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Lauenburg Syrische Flüchtlinge müssen in Büchen im Wohnwagen leben
Lokales Lauenburg Syrische Flüchtlinge müssen in Büchen im Wohnwagen leben
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21:22 09.12.2015
Die Wohnwagenidylle trügt. Es ist kalt und ungemütlich. Von links: Walid (8), Angelina (4), Solange, Angit und Sandy sind aus Syrien im Wohnwagen auf dem Büchener Campingplatz gestrandet. Quelle: Silke Geercken

Auf dem Campingplatz in Büchen, im Sommer ein fröhlicher, heller Treffpunkt, ist es derzeit ab 17 Uhr stockdunkel. Zwei Wagen sind beleuchtet und trotzen wie kleine Lichtinseln der Düsternis. Hier wohnt seit drei Wochen eine Familie aus Syrien mit zwei Kindern, vier und acht. Tristesse pur.

Zu der Familie aus Homs (Westsyrien) gehören Solange (29) mit ihren Kindern Walid und Angelina, ihr Lebenspartner, ihre Mutter und ihre Schwester Sandy (18). Die Syrer sind Christen, man erkennt es unter anderem daran, dass Solange ihre langen, schönen Haare offen trägt. Die kleine Familie hat nur einen Wunsch zu Weihnachten: der Enge und Ungemütlichkeit im Wohnwagen zu entfliehen und eine kleine Wohnung zu bekommen.

„Es ist uns egal, wo. Hier ist es zu eng und zu kalt, bis ins Ortszentrum ist es sehr weit“, sagt Solange. Die 29-Jährige hat in Homs als Grundschullehrerin gearbeitet, nachmittags ihrem Vater geholfen, der einen kleinen Betrieb für medizinische Produkte hat. Mitgekommen ist dieser nicht. „Mein Vater ist zu alt. Er hätte die Flucht nicht überstanden“, sagt Solange in gutem Englisch.

Diese Sprache hat sie sich selbst beigebracht. „Ich wollte nicht nur Arabisch können.“ Der deutschen Sprache nähert sie sich auf dieselbe Weise: Sie schreibt Sätze in Arabisch, übersetzt sie übers Handy und schreibt sie in Deutsch daneben. „Ich spreche kein Deutsch. Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden“, steht da, korrekt aufgeschrieben. Viele Din A 4-Seiten liegen auf dem Tisch. Zeit zum Üben hat die junge Mutter ja genug.

Etwas schwieriger, den Tag sinnvoll zu verbringen, hat es ihr Sohn Walid. Der Achtjährige, so erzählt die Oma stolz (Solange übersetzt), sei in Syrien ein sehr guter Schüler gewesen, habe Mathe-Aufgaben lösen können, die eigentlich für 15-Jährige geeignet seien. Nun weiß er nichts anzufangen mit seiner Zeit. „Er hat soviel Angst durch das Erlebte bekommen, kann gar nicht mehr lachen“, sorgt sich Solange. Zur Schule in Büchen darf er noch nicht. Die einzige Abwechslung ist das Kinderprogramm im Fernsehen — das er kaum versteht.

Die Pächterin des Campingplatzes hat der kleinen Familie ihren eigenen Wohnwagen mit Fernseher zur Verfügung gestellt. Da können sie sich tagsüber aufhalten. Etwas besser geht es der vierjährigen Angelina. Sie weiß noch nichts von den Sorgen ihrer Mutter. Sie hat ihr Glück bei den vier kleinen Hunden einer benachbarten Frau gefunden, dort darf sie jeden Tag einige Stunden verbringen.

Am 1. April ist Solange mit ihren Kindern in Homs aufgebrochen. Sie sind über die Türkei mit dem Boot nach Griechenland gekommen, in Deutschland über Hamburg nach Büchen. Die junge Mutter hatte ihre Kinder mit Seilen an sich geknotet, das war ihr Glück im Unglück. „Kurz vor Erreichen des Ufers haben die Männer das Boot absichtlich gekentert“, sagt Solange. Walid konnte allein schwimmen, aber seitdem sei er sehr still und in sich gekehrt.

Glück im Unglück: Wie Bürgermeister Uwe Möller auf Nachfrage mitteilte, wird die Familie am 16. Dezember umziehen. „Es war nicht so einfach, für sechs Leute eine Wohnung zu finden. Jetzt hat uns die Neue Lübecker 90 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Es müssen nur noch einige Wände gestrichen werden. Dann kann‘s losgehen.“

Silke Geercken

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