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Tagelöhner, Panzer, Restaurant: Die „Alte 16“ hat viel erlebt

Wentorf/Hbg Tagelöhner, Panzer, Restaurant: Die „Alte 16“ hat viel erlebt

Das Reetdachhaus in Wentorf ist 270 Jahre alt — ein Traditionsverein hat es saniert.

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Der „Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 Herzogtum Lauenburg“ übernahm das 270 Jahre alte Haus und sanierte es.

Wentorf. Wohl jeder kennt das Kinderbuch „Jim Knopf und die Wilde 13“, aber mit dem Begriff „Zur Alten 16“ werden viele von uns nichts anfangen können. Des Rätsels Lösung: So heißt ein Restaurant in Wentorf bei Hamburg, eingerichtet in einem etwa 270 Jahre alten Reetdachhaus. Im Laufe dieser langen Zeit hat das Gebäude höchst unterschiedliche Bewohner und Benutzer erlebt: Tagelöhner, Künstler, Verwaltungsbeamte, Soldaten.

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Das Wappen der ehemaligen Panzergrenadierbrigade ist an der Fassade des früheren Bauernhauses zu finden.

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Aus der militärischen Nutzung stammt auch der Name „Zur Alten 16“, denn das Haus lag direkt neben den Kasernen der Panzergrenadierbrigade 16. Sie war 32 Jahre lang, nämlich bis 1994, in Wentorf stationiert. Doch dann gab die Bundeswehr diesen Standort auf, also verließen die Soldaten den Ort im Süden des Kreises. Es gab allerdings einen Traditionsverband, der die Erinnerungen wachhalten wollte. Er übernahm das 160 Quadratmeter große Fachwerkhaus, das noch bis Herbst 1994 als Nebenstelle des Landesbauamtes Lübeck genutzt wurde.

In monatelanger Arbeit wurde die alte Bauernkate mit vielen fleißigen Helfern umgebaut und renoviert. Dabei wurde im Inneren das alte Fachwerk sorgsam wieder freigelegt. Mittelpunkt des Hauses ist die mit Flaggen, Bataillonswappen und Bildern geschmückte große Diele im Erdgeschoss, die bis zu 60 Personen Platz bietet und für Veranstaltungen des Traditionsverbandes, aber auch für private Festlichkeiten genutzt werden kann. Trifft sich hier keine Gruppe, ist die „Alte 16“ ein öffentliches Restaurant, das von Roland Pump geleitet wird und sich auf bodenständige, regionale Küche spezialisiert hat.

Lange war das heute recht städtisch wirkende Wentorf, direkt an der Stadtgrenze zu Hamburg gelegen, ein kleines Bauerndorf. Die Kate an der Hamburger Landstraße erinnert an diese Zeit und ist das einzige Gebäude in der Gemeinde, das noch aus dem 18. Jahrhundert stammt. Unterlagen über die Entstehung gibt es nicht mehr, erbaut worden sein dürfe es irgendwann zwischen 1730 und 1750. Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine Tagelöhnerkate im Niedersachsenstil mit Lehmdiele und einem großen Tor zur Südseite sowie mit einem Bodenraum für Getreide und mit einigen kleinen Kammern. Mindestens 150 Jahre wurde das Haus landwirtschaftlich genutzt.

1919 erwarb der Kunstmaler Georg Greve-Lindau das Anwesen und richtete sich ein Atelier ein. Er baute das Obergeschoss aus und erweiterte die Fensterfront zur Hamburger Chaussee — so wie sich die Kate heute noch präsentiert. Doch der Zweite Weltkrieg warf seine dunklen Schatten voraus: 1936 verkaufte der Künstler seinen Besitz an die deutsche Wehrmacht, die das Haus fortan als Offiziersheim der benachbarten Bismarck-Kaserne nutzte.

Als die Bundeswehr Ende 1992 bekanntgab, man werde den Standort Wentorf aufgeben, begannen die Bemühungen, das hübsche, wenn auch etwas morsche Reetdachhaus für Treffen Ehemaliger zu erhalten. Der damalige Brigadekommandeur Eckart Fischer schrieb an den Bundestagsabgeordneten und Präsidenten des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Peter Kurt Würzbach. Er bat ihn um Unterstützung für eine Verpachtung des Reetdachhauses an den Traditionsverband anstelle des vorgesehenen Verkaufs an Privatinvestoren. Fischer begründete in seinem Schreiben: „Entscheidend für einen Erfolg der Arbeit zur Erhaltung und Pflege der Tradition und der gewachsenen Verbindungen mit der Bevölkerung in diesem Raum wird es sein, dass wir eine geeignete Räumlichkeit am Standort Wentorf verfügbar haben. Wir bemühen uns darum, ein im Kasernenbereich gelegenes Bauernhaus für diesen Zweck langfristig vom Bundesvermögensamt zu pachten; damit könnte auch ein Stück der Identität des alten Kasernements erhalten werden, woran insbesondere die Gemeinde Wentorf interessiert ist.“

So kam es, der „Traditionsverband Panzergrenadierbrigade 16 Herzogtum Lauenburg“ konnte das Haus erwerben und sanieren. Und damit ist das ehemalige Kasernengebäude, die „Alte 16“, bis heute ein Treffpunkt, in dem Erinnerungen wachgehalten, Traditionen gepflegt und Feste gefeiert werden.

Georg Greve-Lindau
Ein prominenter Bewohner der alten Kate in Wentorf bei Hamburg war der Maler Georg Greve, der 1876 in Lindau im Eichsfeld geboren wurde und sich deshalb Georg Greve-Lindau nannte. 1910 zog er nach Weimar, der damaligen Hochburg der Kunst in Deutschland. Hier gelang ihm der künstlerische Durchbruch. 1912 bewarb sich Greve mit dem Bild „Vorbeiziehende Menschen“ um den bedeutsamen Villa-Romana-Preis - und gewann. Dies war mit einem kostenlosen einjährigen Aufenthalt in Florenz verbunden. Diese Zeit sei frei von materiellen Sorgen und unbeschwert gewesen, auch seien dort seine schönsten impressionistischen Bilder entstanden, sagte Georg Greve später.



Als er nach Wentorf zog, war sein Ruhm schon verblasst, Kritiker warfen ihm vor, seine Werke seien „Kunst von gestern“ Die folgenden Jahre litt Greve unter Depressionen, die ihn bis an sein Lebensende begleiten. Er musste aus Geldnot künstlerisch weniger anspruchsvolle Aufträge wie das Anfertigen von Wappen, Landkarten und Werbeschriften annehmen. 1963 starb er.

Norbert Dreessen

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