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Lauenburg Steinige Zeitreise ins Mittelalter
Lokales Lauenburg Steinige Zeitreise ins Mittelalter
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20:23 27.05.2016
Vor 100 Jahren waren noch Teile der alten Burgmauern erhalten, wie dieses historische Foto belegt. Die Burg ist bereits im Jahre 1349 zerstört worden.

Raubritter hatten es auch nicht immer leicht. Die Familie von Scharpenberg jedenfalls hatte sich im 14. Jahrhundert so viele Feinde gemacht, dass schließlich 2500 Soldaten aus Hamburg und Lübeck ihre Ritterburg in Linau wochenlang belagerten und dann mit schweren Steinschleudern in einen Haufen Schutt verwandelten. Seit 1349 liegt diese Ruine nun in einem kleinen Waldstück – und soll demnächst zumindest teilweise wieder aufgebaut werden.

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Seit 1349 liegt eine Ritterburg als Ruine in einem Wald bei Linau – Und bald soll sie wieder aufgebaut werden.

Ihre erste befestigte Burg in Linau errichteten die Scharpenbergs Ende des 13. Jahrhunderts und verlangten von da an Wegezoll von Reisenden und Kaufleuten, die auf der alten Landstraße zwischen Hamburg und Lübeck unterwegs waren. Das gab Ärger, denn 1291 schlossen sich mehrere Städte sowie die Herzöge von Lauenburg gegen die Raubritter zusammen – mit dem Ziel, die Burg Linau zu zerstören.

Es klappte nur indirekt: Im Frieden zu Deitzow wurde bald darauf vereinbart, dass die Scharpenbergs ihre Burg selbst schleifen sollten. Zwar geschah das sogar, es hinderte die trotzige Familie aber nicht daran, die Burg einige Jahre später, genauer gesagt anno 1308, wieder neu zu errichten und ihre „Tätigkeit“ fortzusetzen.

Mehrmals kam es in den folgenden Jahren zu Angriffen auf das sehr stabile Bauwerk mit dem Turm in der Mitte, das auf drei Hügeln errichtet worden und von einem wassergefüllten Burggraben umgeben war.

Viel richteten die Feinde angesichts der bis zu zwei Meter dicken Mauern dabei jedoch nicht aus. 1349 aber war die Übermacht der Angreifer dann so groß, dass die Scharpenbergs schließlich kapitulierten und die durch langen Beschuss fast völlig zerstörte Burg verließen.

„Man hat die Familie aber weder eingesperrt noch getötet. Sie siedelte nach Mecklenburg um und durfte sogar ihre Linauer Ländereien behalten“, erzählt Jürgen Griese, Vorsitzender des Vereins „Interessengemeinschaft Kulturdenkmal Burg Linau“. Der Verein wurde vor genau fünf Jahren ins Leben gerufen und setzt sich dafür ein, dass die noch vorhandenen Reste der Burg gesichert werden. Etwa 100 Jahre alte Fotos dokumentieren nämlich eindrücklich, dass damals noch ganze Mauerstücke vorhanden waren, doch die mit „Segeberger Kalk“, der in Wahrheit aus Gips besteht, verbundenen Feldsteine lockerten sich nach und nach und liegen jetzt kreuz und quer auf den drei Hügeln herum.

Grieses großes Ziel: „Wir möchten ein herausragendes archäologisches Denkmal vor dem völligen Verfall bewahren“. Dazu sei es nötig, das alte Turmfundament in den ursprünglichen Ausmaßen wieder deutlich hervorzuheben, die große Ausbruchslücke zu schließen und den oberen Fundamentabschluss durch etwa zwei Steinlagen zu ergänzen. Die sollen so befestigt werden, dass durch Witterungseinflüsse keine Erosionen mehr erfolgen können. Mindestens 100 000 Euro werden für diese Maßnahmen benötigt, doch der Verein ist sehr zuversichtlich, eine solche Summe durch eigene Spendenaktionen und durch Unterstützung unter anderem durch die Aktivregion Nord, durch die Europäische Union, durch eine Denkmalschutzstiftung und durch die Burgervereinigung zusammenzubringen. Anfang 2017 könnte es losgehen.

„Die Rekonstruktion des Turmhügelfundamentes soll in enger Abstimmung mit dem archäologischen Landesamt Schleswig nach den vor Ort gegebenen Möglichkeiten erfolgen“, erläutert Griese.

Die Gemeinde Linau unterstützt das Burg-Projekt ebenfalls, und Landwirt Bernhard Westphal, auf dessen Grund und Boden die Ruine liegt, hat der Gemeinde das Grundstück bereits geschenkt.

Und wenn die Burg wieder einigermaßen als solche erkennbar ist, dürfte auch die Zahl der Interessenten steigen. Griese: „Die Anlage soll für Besucher aus den Bereichen der Kultur, der Heimatpflege, der Schulen und der interessierten Öffentlichkeit offen gehalten werden, um ihnen eine anschauliche und lehrreiche Zeitreise in das Mittelalter zu ermöglichen.“ Dazu bereite sein Verein spezielle Veranstaltungen vor.

Altes Rittergeschlecht war nicht nur eine Legende

Die Familie Scharpenberg, Besitzerin der Burg in Linau, war ein mittelalterliches Rittergeschlecht, das in mehreren Orten im heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg nachgewiesen ist. Besitzungen gab es unter anderem in Niendorf/St. und in Seedorf. Auch die Grander Mühle an der Bille gehörte einst den Scharpenbergs. In Mecklenburg, im Emsland und sogar in Dänemark besaß die Familie ebenfalls Ländereien.

Auch literarisch wurde die Familie verewigt: In „Die Hakima“ von Kari Köster-Lösche taucht ein Ritter Everard Scharpenberg als Schurke auf. Die Geschichte spielt Anfang des 13.

Jahrhunderts. Der Roman „Die Herren von Scharpenberg“ von Erika Petersen spielt im 16. Jahrhundert, in Rückblicken wird eine Menge über die vergangene Raubritterzeit erzählt.

Einige der dabei erwähnten Mitglieder der Familie Scharpenberg sind wohl historisch.

Norbert Dreessen

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