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Lauenburg Stiftung Herzogtum Lauenburg in Turbulenzen
Lokales Lauenburg Stiftung Herzogtum Lauenburg in Turbulenzen
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22:31 04.07.2017
Es rumort in der Stiftung Herzogtum Lauenburg: Nach einem Vorstandsbeschluss fühlen sich zahlreiche Kulturbeiräte beschnitten. Quelle: Foto: Wr
Mölln

Ein Riss geht durch die Kulturinstitution des Kreises, die Stiftung Herzogtum Lauenburg mit Sitz im Möllner Stadthauptmannshof. Ein Beschluss des Vorstandes hat einen großen Teil der Mitglieder der vier Stiftungsbeiräte auf die Barrikaden getrieben. Sie fühlen sich übergangen, vor vollendete Tatsachen gestellt, sogar der Rücktritt des Stiftungspräsidenten Klaus Schlie wurde gefordert. Grund für den Disput ist die überraschende Kündigung von zwei langjährigen Mitarbeiterinnen der Stiftung, die für die Öffentlichkeitsarbeit (Eva Albrecht) und die Koordination der Beiräte (Brigitte Gerkens-Harmann) tätig waren.

Mitarbeiterinnen nach zwölf Jahren gefeuert – Empörung über Alleingang des Vorstands – Drei von vier Beiratssprechern zurückgetreten.

Die beiden Anfang 60-Jährigen hätten den Modernisierungsansprüchen des Vorstands nicht genügt und seien den Vorstellungen eines sinnvollen Kosteneinsatzes nicht gerecht geworden.

Weil die gut 30 Beiräte aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Theater und Literatur sich vor vollendete Tatsachen gestellt fühlen, sind drei der vier Beiratssprecher zurückgetreten. Auch die Vertreterin der Beiräte im Stiftungsrat, Susanne Backhaus, legte aus Protest ihr Amt nieder.

Besonders deutliche Kritik übt der Sprecher des Literaturbeirats, der Schriftsteller Christoph Ernst aus Klein Zecher. Der Vorstand (bis auf ein Mitglied alle über 60 Jahre alt) sei „politisch übergewichtig“ und müsste „eigentlich zurücktreten“, vor allem Stiftungspräsident Klaus Schlie. „Der sabbelt alle platt“ und habe bei der Bekanntgabe des Vorstandsbeschlusses „innerhalb einer Viertelstunde zehn Jahre Arbeit in die Tonne getreten – eine unterirdische Aktion“, wettert Ernst. Die Beiräte hätten die Koordinierungsarbeit von Gerkens-Harmann seit über zehn Jahren sehr geschätzt.

Den Modernisierungsplänen des Vorstands steht nicht nur Ernst sehr skeptisch gegenüber. Vor allem, weil der bereits vor etwa zwei Jahren von der Firma eines Sohnes von Klaus Schlie aufgepeppte Online-Auftritt der Stiftung von der Mehrheit der Beiräte als „Verschlimmbesserung“ bewertet worden sei. Ernst: „Der Online-Auftritt funktionierte anfangs nicht richtig, kam nur schleppend in Gang und war nicht moderner – nur anders.“ Ein Protestschreiben von Ernst an den Vorstand bezüglich der jüngsten Vorgänge sei ohne Reaktion geblieben. Kern seiner Kritik: Der Stiftungsvorstand treffe Entscheidungen, die die ehrenamtliche Arbeit der Beiräte beschneide.

Peter Perner, ebenfalls zurückgetretener Sprecher des Beirates Musik/Theater kritisiert gleichermaßen das Auftreten des Stiftungspräsidenten. Er habe sich wie eine „rhetorische Dampfwalze“ verhalten.

„So geht man nicht mit Ehrenamtlern um“, schimpft Perner und mutmaßt, dass die Kreiskulturarbeit so nicht mehr gedeihlich fortgesetzt werden kann. Immerhin würden die verprellten Beiräte gut ein Drittel des Jahresprogramms konzipieren. Zudem befürchten Perner und andere, die auf LN-Nachfragen nicht genannt werden möchten, eine durch den Vorstand angekündigte Änderung der Geschäftsordnung für die Beiratsarbeit – nach den jüngsten Erfahrungen – weitere schlechte Nachrichten.

Auch Beiratsmitglied Michael Packheiser kann die Entlassung der beiden langjährigen Mitarbeiterinnen nicht nachvollziehen. Die jüngsten Entscheidungen des Stiftungsvorstandes seien in die falsche Richtung gelaufen, vom Stil her daneben gewesen und „Geschmäckle“-behaftet. Packheiser teilt mit anderen verunsicherten Beiratsmitgliedern die Sorge, welche Strategie hinter dem Vorgehen des Vorstands stehen könnte.

Vorstandsmitglied Christoph Mager verteidigt die Beschlüsse und sieht die Arbeit der Stiftung durch die jüngsten Misstöne nicht gefährdet. Die Kulturarbeit der Stiftung lebe auch von den Aktivitäten der Beiräte, auf die man weiterhin setze. Leistung und Gegenleistung hätten aber bei den Mitarbeiterinnen für Kulturportal und Beiratskoordination nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis gestanden. Die Irritationen über die plötzlichen Kündigung seien verständlich. Der Landrat glaubt aber nicht, dass es einen besseren Weg gegeben hätte. Der Vorstand werde die strittigen Themen mit den Beiräten in Kürze konstruktiv erörtern.

„War nicht mehr zeitgemäß“

Was ist denn da schief gelaufen? Gar nichts. Da sind zwei Mitarbeiterverträge gekündigt worden. Womit die Beiräte schon mal nichts zu tun haben.

Warum hat man sich von den Mitarbeiterin so abrupt getrennt? Personalthemen sind natürlich nicht öffentlich. Auch wir müssen uns völlig neu aufstellen, besonders im Bereich Social Media. Das war nicht mehr zeitgemäß. Dazu hat der Vorstand einstimmig beschlossen, dass eine neue Kraft, ein Internetredakteur, beschäftigt werden soll.

Hat Sie der Protest der Beiräte gegen die Aufkündigung der Koordinationstätigkeit überrascht? Das haben wir so nicht erwartet. Aber die Koordination sollte auch anders und kostengünstiger laufen. Es geht um Geld von dritter Seite. Noch mal grundsätzlich: Die Beiräte arbeiten nicht für die Stiftung, sie arbeiten für die Kultur. Eine Gefahr für die kulturelle Arbeit gibt es nicht. Mit rund 90 Prozent der Stiftungsveranstaltungen haben die Beiräte nichts zu tun.

 Wr Matthias Wiemer

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