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Tierische Konkurrenz für Fischer

Ratzeburg/Salem/Groß Zecher Tierische Konkurrenz für Fischer

Kormorane und Otter dezimieren Fischbestände: Binnenfischer am Ratzeburger- und am Schaalsee klagen über einbrechende Fangzahlen. Auch Karpfenzüchter geben auf: Die Ottter fressen ihnen offenbar die Teiche leer. 

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Ein Kormoran mit einem Aal als Beute: Die geschützten Vögel ernähren sich ausschließlich von Fischen.

Ratzeburg/Salem/Groß Zecher. Die Seen in der Schaalseeregion sowie rund um Ratzeburg gelten als nahezu unberührte Naturlandschaften. Doch sind sie das tatsächlich? Wie steht es noch um den Artenreichtum und Bestand an Fischen in diesen großen Seen? Die wenigen verbliebenen Fischer klagen über massive Einbrüche bei ihren Fängen. Hauptschuldige für sie sind Kormoran und Otter.

LN-Bild

Kormorane und Otter dezimieren Fischbestände: Binnenfischer am Ratzeburger- und am Schaalsee klagen über einbrechende Fangzahlen.

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„Die gesunke- nen Weißfisch- erträge sind erheblich durch den Kormoran beeinflusst.Albert Hahn,

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Angesichts ihrer Größe und Tiefe – der Schaalsee gilt mit 72 Metern als tiefster Klarwassersee Norddeutschlands (10. in ganz Deutschland) und hat eine Fläche von 23 Quadratkilometern, der Ratzeburger misst eine Tiefe von 24 Metern und eine Fläche von 12,6 Quadratkilometern – ist es nicht einfach, den Fischbestand zu beziffern.

Das Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow hat immer mal wieder Probefischungen zur Erfassung des Bestandes vorgenommen. Allerdings sind die Zahlen von Jahr zu Jahr schwankend, beeinflusst durchs Wetter, durch das vermehrte Aufkommen tierischer Räuber bis hin zu verstärkter Phosphor- und Nährstoffzufuhr durch landwirtschaftliche Düngung.

Letzteres mag Rüdiger Jobmann, einziger Fischer(meister) am Ratzeburger See, nicht mehr gelten lassen. „Der Ratzeburger ist so klar und sauber wie ein Voralpensee. Der Schadstoffgehalt hat sich gegenüber früheren Jahren wesentlich verbessert. Allerdings hat der Fischbestand dabei gelitten“, sagt er und erklärt warum: „In einem klaren Glas Wasser kann kein Fisch groß werden!“ Im vergangenen Jahrhundert habe es noch die eine oder andere Schlachterei direkt am See gegeben. Damals hätten die Fischer wesentlich schwerere Netze eingeholt . . .

Das aktuell wechselhafte, viel zu kalte, regnerische Wetter spiele eine größere Rolle, so Jobmann: „Unser See ist sehr wetterfühlig und kann sich durch die schwankenden Temperaturen im Wasser nicht platzieren. Entsprechend schlecht fällt das Nahrungsangebot für die Planktonfresser aus.“ Und das seien vor allem die kleinen Silbermaränen. Die machten derzeit den zweitgrößten Anteil seiner Fänge aus, so Jobmann, hinter dem führenden Barsch und vor dem Hecht.

Auf dem Schaalsee sind noch drei Fischereibetriebe aktiv: die Schaalseefischerei Rehbohm in Zarrentin (MV) sowie die „Fischzucht Grambek“ von Bothstede und das Fischereiunternehmen Rinck, beide Firmen von Groß Zecher aus tätig. „Unsere ,Brotfische’, von denen wir noch leben können, sind die Silbermaräne und der Barsch“, sagt Jan Bothstede. Aber selbst die Fänge dieser Arten gingen immer mehr zurück.

„Unsere Karpfenzucht in den Grambeker Hälterteichen mussten wir aufgeben wegen der Fischotter“, sagt Jan Bothstede. Von 6000 eingesetzten Karpfen hätten sie im Herbst 2015 nur noch 120 abgefischt. Das war der Schlussstrich. „Jetzt fische ich nur noch auf dem Schaalsee“, sagt Bothstede. Aber auch hier gäbe es eine Otterplage.

Hinzu kämen die Kormorane. „Wir haben im Moment drei bis vier Schwärme, die auf dem Weg nach Süden hier anhalten und sich satt fressen.“ Je Schwarm schätzen er und Holger Rinck etwa 1000 bis 1500 Vögel. „Geht man davon aus, dass ein Kormoran 500 Gramm Fisch pro Tag frisst, sind das bei 1000 Vögeln eine Tonne – und 30 Tonnen im Monat“, rechnet Rinck vor. Die Kormorane, die sich ausschließlich von Fisch ernähren, gehen dabei regelrecht militärisch in einer Schwarmjagd vor, weiß auch Rüdiger Jobmann zu berichten. „Da treibt eine Linie die Fische ins flache Wasser, wo der nächste Trupp sie leicht abfischen kann.“

Auch Albert Hahn, zuständig für die Binnenfischerei in der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Rendsburg), bestätigt ein intelligentes Vorgehen der unter striktem Naturschutz stehenden schwarzen Vögel: „Ihre Kommunikation ist hervorragend. Sie geben die Information, wo sich große Fischbestände aufhalten, rasend schnell weiter.“ Auch sein Fazit lautet: „Die gesunkenen Weißfischerträge – nicht nur auf dem Ratzeburger und dem Schaalsee – sind erheblich durch den Kormoran beeinflusst.“ So seien die Fangerträge auf allen schleswig-holsteinischen Seen in den vergangenen zehn Jahren von 45 auf rund 10 Kilo je Hektar gesunken. Abschüsse, die ohnehin verboten sind, seien wirkungslose Einzelmaßnahmen. Man müsse eben abwarten, bis die Vögel weiter ziehen.

„Von einer Bestandsgefährdung bei den Fischen kann man zurzeit bis auf den Aal aber nicht sprechen. Dafür müssten die Fangerträge noch weiter zurück gehen“, versucht Hahn die Situation für die Tiere trotz des „sehr niedrigen Niveaus“ nicht zu dramatisieren. „Eher ist da die Wirtschaftlichkeit der Fischbetriebe in Gefahr, auch das sehe ich noch nicht .“

Das aber, so Holger Rinck, der das Fischrestaurant „Maräne“ in Groß Zecher betreibt, und Rüdiger Jobmann, der Gäste in seiner „Fischerstube“ in Ratzeburg bewirtet, läge allein daran, dass sie beide und Rehbohm in Zarrentin mit der Gastronomie und dem Handel weitere Standbeine hätten. Jan Bothstede dagegen ist allein in der Fischerei und der Aufzucht tätig.

Heute Salemer Dialog

Zur Podiumsdiskussion lädt die Gemeinde Salem am heutigen Sonntag, 6. August, von 16 bis 18 Uhr ins Dorfgemeinschaftszentrum in der Seestraße 44 ein. Thema ist der Fischreichtum der Schaalseelandschaft und mögliche Gefahren für die Fischbestände.

Als Experten dabei sind Dr. Manuel Cadmus, Jurist und See-Eigentümer im Bereich Bresahn/Dargow, Dipl.-Biologe Martin Purps, Fischereiberater im Landessportfischerverband, sowie Thorsten Jantz, Fischereiaufseher auf dem nördlichen Schaalsee.

Die Moderation übernimmt wie immer Gabriele Heise, für Planung und Organisation sorgen Annette Andresen aus Dargow und Bürgermeister Herbert Schmidt aus Salem.

 Joachim Strunk

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