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Lauenburg Streitbare Kandidaten beim Lesertalk zur Wahl
Lokales Lauenburg Streitbare Kandidaten beim Lesertalk zur Wahl
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20:22 24.02.2016

Beim LN-Lesertalk im Stadthauptmannshof kam noch einmal etwas Schärfe in den Wahlkampf. Herausforderin Anja Reimann (CDU) und Jan Wiegels (SPD) debattierten überwiegend fair und sachlich, zeigten sich jedoch auch kämpferisch. Die von den LN eingeladenen Leser stellten zum Teil kritische Fragen. Vor allem bei den Themen Haushaltsführung und Hygiene in Schulen und Kitas teilte die Kandidatin kräftig aus. Der Amtsinhaber musste sich etwas häufiger verteidigen.

„Bezichtigen Sie mich der Lüge? Ich habe ihnen Fotos von den befallenen Kindern gezeigt“, sagte Anja Reimann aufgebracht zu Jan Wiegels. Es gehe um die Vorfälle vor zwei Jahren in einer Möllner Kita.

Reimann warf Wiegels vor, die Tatsache, dass Kinder aufgrund der hygienischen Situation „von irgendwelchen Viechern“ befallen gewesen seien, herunterzuspielen. „Das werfe ich ihnen nicht vor. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Reinigungssituation dafür verantwortlich ist“, konterte Wiegels.

LN-Leser Detlef Schienke gab Reimann später Recht, als er von einer „dreckigen Kita“ sprach. Wiegels wies darauf hin, dass die Reinigung des Schulberges aus einem Gemisch von privaten und städtischen Reinigungskräften bestehe, was ein Problem darstelle. „Die Reinigungsleistung wird völlig unterschiedlich wahrgenommen“, so Wiegels. Die Schuldirektoren hätten völlig abweichende Einschätzungen dazu. Deshalb habe er heftig dafür plädiert, dass nun eine Beratungsfirma eingeschaltet werde.

Auf die Kritik, die Umstellung auf die doppische Haushaltsführung dauere zu lange und habe dazu geführt, dass die Stadtvertreter nicht wüssten, was sie wirklich verabschiedeten, erklärte Wiegels:

„Ich kann das nur entschieden zurückweisen.“ Bei seinem Amtsantritt sei jeder Alleebaum bewertet worden. Bei Dingen, die unter der Straße liegen, dauere es naturgemäß seine Zeit.

„Das ist nichts Ungewöhnliches. Es gibt sogar noch Nachbarstädte, die noch immer nicht nach der Doppik, sondern nach dem alten System arbeiten“, so Wiegels.

Auch Anja Reimann erntete Kritik: „Warum bringen Sie das Thema Reinigungssituation gerade jetzt auf den Tisch“, fragte Leserin Heike Bäumner-Hansen. Jetzt im Wahlkampf werde darüber gestritten, obwohl die Reinigungsituation bereits seit 30 Jahren ein Problem darstelle. „Es gab vor zwei Jahren einen Anlass, weshalb wir uns im Schulausschuss auf eine Dringlichkeit geeinigt haben“, erklärte Reimann. Es sei eine Frage von Führungsverantwortlichkeit, ob ein dringender Vorfall zeitnah angegangen werde.

LN-Lokalchef Hanno Hannes konfrontierte Wiegels mit den Bedenken eines Verwaltungsexperten, der behauptet hatte, die Wahl könne im Nachgang anfechtbar sein, weil Wiegels ein Wahlkampfvideo im Dienstzimmer des Stadthauses gedreht und Wahlplakate vor Schulen aufgehängt habe. Außerdem habe Wiegels im Wahlkampf das städtische Wappen verwendet. „Nein , ich habe keine Bedenken, dass die Wahl angefochten werden könnte deswegen“, sagte Wiegels. Im Stadthaus könnte jeder drehen, auch Frau Reimann. Für die Verwendung des Stadtwappens habe es eine Genehmigung gegeben. Nach dem Hinweis aus dem Ordnungsamt auf die Vorgaben für das Plakatieren auf Schulgeländen seien die Plakate am Schulberg abgenommen worden.

Die Kandidaten sollten in einer Eröffnungsrunde in 30 Sekunden drei Gründe nennen, warum Wähler sich gerade für sie entscheiden sollten. „Ich bin dafür bekannt, dass ich meine eigene Meinung habe und diese auch durchsetze“ erklärte Reimann, während die Stoppuhr lief. Dennoch sei sie ein Teamplayer. Aufgrund ihrer beruflichen Situation als Volljuristin brächte sie viele Qualifikationen mit. Ihre Ehrenämter gäben ihr einen guten Einblick in kommunale Gegebenheitem.

„Ich habe eine gewisse Erfahrung und habe bewiesen, dass ich es kann“, erklärte hingegen Wiegels in seinen 30 Sekunden. Er müsse außerdem noch Dinge erfüllen, die er in den vergangenen sechs Jahren noch nicht abschließen konnte.

Die Kandidaten stellten sich auch den Fragen der Möllner Gymnasiasten

Der Wahlkampf ist auch auf dem Möllner Schulberg angekommen. Schüler des Wipo-Profils des Marion-Dönhoff-Gymnasiums hatten zur Podiumsdiskussion am gestrigen Mittwoch eingeladen. Friederike und Till (beide 16) moderierten die mehr als zwei Stunden dauernde Veranstaltung. Fragen gab es viele aus der Schülerschaft. Es ging unter anderem um Stadtentwicklung, Flüchtlinge, Schulbelange und Angebote für Jugendliche.

Das defekte Dach der Sporthalle, marode Bänke oder Basketballkörbe: Anja Reimann setze auf einen Koordinator auf dem Schulberg, der sich um kleinere Reparaturen kümmern soll. Ging es um den Schulberg, betonte sie das immer wieder. Das Hallendach solle bald in Angriff genommen werden, sagte Jan Wiegels.

„Dass in Mölln nichts los ist, stimmt nicht“, sagt er. Aber sie könnten auch keine Lokalität für Jugendliche verordnen. „Die Idee eines Jugendcafés nehme ich gern auf“, sagte Reimann, die zumeist leicht im Vorteil als Zweite antworten durfte.

Beide Kandidaten warben dafür, sich für Flüchtlinge zu engagieren. Integration dauere Jahre, sagte Reimann. Wiegels betonte die gut funktionierende dezentrale Unterbringung. Große Uneinigkeit herrschte nur bei den Themen Reinigung in Schulen und Kitas und den Haushaltsabschlüssen. phs

Florian Grombein
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