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Lauenburg Sumpfbiber „besetzt“ Gartenteich
Lokales Lauenburg Sumpfbiber „besetzt“ Gartenteich
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22:13 11.08.2016
Wiebke Scheel beobachtet ihren Gast regelmäßig mit der Kamera. Dabei sind schon viele putzige Fotos entstanden. Quelle: Holger Marohn

Es ist ein Spaziergang durch den Garten, wie sie ihn Wiebke und Jens Scheel mit ihren drei irischen Wolfshunden jeden Abend machen. Doch während die drei Hunde wie üblich über den Rasen toben, sieht das Paar plötzlich ein ungewöhnliches Fellknäuel im Teich herumschwimmen.

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Seltene Sichtung in Ratzeburg – Auch Nutrias genannt, werden sie leicht mit einem Biber verwechselt.

„Ich dachte erst, wir hätten einen Biber in unserem Gartenteich. Aber dann habe ich die orangeroten Zähne gesehen“, sagt Wiebke Scheel. Anhand von eigenen Fotos und Vergleichsbildern aus dem Internet identifizierte Scheel das Tier schließlich als Nutria – auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt. Eigentlich kommen die aus Südamerika. Sichtungen hier in Schleswig-Holstein gibt es kaum. „Mir sind aus den vergangenen Jahren keine Nutria-Sichtungen bekannt“, sagt Sabine Reichle von der Möllner WWF-Naturschutzstation. Vor etwa zehn Jahren soll mal ein Sumpfbiber im Raum Gudow gesehen worden sein. Bei dem Exemplar, dass es sich nun im Scheelschen Gartenteich bequem gemacht hat, handelt es sich offenbar um einen Nachfahren von aus der südamerikanischen Heimat eingeführten Nutrias. Bereits vor mehr als 100 Jahren seien die pelzigen Wasserratten ihres Felles wegen eingeführt worden. Auch das Fleisch des Sumpfbibers soll auf Speisekarten zu finden gewesen sein. „Als Kind wurde ich mal reingelegt und habe dann Nutria gegessen“, erinnert sich Patricia Rickert in einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite.

Doch mit dem immer mehr aus der Mode kommen des Pelzes in den vergangenen Jahrzehnten seien auch die meisten der Nutria-Farmen in Europa geschlossen worden. Teilweise seien die Tiere dabei einfach freigelassen worden, andere seien ausgerissen und hätten dann in der Natur überlebt.

Und auf dem Grundstück der Scheels scheint sich der Sumpfbiber pudelwohl zu fühlen. Wiebke Scheel geht regelmäßig mit ihrer Kamera und Stativ auf Nutria-Pirsch. „Am liebsten liegt der irgendwo im Schilfgürtel herum“, sagt Scheel. Dort habe der Sumpfbiber offenbar auch seinen Schlafplatz. Auch habe sie ihn schon im Nachbarteich gesehen, als er genüsslich an Seerosen herumgeknabbert habe.

WWF-Expertin Reichle geht nicht davon aus dass von dem Tier eine Gefahr für den Menschen oder andere Tierarten ausgeht. Um heimische Tierarten zu verdrängen sei die Nutria-Population einfach viel zu gering. Dennoch empfiehlt sie Spaziergängern, die einen Sumpfbiber entdecken, die Sichtung dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume im Flintbek möglichst mit dem genauen Ort zu melden. So sei ein Überblick über die tatsächlichen Vorkommen sichergestellt.

Die Scheels wollen ihren Sumpfbiber weiter aus sicherer Entfernung bei den abendlichen Spaziergängen beobachten.

• Ein Video gibt es unter

www.ln-online.de/video

Nutria – auch Sumpfbiber oder Biberratte

65 Zentimeter plus Schwanz wird ein Nutria groß. Auffällig sind die orangeroten Nagezähne. Beheimatet sind Nutrias in Südamerika. Ihres Felles wegen wurden sie eingeführt.

Der runde Schwanz ist mit 45 Zentimetern etwas länger als die „Kelle“ des Bibers (36 Zentimeter). Ein Biber wird bis zu einen Meter groß und bis zu 36 Kilogramm schwer (Nutria: neun).

 Holger Marohn

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