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Lauenburg Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ratzeburger Rechtsanwalt
Lokales Lauenburg Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ratzeburger Rechtsanwalt
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20:18 24.11.2016
Quelle: dpa/Archiv

Bereits 2014 wurde gegen einen bekannten Ratzeburger Pflichtverteidiger Strafbefehl wegen Untreue und Fahrens ohne Fahrerlaubnis erlassen. Er hatte laut Amtsgericht Ratzeburg Geld in der Gemeinschaftskanzlei veruntreut und war ohne Führerschein Auto gefahren. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck erneut gegen den Ratzeburger.

Er wird verdächtigt, gegen ein Berufsverbot verstoßen zu haben. Noch schlimmer: Er steht im Verdacht, Geld seiner Mandanten veruntreut zu haben. Informanten berichten, dass er über Jahre hinweg Mandantenhonorare kassierte, jedoch gar nicht tätig wurde. Nach LN-Informationen schreckte der Jurist auch nicht davor zurück, Gerichtspost zu fälschen.

Nun ist eine Möllner Kanzlei mit der Abwicklung der Ratzeburger Kanzlei betreut. Das Problem: Die Behörden wissen nicht, wo sich der Rechtsanwalt aufhält.

Kanzlei wird abgewickelt

„Die Staatsanwaltschaft Lübeck führt mehrere Ermittlungsverfahren gegen den Anwalt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen ein Berufsverbot und des Verdachts der Untreue. Dabei geht es um die Veruntreuung von Mandantengeldern“, erklärte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst auf Anfrage. Die Rechtsanwaltskammer Schleswig- Holstein (RAK) wurde bereits von der Staatsanwaltschaft in Lübeck über das laufende Ermittlungsverfahren informiert.

Laut Holger Röske, Vizepräsident der RAK, ist dem Ratzeburger Rechtsanwalt mittlerweile die Zulassung entzogen worden. Ein Berufsverbot für Zivilprozesse sei bereits 2015 vorerst für ein Jahr ausgesprochen worden, bestätigt auch Dr. Frank Rose, Direktor des Amtsgerichtes Ratzeburg. In diesem Jahr wurde nun von der RAK ein Widerrufsverfahren wegen der Zulassung des Ratzeburger Juristen eingeleitet und ist jetzt abgeschlossen worden. „Die Bundesrechtsanwaltsordnung sieht nun vor, dass die Kanzlei abgewickelt wird“, sagt Röske.

„Wir sind mit der Abwicklung der Kanzlei betraut“, berichtet Wolfgang Herzberg, Rechtsanwalt und Notar aus Mölln. Auf einen formellen Beschluss der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein bearbeitet er die Akten der Kanzlei in Ratzeburg. Dieser Sichtung war ein richterlicher Beschluss vorausgegangen. Es gehe darum, die laufenden Akten den beteiligten Mandanten zuzuführen und schwebende Verfahren abzuschließen, so Herzberg.

Abgetauchter Advokat

Auf die Frage, ob die Information stimme, dass der Aufenthaltsort des abgetauchten Ratzeburgers unbekannt sei, sagte Herzberg nur so viel: „Ich wäre froh, wenn ich wüsste, wo er ist. Das würde meine Arbeit sehr erleichtern.“

Mandanten des Juristen, dessen Kanzlei in der Ratzeburger Innenstadt mittlerweile geschlossen ist, hatten die jetzigen Ermittlungen nach LN-Informationen angestoßen. Der stadtbekannte Pflichtverteidiger soll demnach zum Beispiel in einer Kindschaftssache über vier Jahre lang Honorare kassiert haben, jedoch nie aktiv geworden sein. Allein in diesem Fall sollen laut Informanten etwa 6000 Euro veruntreut worden sein.

Die LN konnten ein offenbar gefälschtes Gerichtsdokument einsehen, auf dem der Name eines Richters, Stempel und Aktenzeichen des Amtsgerichtes Ratzeburg verwendet wurden. Ein Mandant habe sich damit zum Amtsgericht begeben, um den Sachstand seines Falles nachzufragen. Dabei sei dem Gericht die Abweichung des verwendeten Aktenzeichens bei der Kindschaftssache aufgefallen.

„Die Rechtsanwaltskammer hat uns über das vollkommene Berufsverbot informiert“, berichtet Amtsgerichtsdirektor Dr. Frank Rose. Daraufhin seien alle Mitarbeiter des Amtsgerichtes angewiesen worden, Fälle des beschuldigten Ratzeburger Rechtsanwaltes abzulehnen. „Es ist also auszuschließen, dass ein Rechtsanwalt mit Berufsverbot am Amtsgericht tätig wird“, so Dr. Rose. Dass ein Verteidiger trotz Berufverbots für Mandanten tätig werde, sei jedoch nicht völlig auszuschließen. Etwa, wenn in einem Verkehrsdelikt Versicherungssummen auf das Konto des beauftragten Rechtsanwaltes überwiesen würden.

Dr. Rose: „Dass gegen einen Rechtsanwalt ermittelt wird, passiert wirklich selten.“

Strafbefehl im Jahr 2014

Der Ratzeburger Fachadvokat für Verkehrsrecht wurde 2014 angeklagt, weil er dreimal ohne Fahrerlaubnis erwischt wurde. Außerdem soll er seine Bürokollegen um 5000 Euro betrogen haben. Zur öffentlichen Gerichtsverhandlung erschien der damals 48-Jährige jedoch nicht. Weil in Abwesenheit des Angeklagten verhandelt wurde, erließ Richter Dr. Frank Rose seinerzeit Strafbefehl (Paragraf 408a der Strafprozessordnung) in Höhe von 16000 Euro.

 Florian Grombein

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