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Seriendieb drang in Möllns Schulen ein: 31 Tatvorwürfe

Mölln Seriendieb drang in Möllns Schulen ein: 31 Tatvorwürfe

Obdachloser (21) soll Geld gestohlen und in diversen Büros übernachtet haben.

Mölln. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Einbrüche und Diebstähle in Möllner Schulen, Pflegeheimen und Kitas rapide an. Überwiegend wurden Geld und Lebensmittel gestohlen – die Fälle wurden Stadtgespräch. Der Täter hinterließ ähnliche Spuren und schien in den Büros zu übernachten. Die Polizei erkannte bald ein Muster und ging von einem Serientäter aus, der schließlich gefasst wurde und seit Ende vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzt. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Lübeck wirft dem 21-jährigen Möllner am Amtsgericht Ratzeburg besonders schweren Diebstahl in 31 Fällen vor.

Betroffene Einrichtungen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Täter vor, sich unter anderem unberechtigt Zugang zu folgenden Möllner Einrichtungen verschafft zu haben: BBZ Schäferkamp, Landwirtschaftsschule, Tierarztpraxis Sankt-Florian-Weg, Stadtbücherei, Hausmeister-Bungalow auf dem Schulberg, Grundschule Tanneck, Schule Steinfeld, Kita Gr. Eschenhorst, Waldkita Schneiderschere, Bürogebäude Rudolf-Diesel-Weg, Gaststätte „Zur Hütte“ in Lehmrade, Polleyn-Zentrum oder etwa Haus Seeblick.

„Ich habe das Geld meist für Gras ausgegeben. Geld für Kleidung bekam ich von meinen Eltern“, sagte der kurzhaarige Angeklagte in Trainingshose und Sweatshirt. Während der Befragung hielt der Möllner den Kopf meistens gesenkt und blickte die Beteiligten nur kurz an. Immer wieder rutschte er unruhig auf dem Stuhl hin und her. Gleich zu Anfang erklärte sein Rechtsanwalt, dass sein Mandant bis auf einige Gedächtnislücken alle Vorwürfe gestehe. Dennoch musste Richter Martin Mrozek jeden der 31 Fälle besprechen.

Über seine Motivation machte der Angeklagte kaum Angaben. Immer wieder stellte er seine Taten als günstige Gelegenheiten dar. In eine Tierarztpraxis etwa sei er nur eingedrungen, weil eine Tür offen gestanden habe und er in der Nähe auf seinem Skateboard gefahren sei. „Ich wusste von früheren Besuchen, dass die Geld in einem Rollcontainer aufbewahren“, erklärte er. Laut Anklageschrift hatte er den Rollcontainer aus dem Fenster gehievt und ihn später an anderer Stelle geknackt, um Geld zu entwenden. In anderen Fällen habe sich die Notausgangstür einfach aufdrücken lassen, sagte der 21-Jährige. Die Ermittler glauben, dass er sich zum Teil tagsüber versteckte und abends einschließen ließ. Es zeichnet sich ab, dass möglicherweise nicht alle 31 Anklagen aufrecht erhalten werden können.

Den größten Geldwert erbeutete der junge Mann wohl beim Lebenshilfewerk. Dort stieg er laut Polizei über ein Fenster ein, verschaffte sich Zutritt zum Büro, wo er einen Rollcontainer aufbrach und 800 Euro entwendet haben soll. In der Landwirtschaftschule in der Schmilauer Straße soll er während des Herbstmarktes über 400 Euro gestohlen sowie die gläsernen Schiebetüren eines Kiosks aufgebrochen und Lebensmittel im Wert von weiteren 400 Euro entwendet habe. Unter anderem auf den Schiebetüren wurden seine Fingerabdrücke gefunden, so ein Polizist. Des Weiteren konnten die Ermittler eine DNA-Probe auf einem der zurückgelassenen Getränke dem Angeklagten zuordnen.

Am Marion-Dönhoff-Gymnasium soll er im Hausmeister-Bungalow übernachtet haben. Dort habe er die Glaslamellen mehrerer Klassenräume verdreht und Sachschaden von 4000 Euro verursacht. Immer wieder wurde der 21-Jährige fast erwischt. Die Betroffenen sahen einen Mann mit Kapuzenpullover, Rucksack und Skateboard. Ein Polizist sah ihn mit einer Wasserpfeife Marihuana rauchen. Er wurde auch im Waschraum der Schule Steinfeld gesehen, wo er sich nach eigenen Angaben nur um einen Job habe bewerben wollen.

„Vielleicht ist ein Obdachloser auch einfach froh, mal einen Waschraum zu betreten“, erklärte sein Verteidiger. Er soll auch im Seminarraum am Wildpark ertappt worden sein. Mitarbeiter seien ihm gefolgt. „Er hat mir sein Fahrrad ans Knie geworfen und den Daumen verdreht und floh dann“, sagte ein Zeuge. Einmal erwischte die Polizei den Angeklagten bei der Schule Steinfeld mit einem Flachbildfernseher unterm Arm. Er soll sich gegen eine Festnahme widersetzt haben und wurde mit Pfefferspray besprüht. Am 8. Juli wird ein psychiatrisches Gutachten über den Täter vorgestellt.

 

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