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Lauenburg Teneriffa als Herausforderung für Gemeinschaftsschüler
Lokales Lauenburg Teneriffa als Herausforderung für Gemeinschaftsschüler
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20:45 24.09.2013
Das Tierheim auf Teneriffa wurde mit Malereien verschönert. Die Berkenthiner Schüler halfen auch beim Reinigen der Boxen.

Bei den „Herausforderungs-Projekten“ der Gemeinschaftsschule Berkenthin für die Schüler des achten Jahrgangs ging es in den vergangenen beiden Jahren zu Fuß über die Alpen, mit dem Rad nach Dänemark oder segelnd auf das Ijsselmeer nach Holland. In diesem Jahr zog es eine Gruppe sogar bis nach Teneriffa.

Für die sechs Mädchen und sechs Jungen im Alter zwischen 13 und 14 Jahren war dieser Tripp keineswegs ein verlängerter Sommerurlaub. Herzklopfen und schweißnasse Hände hatten einige schon, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug stiegen. Auch die Vorstellung, elf Tage 3600 Kilometer entfernt von Mama, Papa und Geschwistern zu sein, behagte den wenigsten.

Die Idee mit dem „Herausforderungsort“ Teneriffa entstand, als Lehrerin Sabrina Christiansen auf der Suche nach Tier- und Umweltschutzeinrichtungen war, bei denen die Schüler für knapp zwei Wochen aktiv mitwirken sollten. Über den Verein „Aktion Tier — Menschen für Tiere“ (www.aktiontier.org) in Berlin entstand der Kontakt zu der kanarischen Insel. Im dortigen Tierheim werden fast ausschließlich Hunde betreut.

„Die Leiterin Marion Gonzalez, eine gebürtige Deutsche, war sehr aufgeschlossen und hat uns in dem Tierheimgebäude zwei Schlafsäle zur Verfügung gestellt“, erzählt Christiansen. Für den Einkauf und das tägliche Kochen waren die zwölf Kinder und zwei Lehrerinnen selbst zuständig. Im Tierheim übernahmen sie vielfältige Aufgaben. „Das Schlimmste für mich war, als ich in einen Zwinger mit einem Hund musste, der mir bis zum Bauch reichte, um dort sauber zu machen“, erzählt Nina (14). Hart sei auch das Straßefegen gewesen bei großer Hitze, „als die Besen sich im weichen Teer verhakt hatten“, ergänzt Tobias (13).

Die Jugendlichen mussten die Hunde ausführen, sie säubern, durften auch einmal bei einer Kastration zuschauen — „dort wird jeder Hund kastriert und gechipt“, erläutert Tatjana (13). Denn viele dieser Tiere werden ins Ausland, auch nach Deutschland vermittelt. Jeden Vormittag stand zudem Theorieunterricht bei Marion Gonzalez an, die zu den Themen Tierhaltung, Tier- und Umweltschutz, Wasserverbrauch — ein ganz wichtiges Thema auf den Kanaren, wo das Trinkwasser sehr knapp ist — Vorträge hielt. Im Anschluss daran durfte die Gruppe dann auch umsonst in den Loro Parque, einen großen Tierpark, den die Berkenthiner dann doch mit gemischten Gefühlen betrachteten, wussten sie doch, dass diese Art Tierhaltung nicht gerade artgerecht ist.

Beeindruckend für die Deutschen war zudem ein Besuch an dem Naturstrand in der Nähe des Tierheims, das wiederum in einem Industriegebiet angesiedelt ist. „Da lagen Unmengen an Müll herum, vor allem Plastik, das wir erst mal aufgesammelt haben“, erzählt Tobias. A propos Müll herumliegen lassen. Dass man dies im eigenen Schlafraum unterlassen sollte, lernten die Besucher sehr schnell, nachdem sich Ameisen und Eidechsen über Essensreste hergemacht hatten. Nach zehn Tagen war dieser durchaus prägende Aufenthalt auf einer Insel, die man einmal aus einer anderen als der Touristensicht kennen gelernt hat, vorbei. Der Rückflug übrigens war auch kein Geschenk der Eltern. Vielmehr hatten die Jungen und Mädchen wochenlang vor der Reise um Spenden bei Firmen geworben, vor den Sommerferien einen Brötchenverkauf an der Schule organisiert und andere Arbeiten übernommen, um die Reise zu finanzieren. Intensiv war auch die Recherche nach den günstigsten Verbindungen: Abflug Hamburg, Ankunft Bremen. Noch auf Teneriffa hatten die Teilnehmer eine Dokumentation des Aufenthaltes erstellt, der in einigen Wochen vorgestellt werden soll.

Beispielhafte Projektarbeit
Frühere Herausforderungen für Berkentiner Schüler:
— mit dem Rollstuhl entlang des Nordostseekanals
— mit dem Rad von Travemünde nach Swinemünde an der Ostseeküste entlang
— zwölf Tage Segeltörn auf dem Ijsselmeer (Holland)
— sportlich auf Fehmarn — von Willensstärke bis Überwindung
— Tierheim Lübeck: Schutz, Pflege und artgerechte Haltung von Tieren
— Ora et labora: Fünf Tage bei den Benediktinermönchen im Kloster Nütschau und in den Marli-Werkstätten in Lübeck
— Über die Alpen wandern — von Oberstorf nach Bozen
— Tier- und Umweltschutz im Ausland

Joachim Strunk

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