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Lauenburg Standesbeamter will lesbisches Paar nicht trauen
Lokales Lauenburg Standesbeamter will lesbisches Paar nicht trauen
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14:21 11.12.2014
Ihre Traumhochzeit wäre fast zum Albtraum geworden: Nun können Lara Fabinski (r., 34) und Nadine Boetcher (38) morgen doch ohne Sorge Ringe tauschen, eine andere Standesbeamtin springt ein. Quelle: Grombein
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Ratzeburg

Ein Standesbeamter aus Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) hat Stadtverordnete Lara Fabinski (34, CDU) und ihre Verlobte kurz vor der Verpartnerung mit homophoben Äußerungen geschockt. Am Telefon soll der 36-Jährige den Frauen am Montag mitgeteilt haben, dass er ihre Lebenseinstellung nicht gutheiße und sie bei der Zeremonie im Trauzimmer des Rathauses nicht beglückwünschen werde. Die Verpartnerung stehe ihnen zwar rechtlich zu, doch er stehe nicht dahinter. 

„Wir fühlen uns diskriminiert. Er hat die homophoben Äußerungen auf Nachfrage nicht abgestritten“, sagt Lara Fabinski. Es stehe dem Paar frei, die Verpartnerung anderswo zu vollziehen, soll er sinngemäß erklärt haben. Der Mann handelte offenbar aus religiösen Überzeugungen. Damit hätte er den verliebten Frauen beinahe den schönsten Tag im Leben verdorben. Erst nach Anfrage der LN wurde die Chefin des Standesamtes nun aus dem Urlaub geholt. Sie soll die gleichgeschlechtliche Partnerschaft am Freitag besiegeln. Mittlerweile hat sich Bürgermeister Rainer Voß bei Lara Fabinski für den Fehltritt des Beamten entschuldigt.

„Ich bin entsetzt. Das ist diskriminierend – schlimmer als in Bayern“, kommentiert Konstanze Gerhard, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbandes Schleswig-Holstein (LSCD), den Vorfall. Dank der Beratung des LSCD hat der Kieler Landtag im Januar 2014 offiziell erklärt, sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen zu stellen. „Es ist unglaublich, dass es so etwas noch gibt“, erklärt sie. Der Beamte habe seinen Job zu erledigen. Einzig seine Ehrlichkeit könne sie dem 36-jährigen Standesbeamten zu Gute halten.

„Er hätte seine Meinung für sich behalten müssen“, findet hingegen Fabinskis Verlobte, Nadine Böttcher. Die Unternehmerin aus Schlagbrügge meint, dass ihre Geschichte öffentlich werden muss, damit sie sich nicht wiederholt. Das Paar hatte sich empört an die Verwaltung gewendet. Zunächst sollte über ein Amtshilfeverfahren ein Standesbeamter aus dem Amt Lauenburgische Seen einspringen. Dann schritt der Bürgermeister ein.

„Beamten stehen solche diskriminierenden Aussagen nicht zu“, erklärte Bürgermeister Voß gestern. Er sei überrascht von dem „außergewöhnlichen“ Vorfall. An dem besagten Tag sei er zwar nicht im Dienst gewesen, zweifele die Vorwürfe jedoch nicht an. Er werde mit dem Standesbeamten ein Dienstgespräch führen. Da dieser sich bis Weihnachten krank gemeldet habe, sei das allerdings derzeit nicht möglich.

„Nach meiner Glaubensentscheidung und meiner Kenntnis der Bibel spricht nichts gegen die Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares. Dies ist auch die Haltung der Nordkirche“, sagte Pröpstin Frauke Eiben den LN. Es stehe ihr jedoch nicht zu, im konkreten Fall etwas zu der religiösen Einstellung des Mannes zu sagen.

Rechte gleichgeschlechtlicher Paare

Das Lebenspartnerschaftsgesetz trat am 1. August 2001 in Kraft und sieht vor, dass gleichgeschlechtliche Paare eine rechtlich anerkannte Verbindung eingehen können – die Verpartnerung.

Anspruch auf die Rente des Partners haben schwule und lesbische Paare in Deutschland seit dem Jahre 2005. Die steuerliche Gleichstellung wurde erst im vergangenen Jahr umgesetzt.

Lebenspartner sind in allen Rechtsbereichen mit Ehegatten gleichgestellt. Ausgenommen ist die Adoption. <QA0>
Mehr Informationen dazu gibt es auf www.schleswig-holstein.lsvd.de

Florian Grombein

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