig auf, bedauerte Richter Martin Mrozek. Dazu gehöre auch, dass vom Gesetz her keine Mindeststrafe vorgesehen sei.
Verstärkt in die Diskussion gekommen war der Besitz von Kinderpornos zuletzt durch den Fall des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy.

Holger Marohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mitglieder des Gewerbevereins Groß Grönau und weitere fleißige Helfer sind auf einer in Groß Grönau unter Naturschutz stehenden Fläche dem giftigen Jakobskreuzkraut zu Leibe gerückt.

07.08.2015

Mit 25 Kindern im Alter von 7 bis 13 verbrachte der Kinderschutzbund des Kreises einen Tag in fröhlicher Gemeinschaft in Trappenkamp.

07.08.2015

Im Namen vieler strahlender Flüchtlinge bedankt sich die Kirchengemeinde Gudow für die zahlreichen Spenden von Schachspielen für die Asylbewerber.

07.08.2015