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Strom aus robusten Schiffsdieseln

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Altes E-Werk in Lauenburg Strom aus robusten Schiffsdieseln

Gleich neben der Palmschleuse wurde ab 1921 Elektrizität für die Stadt an der Elbe produziert.

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Eindrucksvoll: die große Halle des E-Werks samt der teils über 90 Jahre alten Dieselmotoren, die bis zu 408 PS stark waren.

Quelle: Fotos: Norbert Dreessen

Lauenburg. Der Strom kommt aus der Steckdose – das weiß

LN-Bild

Gleich neben der Palmschleuse wurde ab 1921 Elektrizität für die Stadt an der Elbe produziert.

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jeder. In Lauenburg wusste man ab 1921 sogar, wo genau der im Stadtgebiet verbrauchte Strom produziert wurde: im örtlichen Elektrizitäts-Werk an der Palmschleuse nämlich. Das längst ausgemusterte E-Werk steht immer noch, gilt als technisches wie historisches Kleinod und lohnt allemal einen Besuch.

1919 war mit dem Bau der Anlage begonnen worden. Lauenburgs Haushalte hatten damals noch keinen Stromanschluss, die Straßenlaternen wurden mit Gas betrieben. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit war es dann so weit: Wasser aus dem benachbarten Elbe-Lübeck- Kanal wurde durch den Keller des E-Werkes geleitet und brachte eine Turbine in Schwung. Sie trieb einen Generator an und erzeugte so Strom.

Gerade mal 102 PS war dieser Generator stark – das überbietet heute mancher Kleinwagen.

Doch nun bekundeten immer mehr Lauenburger Interesse an Stromanschlüssen, auch wenn es in den Häusern außer einem Radio und ein paar Lampen noch nicht viel gab, das elektrisch funktionierte. Aber auch die Industriebetriebe in der Elbestadt, allen voran die Werften, meldeten Bedarf an. Also wurden in den folgenden Jahren im Gebäude zunächst drei große Dieselmotoren der Deutz-Werke aus Köln installiert. Sie lieferten 150, 200 und 408 PS. 1936 wurde ein zusätzlicher Motor mit 345 PS und ein mit Kohle gespeister Gasgenerator installiert, der zwei Motoren versorgte. Das vorhandene Gebäude musste dafür erweitert werden, bis zu zwölf Mitarbeiter hielten den Betrieb in Gang. Die neben dem Haus im Erdboden vergrabenen Diesel- Tanks fassten inzwischen 160 Kubikmeter Treibstoff.

Bis 1950 erfolgte hier die Stromerzeugung für Lauenburg, dann begannen die Wirtschaftswunderjahre, und dafür reichte die Kapazität nicht mehr aus. Die Stadt wurde ans überregionale Stromnetz angeschlossen, das Elektrizitätswerk an der Schleuse aber keineswegs stillgelegt. „Noch bis in die 1980er-Jahre wurde diese Anlage als Spitzenkraftwerk betrieben, die Generatoren wurden zu Tageszeiten mit hohem Stromverbrauch dazugeschaltet“, erklärt Bernhard Schnürer vom Elbschifffahrtsmuseum.

Seinem Museum, das sich mit historischer Technik ja ohnehin bestens auskennt, wurde das alte E-Werk 2010 von der Stadt übertragen. Zuvor hatte die Arbeiterwohlfahrt hier Förderprojekte mit Arbeitslosen umgesetzt.

Seit gut 30 Jahren stehen die Motoren und Generatoren nun endgültig still, doch die Anlage samt der Transformatoren, der alten Schmelzsicherungen und der Schaltwand mit den nostalgisch anmutenden Anzeigen blieb weitgehend erhalten. Besonders eindrucksvoll sind selbstverständlich die voluminösen Motoren, teils über 90 Jahre alt, aber noch gut in Schuss. „Die sind genau so gebaut wie Schiffsdiesel, liefen 24 Stunden am Tag und waren unverwüstlich“, sagt Schnürer. Er ist gelernter Elektriker und damit ein echter Fachmann, was das E-Werk betrifft. Das Team des Elbschifffahrtsmuseums ist nach Kräften darum bemüht, das von außen eher unscheinbare Gebäude samt der nun wirklich schon musealen Technik darin zu erhalten.

Über Energie und ihre Erzeugung wird heute ja mehr denn je diskutiert. Hier an der Palmschleuse kann man hautnah erfahren, wie vor noch gar nicht so langer Zeit der Strom auf kurzen Wegen in die Steckdosen kam.

Besichtigungen nach Anmeldung

Informationen über das E-Werk am Stadtrand von Lauenburg, direkt an der Palmschleuse gelegen, gibt es im Internet unter www.ewerk-lauenburg.de. Feste Öffnungszeiten existieren nicht, Interessenten für eine Besichtigung samt fachkundiger Führung können sich unter Telefon 0174/475 14 09 anmelden. Unter diesem Kontakt kann ein Termin mit dem Team des örtlichen Elbschifffahrtsmuseums in Lauenburg abgestimmt werden.

Norbert Dreessen

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