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Lauenburg Sturm macht Möllner obdachlos
Lokales Lauenburg Sturm macht Möllner obdachlos
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21:36 22.06.2017
Eine Szenerie wie in einem Okö-Thriller entwickelte sich gestern Mittag über der Möllner Altstadt, als sich die dunklen Wolken einer gewaltige Gewitterfront zusammenschoben. Quelle: Foto: Wr
Mölln

Kurz und heftig brach das Unwetter am Donnerstag Mittag über den Kreis Herzogtum Lauenburg herein. Überwiegend im Norden des Lauenburgischen sorgte der Sturm für umgekippte Bäume und der Starkregen ließ die Gullys teilweise überlaufen. Besonders schlimm traf es das ehemalige Sport- und Freizeitzentrum im Möllner Delvenauweg, in dem die Discothek „Nox“, ein Fitnesscenter und die Bar „Bogarts“ untergebracht sind.

Unwetter war kurz, aber heftig – vier Menschen das Dach über dem Kopf weggerissen.

106 Einsätze in der Region – 80 Prozent im Lauenburgischen

Die Integrierte Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe, zuständig für Feuerwehren und Rettungsdienst in Ostholstein, Stormarn und im Herzogtum Lauenburg registrierte 106 Einsätze. In Ostholstein keinen einzigen aber im Kreis Herzogtum Lauenburg etwa 80 Prozent aller Einsätze. Das waren überwiegend umgestürzte Bäume. jeb

Während die unteren Räume, also Discothek, Bar und Fitnesscenter, verschont blieben, wurden die vier Wohnungen in der oberen Etage stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Wind blies so heftig, dass die Dachhaut über den Wohnungen aufriss und auf dem Dach oberhalb der Disco und des Fitnessclubs landete. Der heftige Regen flutete die Wohnungen, die nun nach Aussagen der Mieter nicht mehr bewohnbar sind.

Eigentümer Thorsten Conring war schnell vor Ort und setzte alle Hebel in Bewegung, um das Dach zumindest provisorisch wieder dicht zu bekommen. Eine etwa 200 Quadratmeter große Fläche sieht zur Zeit aus wie eine riesengroße Dachterrasse aus Holz. Die Möllner Feuerwehr war mit Löschfahrzeug und Drehleiter im Einsatz, doch so richtig helfen konnte hier nur eine Zimmerei und Dachdeckerei.

Bewohner Marcus Künz (30) erlebte das Unglück im Badezimmer, wollte gerade Wäsche waschen. „Das Oberlicht, sonst weiß, wurde plötzlich richtig blau, wie in einer Neon-Light-Show. Ich bin sofort ins Wohnzimmer gegangen und sah eine riesige rotierende Wolke heranrasen. Das war aber keine Windhose. Die dürfte deutlich anders aussehen.“ Der Kern der Wolke sei leuchtend blau gewesen. Kurz darauf krachte es heftig und er habe das wie einen elektrischen Impuls erlebt, der sich mit großer Intensität entladen habe und dabei möglicherweise alles um sich herum zerstörte. „Meine Wohnung steht komplett unter Wasser, etwa zehn Zentimeter hoch. Hier kann ich derzeit nicht wohnen“, so Künz. Während die Zimmerleute immer mehr Material über eine Leiter auf das Dach schleppten, packten Künz und die übrigen Mieter der anderen Wohnungen ihre wichtigsten Sachen zusammen und trugen sie aus dem Haus. Unter den Mietern ist auch ein Kleinkind im Alter von neun Monaten. Sie alle wollen nun bei Bekannten oder Verwandten unterkommen und hoffen, dass Eigentümer Conring die Wohnungen so schnell wie möglich herrichtet.

Auch auf der B 207 in Breitenfelde, kurz vor der Halbsperrung in Richtung Mölln, hinterließ der Sturm Spuren. Ein Baum war auf die Straße gekippt, glücklicherweise auf die ohnehin gesperrte Spur.

 Jens Burmester

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