Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Statik gefährdet: Kommt jetzt die Abrissbirne?
Lokales Lauenburg Statik gefährdet: Kommt jetzt die Abrissbirne?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:47 20.11.2017
Blick von der oberen Empore in die Main Hall der ehemaligen Discothek Ziegelei. FOTOS (4): JENS BURMESTER
Groß Weeden

Vor zwei Jahren hatte das Amt Berkenthin das gesamte Areal samt der großen Halle gekauft. Auf den Parkplätzen von einst entstanden fünf Häuser mit jeweils zwei Wohneinheiten für Asylbewerber und Flüchtlinge. In der Halle selbst wurden eine Fahrradwerkstatt und eine Kleiderkammer, aus der dann ein Sozialkaufhaus wurde, vom Verein Willkommenskultur eingerichtet.

Jetzt droht der ehemaligen Ziegelei in Groß Weeden die Abrissbirne. Die Dachkonstruktion ist marode. Es besteht die Möglichkeit, dass die Schneelasten nicht mehr getragen werden. Das Amt sperrte die große Halle bis auf weiteres.

In der ehemaligen Spielhalle der Discothek wurden durch Andreas Koop aus Düchelsdorf noch diverse Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge eingebaut, die allerdings später nie genutzt wurden. Und das Amt Berkenthin hatte für kleine Feiern und für Sitzungen den so genannten „Stecknitzraum“ hergerichtet. Doch mit Feiern ist es nun ganz offiziell vorbei. Und auch die Fahrradwerkstatt und das Sozialkaufhaus müssen ihre derzeitige Bleibe verlassen.

„Wir hatten geplant, auf der gut 3000 Quadratmeter großen Dachfläche eine Photovoltaikanlage zu errichten“, erklärt Amtsdirektor Frank Hase. Folglich sollte das Gebäude auch weiterhin für unterschiedliche Nutzungen bereitgestellt werden. „Erst im vergangenen Jahr wurden dazu die Dachplatten und Aufhängung des Daches geprüft. Das Amt bekam quasi grünes Licht für die weitere Nutzung des Gebäudes (Lager, Sozialkaufhaus, Fahrradwerkstatt )“, so Hase weiter. Um jedoch die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion zur Aufnahme einer Photovoltaikanlage nachweisen zu können, hatte die Amtsverwaltung zusätzlich ein Gutachten eines Statikers in Auftrag gegeben. Inzwischen liegt dieses Gutachten vor.

Danach sei die geplante Installation nicht möglich. Im Gegenteil, das Gebäude sei im Rahmen der Risikoabwägung mit Blick auf die Dachkonstruktion neu zu bewerten, machte der Amtsdirektor deutlich.

Formen der Nutzung seien deutlich eingeschränkt. „Der Voreigentümer hat Mitte der 1980er Jahre eine zusätzliche Decke zur Wärme- und Schallschutzdämmung eingezogen, die statisch nicht berücksichtigt wurde“, so Hase. Bei Schneelasten ab einer Höhe von ca. 38 Zentimeter ergäbe sich ein rechnerisches Risiko, dass die Stahlträger der Last nicht mehr standhalten könnten. Man könne an dieser Stelle froh sein, dass über die letzten 30 Jahre nichts in diese Richtung passiert sei, erklärte Hase kopfschüttelnd. Schlimm sei auch, dass offenbar einer der tragenden Stahlträger in der Discothek einfach abgeschnitten worden sei, um für irgendetwas Platz zu schaffen. Auch das habe der Statiker bei seiner Bestandsaufnahme festgestellt und im Gutachten dokumentiert. Es sei schon ein Wunder, dass dort nie etwas passiert sei.

Mit Kenntnis dieser neuen Situation muss das Amt Berkenthin allerdings handeln und das Gebäude weitestgehend schließen. Derzeit laufen Bemühungen, das Gebäude beziehungsweise Grundstück anderweitig zu nutzen. Auch ein Abriss ist denkbar. Möglich ist, dass Gewerbeflächen oder gemischt zu nutzende Flächen (Wohnen und Gewerbe) entstehen. Der Bau von weiteren Unterkünften zur Unterbringung von Flüchtlingen ist allerdings nicht vorgesehen.

Von Ozzy Osborne bis DJ Bobo

Viele große Stars der Musikszene sind in der „Ziegelei“ aufgetreten. Ozzy Osborne, Modern Talking, die Puhdys, Dj Bobo und Schlagerstar Sandra („Maria Magdalena“). Ursprünglich waren in der ehemaligen Ziegelei Maschinen untergestellt, ehe Disco-Betreiber Sigurd Sierig Anfang der 1980er Jahre zunächst kleine Partys veranstaltete und später eine Rollschuhbahn installierte.

Im Jahr 1985 entstand daraus die Discothek. Auf einer Gesamtfläche von etwa 4000 Quadratmetern feierten später tausende Menschen – und das dreißig Jahre lang. jeb

 Jens Burmester

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!