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Lauenburg Skater-Anlage: Auf der Suche nach Plan B
Lokales Lauenburg Skater-Anlage: Auf der Suche nach Plan B
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20:12 04.03.2016

Die Bestürzung war groß, als die Mitglieder des Ratzeburger Bauausschusses in ihrer Sitzung in der vergangenen Woche erfuhren, dass die im künftigen Gewerbegebiet „Neuvorwerk“ geplante Skater-Anlage für Kinder und Jugendliche dort nicht gebaut werden darf. Grund: die Nähe zum Pflanzenschutz-Lager des Landhändlers ATR. Die gesetzlichen Bestimmungen werden sich laut Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) im Sommer verschärfen, so dass sich der Mindestabstand zum Pflanzenschutzlager als ,Störfallbetrieb‘ von 103 um das Zehnfache auf 1030 Meter vergrößern wird.

Die Skater-Anlage ist hier verboten, aber Bestandsschutz gilt für McDonald‘s nahe des ATR-Standortes in Ratzeburg. Quelle: Fotos: Grombein, Stein, Dreessen
„Wir ma- chen uns umgehend mit dem Jugend- beirat auf die Suche.“Stefan Koch, CDU
Die Skater-Anlage ist hier verboten, aber Bestandsschutz gilt für McDonald‘s nahe des ATR-Standortes in Ratzeburg. Quelle: Fotos: Grombein, Stein, Dreessen
„Wir ma- chen uns umgehend mit dem Jugend- beirat auf die Suche.“Stefan Koch, CDU

Susanne Junghans schrieb auf Facebook: „Ich fasse es nicht. So ein Bullshit. Wieder einmal fallen die Jugendlichen hinten runter. Ratzeburg wird älter und älter ( . . .) und hat für junge Leute nichts mehr übrig.“

Klaus-Stefan Clasen von den Ratzeburger Grünen, eigentlich schon von parteiwegen sensibel für Umweltgefahren, erklärte gegenüber den LN: „Die Vorschriften halte ich hier für übertrieben. Schließlich hat uns ATR versichert, dass die gelagerten Pflanzenschutzmittel weder giftig noch brennbar sind“. Auch die studierte Biologin Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) findet es auf Facebook „nicht nachvollziehbar, dass ein Pflanzenschutzmittellager ein Störfallbetrieb sein soll — unabhängig von den Eigenschaften der gelagerten Pflanzenschutzmittel“.

Der Standort im neuen Gewerbegebiet wäre ideal gewesen, findet Bürgermeister Rainer Voß, weil: „gut mit Bahn, Bus und Fahrrad zu erreichen, öffentliche Einsehbarkeit und soziale ,Kontrolle‘ mit ,Nahversorgung‘ über McDonald‘s, Tankstelle und Bäcker/Bistros und Einzelhandel möglich“.

Auf völliges Unverständnis bei Jugendlichen, Bürgern und auch vielen Politikern stieß die Ausnahmeregelung für bestehende Betriebe wie die oben beschriebenen, die allesamt Publikumsverkehr generieren. Bernd-Uwe Sattler aus Mölln fragt auf Facebook: „Wieso ist dann ein Speiselokal mit Außenkinderspielplatz direkt in der Nähe? Besteht hier eine Gesundheitsgefährdung? Und Bert Heidrich ergänzt dort direkt: „Das frage ich mich auch, selbst die Bäckereien mit den Außenterrassen sind weniger als ein Kilometer entfernt.“

Die Freien Ratzeburger Wähler und ihren Fraktionsvorsitzenden Jürgen Hentschel sorgt die Tatsache, dass „neben der Skaterbahn eine Vielzahl von Neuansiedlungen mit Publikumsverkehr auch nicht mehr möglich sind, was die Nutzung des neuen Gewerbegebiets, aber auch Erweiterungen bestehender Betriebe erheblich einschränkt“.

Wie geht es nun weiter? Gibt es überhaupt eine Chance auf Verwirklichung der Skater-Anlage? Und wenn ja, wo? Stefan Koch und Wilhelm Thiele von der Ratzeburger CDU verkündeten, dass der Bauausschuss einen „Prüfauftrag an die Verwaltung“ vergeben hätte. „Damit einher geht die Prüfung der bestehenden Einrichtungen, etwa bei der möglichen Erweiterung vorhandener Betriebe. Die CDU-Fraktion wird sich mit dem Kinder- und Jugendbeirat auf die Suche nach einem neuen Standort machen.“

Bürgermeister Voß hatte „den jungen Leuten immer wieder erklärt, dass so eine Bebauungsplan-Aufstellung lange dauert und wenn er fertig wäre, müssten wir sehen, wie wir den Bau finanziert bekommen. Dass wir jetzt vor dem Aus stehen, ist nicht nur für die Skater enttäuschend. Wenn wir einen Investor hätten, der eine Halle (Lärmschutz) bauen und betreiben würde, in der man skaten oder klettern könnte, wäre das interessant. Die könnte man auch woanders errichten.

Aber woher soll so jemand kommen?“

Thomas Kuehn von der FDP kann sich vorstellen, „dass wir die Skater-Anlage in den Kurpark stellen oder auf den Schulhof der Barlach-Schule. ( . . . ) Interessant ist das auch für potentielle Zuschauer. Die meisten Kinder und Jugendlichen wohnen in der Vorstadt oder auf dem St. Georgsberg. Zu dem geplanten Standort hinter dem St. Georgsberg hätten Kinder aus der Vorstadt bis zu sechs Kilometer anreisen müssen. Auf der Insel ist zumindest die Anfahrt mit dem Skateboard für alle Kinder einfach.“

Sami El Basiouni von der neuen BfR (Bürger für Ratzeburg) bekräftigte: „Wir brauchen dringend einen Ersatzplatz. Das müssen wir in der nächsten Bauausschusssitzung angehen.“

Die Ratzeburger SPD war von der Info ebenfalls „völlig überrascht“. Weil man sich in der Ratzeburger Politik sehr sicher war, hatte man leider keinen Plan B. Jetzt gelte es, einen neuen Standort zu finden.

Von Joachim Strunk

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