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Sprechender Stein für moderne Ausstellung im alten Haus

Geesthacht Sprechender Stein für moderne Ausstellung im alten Haus

Für viele Menschen steht im 300 Jahre alten Krügerschen Haus nur die Ausstellung zur Stadtgeschichte im Fokus – Doch die Chronik des Hallenhauses ist ebenso interessant.

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Auch in einem sehr alten Haus kann man Ausstellungen höchst modern präsentieren, wie diese Licht-Effekte
aus dem Museum in Geesthacht beweisen.

Quelle: Dreessen

Geesthacht. Steine lügen nicht. Das gilt auf jeden Fall für jenen unscheinbaren Kasten an der Bergedorfer Straße in Geesthacht, der als „sprechender Stein“ immer wieder für Erstaunen sorgt. Er reagiert nämlich auf vorbeigehende Passanten, spricht sie gezielt an und verweist darauf, dass sie sich direkt neben einem hochinteressanten Haus befinden, das sie doch bitte mal besuchen sollten – das Krügersche Haus nämlich.

LN-Bild

Für viele Menschen steht im 300 Jahre alten Krügerschen Haus nur die Ausstellung zur Stadtgeschichte im Fokus – Doch die Chronik des Hallenhauses ist ebenso interessant.

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Dies ist nicht irgendein Gebäude im Zentrum der größten Stadt des Kreises, es ist als Sitz des örtlichen Museums von besonderer Bedeutung. „Seine 300jährige Geschichte macht es zu einem historischen Dokument, zu einem Objekt, an und in dem Geschichte dokumentiert wird“, erklärt Wolf-Rüdiger Busch, Leiter des Museums.

Errichtet wurde der Bau Anfang des 18. Jahrhundert als Niederdeutsches Hallenhaus. Lange gingen Historiker davon aus, das Baujahr sei 1676 gewesen. So meinten sie es aus Urkunden in Hamburger Archiven (Geesthacht gehörte bis 1937 zu Hamburg) herausgelesen zu haben. Doch 2005 stieß die Historikerin Dr. Jutta Braden im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten im Hamburger Staatsarchiv in Sachen Krügersches Haus auf etliche Ungereimtheiten.

Braden verfolgte die Geschichte des Hauses und der Familie Krüger immer weiter zurück und machte erstaunliche Entdeckungen. „Die Forschung über das Haus war seit über 50 Jahren auf dem falschen Gleis gewesen“, erzählt Busch heute. Entscheidende Dokumente seien schlicht übersehen worden. Nun jedenfalls geht man davon aus, dass dieses Gebäude 1723 geschaffen wurde.

Da sah es allerdings noch ganz anders aus als heute, viel kleiner nämlich.1782 gelang es in den Besitz der Familie Krüger, die in diesem Bauernhaus eine Tischlerei einrichtete. Dazu wurde auf der einen Seite, nach Norden gelegen, ein zweigeschossiger Anbau für die Werkstatt angefügt, nach Süden hin ein ebenfalls zweigeschossiger Anbau mit Zimmern zum Wohnen. In der Diele wurden zusätzliche Wände eingezogen. Damit wurde Raum für die Unterbringung von Gesellen geschaffen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde noch ein Ladengeschäft angebaut. Die Tischlerei florierte, man fertigte jetzt nicht mehr nur auf Bestellung, sondern produzierte auch Möbel, die als Ausstellungsstücke gezeigt und dann gekauft werden konnten.

Die nächste grundlegende Veränderung geschah 1933, als das strohgedeckte Krüppelwalmdach durch ein festes Pfannendach ersetzt wurde. Dafür gab es zwei Gründe: 1928 zerstörte ein Großbrand weite Teile der Geesthachter Innenstadt, nur mit knapper Not und dank günstig stehender Winde konnte das Krügersche Haus vor den Flammen bewahrt werden. Und dann, so vermutet jedenfalls Museumsleiter Busch, hätten die damaligen Besitzer Hermann und Johann Krüger auch befunden, dass ein „bäuerliches Strohdach“ nicht mehr in das aufstrebende Geesthacht passe. Wenige Jahre zuvor hatte die Kommune ja die Stadtrechte verliehen bekommen.

1988 zog dann das Geesthachter Museum in das unverwechselbare Haus mitten in der Stadt. Seitdem gibt es hier eine Dauerausstellung, die die Geschichte Geesthachts dokumentiert und die ständig noch erweitert und aktualisiert wird, daneben immer eine Sonderausstellung mit wechselnden Themen.

Viel Raum nimmt natürlich Alfred Nobel ein, der in der Stadt an der Elbe das Dynamit erfand und hier einen großen Industriebetrieb aufbaute. Auch das Atomkraftwerk in Krümmel samt den Forschungsanlagen daneben spielen im Museum eine Rolle: "Wir sind wohl das einzige Museum überhaupt, das den Rückbau kerntechnischer Anlagen dokumentiert", sagt Wolf-Rüdiger Busch nicht ohne Stolz.

Und vergessen wir nicht den „sprechenden Stein“, der das Museum sehr lobt – und wo er recht hat, hat er recht.

Geschichte und Cartoons

Im Geesthacht-Museum an der Bergedorfer Straße gibt es auf zwei Stockwerken und 160 Quadratmetern Ausstellungsfläche viel zu sehen, zumal Geesthacht 2016 sein 800jähriges Bestehen feiert. Die Öffnungszeiten: bis Ende dieses Monats montags bis freitags 10 bis 18, sonnabends und sonntags 11 bis 17 Uhr. Ab Oktober ist montags bis sonnabends von 11 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags 11 bis 17 Uhr nur bei Sonderausstellungen.

Die Sonderausstellungen widmen sich immer einem bestimmten Thema, aber mit Geesthacht soll es natürlich zu tun haben.

Mit weit mehr als 60000 Besuchern am erfolgreichsten war bisher übrigens eine Schau, die der Diddl-Maus gewidmet war. Diese Maus ist eine einst ungeheuer beliebte Cartoonfigur des Zeichners Thomas Goletz, die von 1991 bis 2014 von einer Geesthachter Firma vertrieben wurde.

 Norbert Dreessen

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