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Lauenburg Streit um Sanierung der LG-Sporthalle
Lokales Lauenburg Streit um Sanierung der LG-Sporthalle
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22:22 10.10.2016
Die Drei-Felder-Sporthalle an der Lauenburgischen Gelehrtenschule wurde 1982 erbaut. Mittlerweile ist der Hallenboden so marode, dass die Unfallkasse keinen Betrieb mehr für möglich hält. An vielen Stellen steht der Belag hoch – wie hier die Spielfeldmarkierung aus PVC. Quelle: Fotos: Strunk (2), Schülermann

„Der Sportbodenbelag in der Sporthalle befindet sich in einem sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbaren Zustand. Ablösender Bodenbelag, defekte hochstehende oder tieferliegende Bodendeckel und PVC-Streifen stellen für die Nutzer Verletzungsgefahren dar“, schrieb Birgit Wöhe am 29. September. Die Technische Aufsichtsbeamtin der Unfallkasse Nord, Abteilung Prävention und Arbeitsschutz, bestimmt: Bis zur kompletten Sanierung des Bodenbelags „darf die Sporthalle nicht genutzt werden“.

 

Stolperfalle: Schulleiter Thomas Engelbrecht weist auf einen tieferliegenden Bodendeckel. Die Ränder sind ausgefranst.
„Eine Sanie- rung über die Herbstferien wäre die glück- lichste Lösung.“Thomas Engelbrecht, Schulleiter der LG
Stolperfalle: Schulleiter Thomas Engelbrecht weist auf einen tieferliegenden Bodendeckel. Die Ränder sind ausgefranst.

Der Leiter der Lauenburgischen Gelehrtenschule, Thomas Engelbrecht, und die Stadt Ratzeburg als Schulträgerin sperrten daraufhin sofort die Halle. „Die Probleme mit der Halle sind doch schon seit Jahren bekannt“, sagt Oliver Hildebrand, Fraktionsvorsitzender der SPD und Mitglied des Ausschusses für Schule, Jugend und Sport.

Zuletzt hatte das Sachverständigenbüro Dr. Uwe Schattke aus Bad Laer (Landkreis Osnabrück) im November 2015 ein Gutachten über den „alten Schwingboden mit PVC- Oberbelag“ aus dem Jahr 1982 erstellt.

Schattke empfahl eine Komplettsanierung: Da der Sportboden auf mehreren Bereichen die aktuellen Normvorgaben nicht erfülle, sei er „für Schul- und Vereinssport nicht mehr geeignet“.

Doch wer kommt für die erforderliche Sanierung auf? Darüber gibt es Streit zwischen der Firma Strabil und der Stadt Ratzeburg. Noch vor der Übertragung der Schulträgerschaft vom Kreis Herzogtum Lauenburg auf die Stadt Ratzeburg hatte der Kreis ein PPP-Projekt (Public-Private-Partnership) auf den Weg gebracht, um die Finanzierung des dringend erforderlichen Schulneubaus der LG zu sichern. Die Stadt Ratzeburg stieg in diesen Vertrag ein. Die Bau- und Betriebskosten von 52,8 Millionen Euro übernahm der Kölner Baukonzern Strabag, der dafür extra die Tochtergesellschaft „Strabag Bildung im Lauenburgischen“ (Strabil), gründete. Diese ist Betreiberin der gesamten Schule (2010) inklusive der Altbauten wie besagter Sporthalle (1982), die Stadt Ratzeburg als Schulträgerin wiederum ist Mieterin und zahlt ratenweise über 20 Jahre die Investitionskosten zurück.

Als Betreiberin müsste Strabil den reibungslosen Schulablauf gewährleisten. Dazu gehören regelmäßige Wartungen der technischen Anlagen wie Heizung, Elektronik, Gasanschlüsse und die Einhaltung der Sicherheitsstandards. Doch hier zeigt sich Strabil offenbar nachlässig. Die Sicherheitseinrichtungen im naturwissenschaftlichen Bereich der Schule (

Chemie-, Physik- und Biologieräume) sollten laut Birgit Wöhe von der Unfallkasse regelmäßig und mindestens jährlich überprüft und gewartet werden. Seit Übergabe der Schule durch Strabil vor sechs Jahren ist dies nicht ein einziges Mal geschehen!

Der Schulbetrieb ist nun also durch die Sperrung der Sporthalle empfindlich gestört. „Wir haben schon Tischtennisplatten auf den Gängen aufgestellt. Solange das Wetter mitspielt, gehen wir mit den Schülern raus. Aber nach den Herbstferien wird es wegen des Wetters schwierig. Vor allem die Schüler im Sportprofil leiden, und natürlich auch die Sportvereine, die die Halle am Abend für ihre Aktivitäten nutzen“, erklärt LG-Sportlehrerin Anke Welbers.

Die Kosten für einen kompletten Austausch des Hallenbodens veranschlagt die Stadt mit rund 200000 Euro. Eine Firma aus Niedersachsen, die bereits im Frühjahr die entsprechende Ausschreibung für sich entschieden, aber noch keinen Auftrag erhalten hatte, könnte kurzfristig die Sanierung vornehmen. „Das wäre für uns die glücklichste Lösung, da wir ab 17. Oktober Herbstferien haben“, sagt Schulleiter Engelbrecht. So wäre die Ausfallzeit etwas eingegrenzt, für die Gesamtsanierungsmaßnahme veranschlagt die Firma sechs Wochen.

Doch nach einer solch schnellen Lösung sieht es nicht aus. Der Chef der Strabil, Dr. Marc Hennemann, macht darauf aufmerksam, dass es sich bei dem Hallenbodenproblem um eine „sehr alte Geschichte“ dreht. Noch unter der Trägerschaft des Kreises vor sechs Jahren hätte vor allem die Unterbodenkonstruktion DIN-gerecht saniert werden müssen. „Das wollte der Kreis damals nicht.“ Und so wurde das Thema verschleppt. Im vergangenen Jahr habe Strabil schon einmal ein Angebot zur Sanierung gemacht, „das ist im Sande verlaufen. Jetzt haben wir es vor rund einer Woche aktualisiert, aber keine Reaktion erfahren“.

Laut Hennemann soll eine Sanierung „etwa 110000 Euro plus vereinbarte Zuschläge“ kosten. Das beinhalte das Herausreißen des bestehenden Bodens, eine neue Unterkonstruktion, die krebserregende Glaswolle entfernen und durch anderes Dämmmaterial ersetzen und den neuen Boden einbringen.

Und wer kommt dafür auf? Hennemann: „Das müsste die Stadt bezahlen“. Weil es sich um Leistungen im Nachtrag handele, „die gesondert zu vergüten sind“.

Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß sieht das anders: „Für den Betrieb der Schule einschließlich der Sporthallen ist ausschließlich der Betreiber verantwortlich“. Man habe diesen auf seine Verpflichtungen auch schon aufmerksam gemacht. Wegen dieser, aber auch anderer nicht erbrachter Leistungen (beispielsweise die Nicht-Wartung der naturwissenschaftlichen Räume) habe man nun den Vertragsbeirat einberufen. Das bestätigt Dr. Hennemann: „Der soll bei Meinungsverschiedenheiten einvernehmliche Lösungen finden“. Nach einer kurzfristigen Lösung sieht das nicht aus. Der Termin ist nämlich erst für den 4. November anberaumt. Stehen die Zeichen also eher auf Verzögerung oder gar Blockade? Hennemann ist vorsichtig optimistisch: „Ich glaube nicht, dass die Angelegenheit so lange liegen bleibt. Wir werden einen Modus Vivendi mit der Stadt finden, der die endgültige Klärung noch offen lässt“, aber zumindest den Sportbetrieb wieder ermögliche.

Als „Rundum-Sorglos-Paket“ gestartet

Als das ehrgeizigste und teuerste Bauvorhaben im Kreis Herzogtum Lauenburg wurde der Neubau der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg im Frühjahr 2009 bezeichnet. Zurzeit der Grundsteinlegung ging man bei dem Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) von insgesamt rund 30 Millionen Euro Investitionskosten aus. Am Ende waren es mehr als 50 Millionen Euro.

Dr. Marc Hennemann sprach bei der Grundsteinlegung für die bauausführende Strabag Real Estate GmbH von einem „Rundum-Sorglos-Paket“, das dem Auftraggeber geliefert werde, und das über einen Zeitraum von 20 Jahren.

 Joachim Strunk

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