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Lauenburg Tempolimit 500 Meter verlängert: Autofahrer kalt erwischt
Lokales Lauenburg Tempolimit 500 Meter verlängert: Autofahrer kalt erwischt
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20:24 22.10.2013
Dieses Schild zur Aufhebung des Tempolimits auf der B 404, Höhe Kasseburg, wurde um 500 Meter versetzt. Andreas Reichert (46) fährt seit Jahren die Strecke und bemerkte die Veränderung nicht. Quelle: A. Röder

„Das ist eine Raubmentalität hier im Kreis“, sagt Andreas Reichert und blickt verärgert auf das versetzte Schild zur Temporegelung. Seit Jahren fährt der 46-Jährige täglich dieselbe Strecke zur Arbeit. Er kennt den Weg im Schlaf, bremst automatisch bei jeder Ortschaft und gibt nach Aufhebung der Tempobegrenzung wieder Gas. Andreas Reichert weiß, dass auf dieser Strecke auch geblitzt wird. Aber er war sich auch sicher, wo er rechtmäßig Gas geben darf.

Umso erstaunter war der Versicherungsmakler, als letztes Wochenende ein Brief vom Amt in seine Firma kam. Darin stand, dass einer seiner Firmenwagen auf der B 404 auf der Höhe Kasseburg, im Ortsteil Ödendorf, geblitzt wurde. Darüber war er so verblüfft, dass er nach dem Wochenende gleich zur besagten Stelle fuhr und eine für ihn sehr ärgerliche Entdeckung machte: Das Schild zur Aufhebung der Tempobegrenzung auf 70 Kilometer pro Stunde wurde ganze 500 Meter weiter in den Sachsenwald versetzt. Der Versicherungsmakler hatte diese Veränderung auf seiner täglichen Routine-Tour nicht bemerkt. „Für mich gab es keinen ersichtlichen Grund das Schild zu verrücken. Der Kreis will doch nur Geld machen“, sagt Reichert.

Das Straßenverkehrsamt des Herzogtums Lauenburg hatte das Ortsschild am 10. September dieses Jahres, aufgrund von Lärmschutz-Beschwerden der Anwohner, versetzt. „Solchen Anregungen müssen wir natürlich nachgehen“, erklärte Anne Schetelich, Sprecherin des Kreises.

Am 13. Oktober, etwa einen Monat später, wurde ein Blitzer aufgestellt. „Die Autofahrer hatten einen Monat Eingewöhnungsphase, um sich an die neue Temporegelung zu gewöhnen“, sagt Schetelich. Ernst Walter Z. (74) ist der Anwohner, der den Antrag gestellt hat: „Ich bin sehr zufrieden über die Änderung. Es gab hier viele Wildunfälle“, erklärt er.

Er sei kein Gegner von Fallen für Temposünder, auch könne er die Beschwerden der Anwohner verstehen, sagt Reichert. Doch er kritisiere, dass die Umstellung nicht ausreichend gekennzeichnet wurde.

„Man hätte zum Beispiel eine Leuchttafel aufhängen können, so dass den Autofahrern die Veränderung bewusst wird“, sagt er. So fühle er sich vorgeführt.

Verkehrsgeschichte
1910 durften deutsche Autofahrer innerorts im Schnitt 15 km/h fahren. Bis in die Weimarer Republik entschied jedes Land autonom über die Verkehrsgesetze.

1934 führte die NS-Regierung eine Verkehrsgesetzgebung für das gesamte Reich ein.

1959 begann die Überwachung des Tempolimits durch Radarfallen. Den ersten mobilen Blitzer gab es in Düsseldorf.

Alessandra Röder

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