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Lauenburg So werden Schüler für Berufe begeistert
Lokales Lauenburg So werden Schüler für Berufe begeistert
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18:28 09.11.2013
Eine Messe gab den Schülern Hilfestellung bei der Berufswahl. Von links: Jan Paul Wallendzik, Niklas Platzeck, Florian Gothmann mit Stefan Ertzinger vom Berufsbildungszentrum Mölln. Quelle: hfr
Mölln

„Viele Betriebe sind frustriert. Sie möchten junge Leute haben, aber die wollen möglichst lange zur Schule gehen“, sagt Jörg Geschke. Der Mangel an Lehrlingen sei ein immer größer werdendes Problem für die Arbeitergeber, erklärt der Lehrer der Möllner Gemeinschaftsschule. Er koordiniert die Berufsvorbereitung der Schüler an der Gemeinschaftsschule.

Oft würden Schüler eine Tischlerlehre nur als Sprungbrett für ihre Ausbildung zum Ingenieur oder Architekt nutzen. „Den Betrieben ist das nicht unbedingt recht. Die brauchen schließlich auch ihre Gesellen und Meister, die im Betrieb bleiben.“

Gerade schwächere Schüler zögen aus dem Lehrlingsmangel einen Vorteil. Bei Praktika könnten Hauptschüler zeigen, was in ihnen steckt. Er kenne mehrere Fälle, wo der Arbeitgeber dem Schüler nach einem erfolgreichen Praktikum eine Stelle nach seinem Schulabschluss angeboten habe. „Die Schüler müssen einfach zeigen, dass sie den Job wollen.“

Deshalb würden auch die Betriebe ein großes Interesse daran haben, sich den zukünftigen Auszubildenden vorzustellen. Auf der 12. Berufsinformationsmesse wurden den Schülern der Gemeinschaftsschule in Kooperation mit dem Berufsbildungszentrum verschiedene Ausbildungsberufe vorgestellt. Aus den 34 Angeboten konnten sich die Acht- und Neuntklässler vier Berufsfelder aussuchen. Beliebt bei den rund 400 Schülern waren eine Karriere bei der Bundeswehr, Bereitschaftspolizei oder als Bankkaufmann.

Viele Schüler hätten sich für das berufliche Gymnasium interessiert. Dabei suche das Handwerk händeringend Auszubildene. „Wir machen die Erfahrung, dass gerade zu den Berufen, in denen Auszubildende gebraucht werden, nicht so viele hingehen“, so Geschke. Die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer und Betriebe aus der Region stellten unter anderem ihre Ausbildungsmöglichkeiten vor.

Doch die Schüler hörten nicht nur Vorträge, sondern konnte einige Berufe auch praktisch testen. So wurde bei dem Maurer sogar eine Mauer gebaut und bei den Köchen und Bäcker konnten die Schüler bei den leckeren Ergebnissen ihr Talent testen. „Es ist wichtig, Schüler darauf vorzubereiten, was nach dem Abschluss kommt. Der Abschluss ist nicht alles.“

Neben Informationen zu den Berufen konnten sich die Schüler auch zu den verschiedenen Ausbildungswegen informieren. „Nach meinen Erfahrungen ist die duale Ausbildung der Königsweg“, sagt Geschke.

Eine Ausbildung und gleichzeitig einen Schulabschluss zu machen, sei für Betriebe und Auszubildende ein Vorteil.

„Wir wollen die Schüler dazu bringen, sich zu überlegen, was sie später machen wollen“, so der Koordinator.

„Betriebe brauchen motivierte Hauptschüler“
Lübecker Nachrichten: Bereitet das Schulsystem die Schüler optimal auf das Berufsleben vor?

Jörg Geschke: Wir können die Schüler nur in Zusammenarbeit mit Partnern gut vorbereiten. Aber Berufsvorbereitung und Übergangsmanagement sind ganz klar ein Schwerpunkt unserer Arbeit.


LN: Was könnte noch besser werden?

Geschke: Also, da fällt mir im Moment gar nichts ein. Man kann ja immer irgendetwas besser machen. Aber wir machen auch schon wirklich viel, zum Beispiel bieten wir zwei Praktika in der achten und neunten Klasse an. Das, was wir machen, muss vor allem in den Köpfen ankommen. Wir brauchen vor allem die Zusammenarbeit mit den Betrieben. Dass sie Jugendliche als Praktikanten aufnehmen, auch wenn das manchmal anstrengend ist.


LN: Aber gerade für Hauptschüler ist es doch in der heutigen Zeit sehr schwer, eine Ausbildung zu bekommen?

Geschke: Das ist absolut nicht mehr der Fall. Noch vor zehn Jahren war es sehr schwierig, aber die Zeiten haben sich vollständig geändert. Die Betriebe haben Probleme, Auszubildende zu finden und brauchen motivierte Hauptschüler. Hauptschüler haben keine Probleme, eine Ausbildung zu kriegen, wenn sie zeigen, dass sie arbeiten wollen.


LN: Warum haben die meisten immer noch die Vorstellung, dass man möglichst lange zur Schule gehen sollte, um etwas zu erreichen?

Geschke: Weil die Eltern immer noch denken, die Situation sei wie vor zehn Jahren. Außerdem sind einige Schüler antriebslos und wollen lieber möglichst lange in der Schule bleiben, als den Sprung in die Realität zu wagen. Wenn jemand natürlich das Potenzial hat, soll er auch lange zur Schule gehen. Aber das ist nicht für jeden der richtige Weg.


LN: Trotzdem versuchen die Betriebe doch immer noch, Auszubildende mit einen möglichst guten Abschluss zu bekommen?

Geschke: Die Betriebe haben auch Vorurteile. Manchmal sind sie ja auch berechtigt, einige Schüler sind antriebslos und enttäuschen dann. Aber durch Betriebspraktika können auch schwächere Schüler gute Leistungen zeigen und so eine Ausbildung bekommen. Interview: Alessandra Röder

Alessandra Röder

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