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Speiseröhrenkrebs: Betroffener sucht den Erfahrungsaustausch

Mölln Speiseröhrenkrebs: Betroffener sucht den Erfahrungsaustausch

Fabian Fritsche aus Mölln bekam vor zwei Jahren die schlimme Diagnose — Heute will er Anderen „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben.

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Sie wollen in Mölln eine Selbsthilfegruppe für Betroffene von Speiseröhrenkrebs und -resektion gründen: Renate Schächinger (li.), Susanne Urdahl von „Kibis“ und Fabian Fritsche.

Quelle: Philip Schülermann

Mölln. Fabian Fritsche war 30 Jahre alt, als er die Diagnose bekam: Speiseröhrenkrebs, eine heimtückische Erkrankung, die bei ihm durch Zufall erkannt worden ist. Jetzt, auf dem langen Weg der Genesung, will er anderen Betroffenen helfen und eine Selbsthilfegruppe in Mölln gründen — ein Novum im Norden.

Seit 1988 gibt es „Kibis“. Die Mitarbeiter helfen Menschen dabei, eine Selbsthilfegruppe auf die Beine zu stellen, stellen Räume und knüpfen Kontakte. Im ganzen Land haben sie Kontaktstellen, zwei sind im Kreis Herzogtum Lauenburg, eine in Mölln, eine in Geesthacht. „Wir sind seit November mit Herrn Fritsche in Kontakt“, sagt Susanne Urdahl von „Kibis“ in Mölln. Er kam mit dem Thema auf sie zu, um eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Er will Menschen helfen, die an Speiseröhrenkrebs erkrankt sind. „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt der 32 Jahre alte Möllner. Bei ihm haben die Ärzte eine Speiseröhrenresektion durchgeführt — sie wurde entfernt. Der Krebs hatte begonnen, sie zu zerfressen. „Ich wäre sonst keine 35 geworden“, erzählt der frühere Leistungssportler. Für Speiseröhrenkrebs ist er sehr jung. Das mittlere Erkrankungsalter liege bei 66 Jahren, sagt er.

Dass die Ärzte den Krebs entdeckt hatten, war eher zufällig: Fritsche war wegen Rückenschmerzen beim Arzt. „Sie hatten sich Richtung Magen ausgebreitet.“ Er hörte aber auf seinen Körper und merkte, dass da mehr war. Eine Endoskopie später hatte er Gewissheit. „Ich habe das sehr rational aufgefasst“, erzählt Fritsche. Er habe gewusst, Panik bringe nichts.

Die Gründe für eine Erkrankung können vielfältig sein. Eine häufige Ursache aber sind schlechte Ernährung, Rauchen, zu viel Kaffee und Hektik beim Essen. Zu häufiges saures Aufstoßen kann ein Indiz sein, wenn sich das auch nach einer Ernährungsumstellung nicht bessert. Bei Fabian Fritsche war es ein mechanisches Problem an der Magenklappe. Magensäure griff die Schichten der Speiseröhre an. Dann kam der Krebs.

„Auch junge Leute sollten früher zu Vorsorgeuntersuchungen gehen“, sagt Fritsche. „Vorsorge und Endoskopie sind nichts, wovor man Angst haben muss.“ Die Fälle werden sich laut Fritsche häufen: Essen auf die Schnelle, viel zu fettig, jederzeit Kaffee.

„Das Lebenstempo trägt zur Erkrankung bei“, sagt Renate Schächinger von „Kibis“. Als Restaurantfachmann und Koch war auch Fritsches Leben hektisch und stressig. Heute kann er weder arbeiten, noch kann er leistungsmäßig Sport treiben. Und er lebe bewusster und entschleunigter — auch, weil er es muss. Denn essen kann der 30-Jähre nicht mehr, was er will. Das Gewebe ist noch vernarbt. Aus einem Stück Magen wurde eine neue Speiseröhre geformt.

Mit der Selbsthilfegruppe möchte Fabian Fritsche aufklären und Mut machen. „Wichtig ist, dass man sich mit den neuen Lebensumständen arrangiert und sie akzeptiert“, sagt Fritsche. „Ich mache das aus eigenem Antrieb. Wenn einem von zehn geholfen werden kann, ist das schon ein Erfolg.“ Er selbst habe keine Gruppe im Umkreis gefunden. „Wir haben nur eine gefunden — in Köln“, sagt Renate Schächinger. Deshalb richtet sich das Angebot nicht nur an Erkrankte im Lauenburgischen, sondern im ganzen Norden. Es geht Fritsche um Erfahrungsaustausch der Betroffenen — besonders derjenigen, die auf dem Weg der Genesung sind und deren Speiseröhre entfernt wurde. „Es geht auch um den Umgang mit dem neuen, behinderten Leben“, sagt Schächinger. Sie wollen helfen, „einen klaren Kopf zu behalten“, sagt Fritsche. Als Koch kann er schon mal bei der schwierigen Frage der Ernährung helfen.

Zu sechst sollten sie schon sein, sagt Renate Schachinger. Dann könne sich die Gruppe ein bis zwei Mal im Monat treffen. Von überall können Teilnehmer kommen. Aber auch Angehörige sind willkommen.

Interessierte können sich bei „Kibis“ in Mölln, Telefon 04542/9059250 oder unter kibis-kr-rz@paritaet-sh.org, melden. Weitere Infos im Internet unter www.

kibis-herzogtum-lauenburg.de

Speiseröhrenkrebs

Erst im fortgeschrittenen Stadium treten bei Speiseröhren Symptome wie Schluckbeschwerden auf. Dadurch erkennt man die Krankheit erst relativ spät. Häufiges Sodbrennen kann auch ein Indiz sein.

In Europa kommt die Krankheit seltener vor als im Fernen Osten. Am häufigsten sind Männer ab 55 Jahren betroffen. Pro Jahr erkranken laut Deutscher Krebsgesellschaft bundesweit etwa 8000 Männer und 3100 Frauen an Speiseröhrenkrebs.

Behandelt wird der Krebs entweder dadurch. dass per Magenspiegelung bösartige Tumore abgetragen werden, oder durch Entfernen der Speiseröhre. Auch Bestrahlungen oder medikamentöse Behandlungen sind möglich.

Vorbeugen ist nur bedingt möglich. Wenig rauchen, wenig Alkohol und wenig sehr heiße oder säurehaltige Speisen minimieren das Risiko jedoch — und Vorsorgeuntersuchungen.

Philip Schülermann

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