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Sprachmittler bauen Brücken der Verständigung

Ratzeburg Sprachmittler bauen Brücken der Verständigung

Allein Spenden ermöglichen es der Diakonie, einen Pool an Übersetzern aufzubauen, mit deren Engagement Flüchtlingen geholfen werden kann.

Ratzeburg. Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Ohne Verständigungsmöglichkeit kann die Diakonie den Flüchtlingen nicht helfen. „Wir sind händeringend auf Dolmetscher angewiesen“, sagt Ulrike Pein (34) von der Migrationssozialberatung des Diakonischen Werkes. Am Besprechungstisch im Ratzeburger Petri-Forum berichtet sie von abenteuerlichen Fällen beim Telefondolmetschen, bei denen jemand angerufen wurde, der die entsprechende Sprache und auch Deutsch spricht. Das ist mittlerweile nicht mehr häufig notwendig, denn die Diakonie hat sich einen Pool von 20 bis 25 „Sprachmittlern“ aufgebaut, wie die ehrenamtlichen Dolmetscher genannt werden.

Einer von ihnen ist Ebrahim Sharghi. Der 50-jährige Perser ist ein Multitalent, nicht nur sprachlich. Doch auch da ist beachtlich, was er zu bieten hat. Sharghi spricht seine Muttersprache Farsi, Dari, was in Teilen Afghanistans gesprochen wird, etwas Türkisch, Englisch und perfekt Deutsch. Schließlich lebt er seit 21 Jahren hier, jetzt in Mölln. Er begleitet Flüchtlinge, wenn sie zum Arzt müssen, er kommt mit zu Behörden und hilft, Formulare auszufüllen und er ist — wie jetzt — häufig bei den Beratungsgesprächen der Diakonie im Ratzeburger Petri-Forum dabei. Aber die Flüchtlinge aus Syrien sprechen Arabisch, da versteht der Perser nur ein paar Brocken, aber hier kann er eines seiner anderen Talente nutzen. Denn der gelernte Koch ist auch Kunstmaler. Und wenn die Worte fehlen, greift er zum Stift und zeichnet das, was gemeint ist. Auch so kann Verständigung funktionieren.

Bei Sardar Basha muss er nicht zeichnen. Der 32-jährige Afghane spricht neben Paschtu auch Farsi und etwas Deutsch. Im Gespräch mit dem Reporter versucht Basha es in unserer Sprache. Dafür, dass er erst 15 Monate hier ist, klappt es ganz gut — einmal abgesehen davon, dass der 32-Jährige offenbar ohnehin ein eher schweigsamer Mensch ist. Vielleicht liegt es an dem, was er erlebt hat. Auf die Frage, warum er aus seiner Heimat geflohen ist, antwortet er eher lapidar. „Die Taliban mischen sich ins Alltagsleben der Menschen ein.“ Bei ihm ging die Einmischung so weit, dass er einen Streifschuss am Kopf abbekommen hat. Der Mann mit den dunklen, traurigen Augen nimmt die Hand des Reporters und führt sie hinter seinen Kieferknochen, dorthin wo der Hals in den Kopf übergeht, und lenkt die fremden Finger genau an die Stelle, wo die Narbe und das Loch ist. „Sie haben mich angeschossen“, sagt er.

Sardar Basha stammt aus einem Dorf bei Jalalabad, heute lebt er wieder in einem Dorf, in Groß Schenkenberg. Er würde lieber in einer Stadt wohnen, ist extra für dieses Gespräch mit dem Bus nach Ratzeburg gekommen, aber er kann es sich nun einmal nicht aussuchen, wo er untergebracht wird. Seine erste Stadt in Deutschland war Köln, dann folgten 40 Tage Erstaufnahme in Neumünster, Stationen in Ratzeburg und in der Amts-Wohngemeinschaft für Flüchtlinge in Siebenbäumen, ehe er nach Groß Schenkenberg kam.

Bei den Fragen nach seiner Familie muss Sprachmittler Ebrahim Sharghi aktiv werden, zu aufwühlend ist für Basha die Erinnerung daran, dass er seine Frau und sechs Kinder in Afghanistan zurückgelassen hat. Jetzt passt der 77-jährige Vater auf sie auf. „Aber der ist schon alt und kann nicht mehr so“, lässt Basha den Dolmetscher sagen. Ihm bleiben nur der Telefonkontakt und die Hoffnung darauf, dass er seine Familie irgendwann mal nachholen kann. „Wenn ich anerkannt bin.“ Das ist der Afghane noch nicht, aber jetzt wo er bereits 15 Monate hier ist, dürfe er endlich arbeiten. Denn das will er dringend, sich nützlich machen. Er hat Koch gelernt und Bäcker. Sechs Jahre hatte er auch einen eigenen Laden. Jetzt würde Sardar Basha sich schon über einen Praktikumsplatz freuen, eine richtige Anstellung wäre natürlich noch besser.

„Wer einen Platz hat, kann sich gerne bei uns in der Migrationssozialberatung melden“, betont Ulrike Pein. Denn auch das gehört zu den Aufgaben der Diakonie: Konkrete Hilfestellung im Alltag.

Um seinen Sprachmittlern die Auslagen wie Fahrgeld zu erstatten und ihnen zumindest eine Aufwandsentschädigung zahlen zu können, die erheblich unter üblichen Dolmetscherhonoraren liegt, ist das Diakonische Werk auf Spenden angewiesen. Damit es möglichst viele Übersetzer wie Ebrahim Sharghi gibt, die Flüchtlingen wie Sardar Basha helfen können.

Hanno Hannes

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