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Lauenburg Streit um Duftfallen gegen Borkenkäfer
Lokales Lauenburg Streit um Duftfallen gegen Borkenkäfer
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16:48 16.04.2019
Mit der Borkenkäfer-Duftfalle TriNet P soll der Schädling in den lauenburgischen Kreisforsten bekämpft werden. Quelle: BASF/hfr
Fredeburg

 „Der Einsatz von Insektiziden ist weder gegenüber dem Ökosystem noch gegenüber den Menschen, die damit arbeiten, zu verantworten“, sagt die Grünen-Kreistagsabgeordnete Claudia Reinke in einer Mitteilung der Fraktion. Und Fraktionskollege Klaus Tormählen ergänzt: „In einem aktuellen Forschungsbeitrag des European Forest Institut (EFI) liest man, dass Panik nicht angebracht sei. Begiftete Borkenkäferfallen und Fanghaufen würden nur zum Monitoring taugen, nicht zur Bekämpfung.“

Und Tormählen weiter: „Liegendes Nutzholz sollte nicht mit Gift benetzt, sondern schnell abgefahren werden oder man könnte die Rinde in Streifen ritzen.“ Außerdem fordert Tormählen ein „weg von der panischen Risikoreduktion und hin zu einem Störungs-Management.“ Die Grünen reagieren damit auf eine Ankündigung der Kreisforsten, gegen den Borkenkäferbefall vorgehen zu wollen.

Konflikt mit dem Kieler Umweltministerium

Im Kieler Umweltministerium unter Führung des grünen Ministers Jan Philipp Albrecht sieht man das offenbar komplett anders als bei den Grünen vor Ort. Das dem Ministerium unterstellte Landesamt hatte erst Ende Februar in einer Anordnung von Schutzmaßnahmen den Kreisforsten nicht nur erlaubt, den Borkenkäfer zu bekämpfen, sondern einen Pflanzenschutzmitteleinsatz explizit angeordnet.

In dieser den LN vorliegenden Anordnung vom heißt es: „Gemäß Landeswaldgesetz wird angeordnet, im Bereich der Waldflächen des Fachdienstes Kreisforsten Herzogtum Lauenburg Bekämpfungsmaßnahmen gegen rindenbrütende Borkenkäfer durchzuführen.“ Der Pflanzenschutzmitteleinsatz sei auf Fangholzhaufen, das Borkenkäfer-Fangsystem TriNet P und die Behandlung lagernden Holzes beschränkt. Beides lehnen die Kreisgrünen ausdrücklich ab.

Das Umweltministerium hingegen befürchtet „ohne entsprechende Gegenmaßnahmen landesweit eine existenzielle Gefährdung von Nadelholzbeständen“ und beruft sich dabei auf eine gutachterliche Einschätzung der Gefährdungslage der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

Vermehrung des Borkenkäfers durch Hitze und Dürre

Auf Nachfrage weist das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (Melund) darauf hin, dass man „in der Regel den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel in den Wäldern“ befürworte. Dieser sei, so hätten die vergangenen Jahre gezeigt, im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzes auch nur ganz selten erforderlich. „Zurzeit haben sich allerdings in Folge der Hitze und Dürre des vergangenen Sommers rindenbrütende Borkenkäfer in Nadelbaumbeständen extrem stark vermehrt. Deshalb sieht auch Melund eine Bekämpfung dieser bestandsgefährdenden Schädlinge als unbedingt erforderlich an“, heißt es aus Kiel.

Eine entsprechende behördliche Anordnung sei auch an die Landesforsten ergangen. Diese sei erforderlich, da sie FSC-zertifiziert seien und FSC eine solche verlange, bevor entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden dürften, heißt es.

Im Übrigen sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Schadorganismen im Wald in Schleswig-Holstein gesetzlich nicht untersagt. Das Melund gehe davon aus, dass auch andere, in ihren Wäldern von Borkenkäferschäden bedrohte Waldbesitzer hiervon Gebrauch machen. Eine Anordnung der Behörde ist dafür anders als bei FSC-zertifizierten Betrieben nicht erforderlich.

Kreisgrüne fordern Gesetzesänderung

Unter anderem der Borkenkäferbefall in den Fichtenbeständen der kreiseigenen Wälder hatte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr dafür gesorgt, dass deutlich mehr Holz geschlagen werden musste, als es die für eine nachhaltige Waldwirtschaft zulässigen Mengen vorsehen. Der Einschlag von befallenen Bäumen gilt als eine Maßnahme zur Bekämpfung des Schädlings. Bei einer weiteren Ausbreitung des Borkenkäfers müssten noch deutlich mehr Fichten gefällt werden. Das wären dann Mengen, wie sie nicht im gleichen Zeitraum nachwachsen können.

Kreisgrüner Klaus Tormählen weist darauf hin, dass es sich bei der Anordnung um eine behördliche Anordnung des dem Ministerium unterstellten Landesamtes handele. Diese basiere auf der Gesetzeslage und für ein Verbot müssten diese erst entsprechend geändert werden. Das sei ein langer Prozess.

Holger Marohn

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