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Lauenburg Tafel-Mitarbeiter treten in Streik
Lokales Lauenburg Tafel-Mitarbeiter treten in Streik
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21:56 29.01.2018
Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Das Problem: Die Tafel sucht nach dem Verlust ihres Standortes im Café Lydia in der Schrangenstraße Ende 2014 weiter händeringend nach einem zentralen Ausgabe- und Lagerort. Zur Zeit besteht ein provisorisches Lager beim Bauhof im Pillauer Weg, dessen Zustand allerdings vom Kreisveterinäramt in einer mehrseitigen Mängelliste in Frage gestellt wird – nicht zuletzt fehlt hier ein Wasseranschluss. Ausgabestellen gibt es zur Zeit zwei: eine in der Fischerstraße 1 im Haus der katholischen Kirche (dienstags ab 10 Uhr) und eine in der Mechowerstraße 15, Baptisten-Gemeinde (freitags ab 10 Uhr).

 

„Ich gründe keinen Verein! Dann bin ich hier raus!Susanne Roth, Vorsitzende Ratzeburger Tafel
Ausgabestelle in der Mechower Straße 15 in Ratzeburg. Insgesamt helfen bei der Tafel über 50 Freiwillige.

Schnelle Lösung?

In einer Sondersitzung in – frühestens – zwei bis drei Wochen soll der Ausschuss für Soziales mit allen Beteiligten eine Lösung finden.

Auf der Suche nach einer zentralen Lösung „renne ich seit einem Jahr“ – seit sie den Vorsitz der Tafel übernommen habe – „von einem Amt zum anderen“, doch ohne Erfolg, sagt Susanne Roth. „Jetzt im Kommunalwahlkampf“ kämen alle möglichen Politiker an mit unterschiedlichen Lösungsvorschlägen, die aber allesamt im Nichts verliefen. Sei es das Foyer der ehemaligen Barlach-Realschule oder das verwaiste Café im Hallenbad. Letzteres nütze der Tafel nichts, da hier allenfalls eine Ausgabe eingerichtet werden könnte, aber kein Platz für ein Lager sei.

Vor einer Woche tagte im Aqua- Siwa-Café in nicht-öffentlicher Sitzung die Gesellschafterversammlung der Ratzeburger Stadtwerke, die das Hallenbad betreibt. „Die Sitzung ist grundsätzlich geheim. Die Mitglieder dieses Aufsichtsgremiums sind zwar identisch mit denen des Ratzeburger Hauptausschusses, aber nicht in ihrer Eigenschaft als Vertreter ihrer jeweiligen Partei!“, erklären Stadtwerke- Chef Heinz Grothkopp und der Gremiumsvorsitzende Heinz Suhr.

Dabei habe man sich mit dem Raumproblem der Tafel beschäftigt und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, sagt Grothkopp – ohne einen Beschluss zu fassen. „Der muss von einem städtischen Gremium erfolgen.“ Voraussetzung für eine übergangsweise Vermietung der Räumlichkeiten sei eine strukturelle Trägerschaft der Tafel etwa in Form eines Vereins.

Diese Nachricht überbrachte am vergangenen Freitag BfR-Vorsitzender Sami El Basiouni, der an der Sitzung teilgenommen hatte, den Tafel-Mitarbeitern. Zu Unrecht übrigens, wie einige Stadtpolitiker und Gremiumsteilnehmer befanden. Denn El Basiouni habe dafür kein Mandat erhalten.

Die Gründung eines Vereins lehnen Susanne Roth und ihre ehrenamtlichen Helfer kategorisch ab: „Ich kriege hier doch kein Managergehalt, sondern arbeite wie alle anderen ehrenamtlich – und neben meinem Beruf“ , argumentiert sie entrüstet. Wenn das Voraussetzung für die Fortexistenz der Tafel sei, „dann bin ich raus!“

Sie und ihre Mitstreiter – überwiegend Rentnerinnen und Ruheständler jenseits der 65 Jahre – fürchten, dass sie im schlimmsten Falle in Regress genommen würden. „Warum übernehmen nicht die Stadt oder die Kirche die Trägerschaft?“, fragt Roths Stellvertreter Hans-Jürgen Plath.

Um einmal deutlich zu machen, wie sehr die betagten Helfer hier „ackern“, um die Kunden mit Lebensmitteln zu versorgen, wollen sie heute bei der Ausgabe „streiken“. Das heißt: keine Tische und Stände herbeischleppen und aufstellen sowie auf eine Bedienung der Kunden verzichten. „Dann sieht man vielleicht mal, wie wertvoll und arbeitsintensiv unser Einsatz ist.“

 Joachim Strunk

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