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Lauenburg Start in den „schönsten Beruf der Welt“
Lokales Lauenburg Start in den „schönsten Beruf der Welt“
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21:26 12.07.2018
„Täglich gewaschene Haare, Makeup, das gehört zum Friseurberuf. Wir verkaufen Schönheit. Dagmar Rausch Obermeisterin der Friseurinnung im Herzogtum Lauenburg
Ratzeburg

So sehen also erfolgreiche junge Frauen aus. Strahlende Gesichter – und sehr schick zurechtgemacht. Ist ja irgendwie auch klar, denn, wie Dagmar Rausch betont: „Täglich frisch gewaschene Haare, Makeup und ordentliche Kleidung, das gehört zum Friseurberuf selbstverständlich dazu. Wir verkaufen schließlich Schönheit!“ Mit ihrem frischgebackenen Nachwuchs ist die Obermeisterin der Friseurinnung des Kreises mehr als zufrieden. In jeder Hinsicht: „Sie haben alle sehr gute Leistungen erbracht – und eine hat sofort angekündigt, dass sie in zwei Jahren ihren Meister haben und in die Innung eintreten will.“

Waschen, schneiden, föhnen. Das gehört dazu. Ist aber längst nicht alles, was eine Friseurin heute leistet. Immerhin sollen die Kunden den Salon zufrieden verlassen und gern wiederkommen. An den schlimmsten Fall mag niemand denken: „Ein Friseur kann innerhalb von fünf Minuten jemanden für ein halbes Jahr unglücklich machen“, sagt Dagmar Rausch.

Das hat Nancy Schlosser noch nicht erlebt. Die 26-Jährige, die in Ratzeburg gelernt hat, war Prüfungsbeste. Geahnt hat sie das nicht, „ich war total überrascht“. Übrigens hatte sie erst angefangen, Krankenschwester zu lernen, „aber das hat mir nicht so gefallen.“ Friseurin, das sei ihre Berufung: „Ich zaubere gern Menschen ein Lächeln ins Gesicht, und ich bin kreativ. In diesem Beruf kann ich das gut unter einen Hut bringen.“

Würde sie anderen empfehlen, ins Friseurhandwerk einzusteigen? „Auf jeden Fall!“, sagt Nancy Schlosser. Auch wenn die Ausbildung durchaus schwierig gewesen sei. „Man steht gefühlt zehn Stunden und verdient keine Millionen. Aber ich habe es von Anfang an gern gemacht.“ Auch sie hat vor, ihren Meister zu machen. „Und dann möchte ich selbst andere in dem Beruf weiterbringen.“

Auszubildende wie Nancy Schlosser und die anderen gerade freigesprochenen jungen Frauen sind es, die die Obermeisterin glücklich machen. Weniger glücklich ist Dagmar Rausch darüber, wie schwierig es ist, guten Nachwuchs zu finden. Die jetzige Ausbildungsklasse war mit 21 jungen Menschen gestartet. „So ist es leider, wir haben eine enorm hohe Abbrecherquote in der Branche.“ Die meisten Friseur-Azubis würden mit falschen Erwartungen an den Beruf antreten. „Wir haben den schönsten Beruf der Welt. Aber man muss wissen, dass man, wenn man etwas erreichen möchte, freiwillig lernen muss.“

Dagmar Rausch betreibt mit ihrem Sohn Philip zwei Salons in Travemünde und in Krummesse, in beiden wird ausgebildet. „Wir bieten interne und externe Schulungen an und übernehmen die Kosten – aber die Zeit müssen die Lehrlinge und Mitarbeiter selbst aufbringen.“

Die Vorstellung vom blonden Dummchen mit der Schere lässt Dagmar Rausch müde lächeln. Friseur, sagt sie, bietet sehr viele Möglichkeiten, stellt aber auch Anforderungen. Mit der Gesellenprüfung sind verschiedene Spezialisierungen möglich. Colorist zum Beispiel: „Das ist eines der schwierigsten Gebiete.“ Echt? Haarefärben – schwierig? Nun muss die Obermeisterin laut lachen. „Wer das machen möchte, muss sicher sein in Chemie und Mathematik, und alles über das Haar an sich wissen.“

Chemie und Mathe, wer hätte das gedacht? Gesellen können aber auch Makeup-Artists werden, Maskenbildner – dafür ist der Friseur Voraussetzung! – oder Trainer. Gesellen können ihren Meister machen, sich danach selbstständig machen, Salonleitung werden, Lehramt studieren und Berufsschullehrer werden oder bei großen Firmen an den Akademien arbeiten. „Und dann gibt es noch ganz neu einen Studiengang an der Steinbeis-Hochschule Berlin.“ Friseurin mit Bachelor oder sogar Master-Abschluss. Für die Zukunft wünscht Dagmar Rausch sich engagierten Nachwuchs. „Azubis mit Eigeninitiative, die sich mit Herzblut im Beruf engagieren – da geht mir das Herz auf.“

Höhere Vergütung für Azubis

Die Gewerkschaft Verdi hatte im vergangenen Jahr den ersten Tarifvertrag mit höheren Vergütungen für Auszubildende im Friseurhandwerk abgeschlossen. Ab dem 1. Oktober 2017 gab es für Friseur-Auszubildende in Schleswig-Holstein deutlich mehr Geld; ab 1. August wird es noch einmal mehr.

Die Vergütung für Auszubildende im Friseurhandwerk beträgt dann im ersten Lehrjahr 450, im zweiten 550 und im dritten 650 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt als Gesellin beträgt etwa 1600 Euro.

Grundvoraussetzungen sind Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Höflichkeit und Zuverlässigkeit, sagt Obermeisterin Dagmar Rausch. Allen, die sich fürs Handwerk interessieren, empfiehlt sie Praktika.

Infos gibt es bei der Handwerkskammer und beim BBZ Mölln.

Dorothea Baumm

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