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Tierschützer zeigen Ratzeburger Angler an: Vereinsleben auf Eis

Ratzeburg Tierschützer zeigen Ratzeburger Angler an: Vereinsleben auf Eis

„Peta“ erhebt den Vorwurf der Tierquälerei nach Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes – die Kriminalpolizei ermittelt. Die Sportfischer haben alle Veranstaltungen abgesagt.

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Ratzeburg. Eine Anzeige der Tierschutzorganisation „Peta“ hat das Vereinsleben des Sportfischer-Vereins Ratzeburg lahm gelegt. Wegen der laufenden Ermittlungen hat der Verein alle Angel-Veranstaltungen für dieses Jahr abgesagt: zwei im September und zwei im Oktober. Was droht dem Verein noch, sollte die Staatsanwaltschaft Lübeck das Verfahren zulassen und sich der Straftatbestand der Tierquälerei bestätigen? Könnte das das Aus für den Verein – und möglicherweise sogar für die Sportfischerei im Land – bedeuten?

 

LN-Bild

Im vergangenen Mai freute sich „Angelkönig“ Manfred Lübcke über Zepter und Kette für seinen kapitalen Hecht (fast neun Kilo schwer), den er zuvor aus dem Ratzeburger See gefischt hatte.

Quelle: LN

„Die Tötung der Tiere erfolgte ohne vernünfti- gen Grund.“ Tanja Breining, „Peta“

„Ich kenne kein Verfahren, das mit einer Geldstrafe endete.“ Robert Vollborn, LSFV

§ 17 Tierschutzgesetz

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

In seinem Rundschreiben Nr. 2/2016 verkündet der Vorstand des Sportfischer-Vereins Ratzeburg: „Sehr geehrte Sportsfreunde, aufgrund eines laufenden Strafverfahrens wegen Verstoßes gegen § 17 Tierschutzgesetz, nach einer Anzeige der Tierschutzorganisation Peta Deutschland gegen den Sportfischerverein Ratzeburg und einzelne Mitglieder des Vereins, müssen wir bedauerlicherweise alle Angelveranstaltungen bis zum Ende des Jahres 2016 nach einem Vorstandsbeschluss absagen“.

Was war passiert? Die Tierschutzorganisation Peta war auf den Bericht der Lübecker Nachrichten vom 25. Mai 2016 aufmerksam geworden. Hier wurde berichtet: „Insgesamt waren 73 Petrijünger um Punkt 6 Uhr zum zweiten Vereinsangeln der Saison angetreten. Am Ende der Veranstaltung waren es ( . . . ) elf Fänger die insgesamt zwölf Hechte mit einer Gesamtmasse von 48,8 Kilogramm erbeuteten“. „Angelkönig“ wurde Manfred Lübcke mit dem größten Hecht (8900 Gramm). Der Zweitplatzierte holte einen 7300 Gramm schweren Hecht aus dem See, der drittgrößte Fisch war 5700 Gramm, der viertgrößte 5100 Gramm und der fünfte 4850 Gramm schwer. Der neue „Juniorenkönig“ angelte einen Hecht mit einem Gewicht von 2100 Gramm.

Sprecherin Tanja Breining von „Peta“ erklärt, warum die Tierschutzorganisation tätig geworden ist: „Bei der Wettangel-Veranstaltung des SFV Ratzeburg handelt es sich eindeutig um einen Wettbewerb, dessen Ziel es war, möglichst große beziehungsweise schwere Fische zu fangen. Anschließend wird der Sieger ermittelt. Es besteht hinsichtlich aller erwachsenen Teilnehmer der dringende Verdacht des Verstoßes gegen Paragraph 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz“.

Die Tötung der Tiere erfolgte offenbar ohne einen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes, denn der Erwerb des Fisches für Nahrungszwecke muss den alleinigen Grund für das Angeln bilden.

„Wird daneben auch ein sportlicher Zweck verfolgt, insbesondere der Zweck, in einem Wettbewerb Sieger und Platzierte zu ermitteln, so fehlt es an einem vernünftigen Grund, denn solche Zwecke können weder die Tötung noch die Zufügung von Schmerzen und Leiden rechtfertigen.“ Selbst wenn die Angler vorgäben, dass sie alle Tiere zum Verzehr getötet hätten, seien sie auch und insbesondere zu dem Zweck getötet worden, um an dem Wettbewerb teilzunehmen. Insofern stelle dies „lediglich eine plumpe Schutzbehauptung“ dar, erklärte Breining.

Peter Haß, 2. Vorsitzender des Sportfischervereins Ratzeburg, erklärte auf Anfrage der Lübecker Nachrichten: „Nähere Auskünfte erfragen Sie bitte bei der Staatsanwaltschaft in Lübeck, da wir zur Zeit eines schwebenden Verfahrens zunächst keine Auskünfte erteilen können“.

Die Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft, Dr. Ulla Hingst, bestätigte den Eingang der Strafanzeige durch Peta und verwies darauf, dass die Ermittlungen der Kriminalpolizei noch laufen. „Der Knackpunkt bei diesem Sachverhalt ist: Gab es einen vernünftigen Grund? Das wird unterschiedlich beurteilt. Wir müssen nun die Abläufe klären und ob und welche Preise ausgelobt wurden.“ Das Strafmaß

bei einer vorsätzlichen Tat liege, so Hingst, bei einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Bei Fahrlässigkeit, also wenn die Teilnehmer einen Verstoß gegen Paragraph 17 TierSchG für möglich und billigend in Kauf genommen hätten, sei es dann „nur noch“ eine Ordnungswidrigkeit. Das Strafmaß müsse auch berücksichtigen, wie schwerwiegend der Schuldvorwurf sei, ob der Beklagte vorbestraft sei oder einsichtig und verständig. Bei geringfügigem Verstoß könne das Verfahren auch eingestellt werden, sagte Ulla Hingst.

Es gab schon wiederholt Anzeigen von Peta gegen Angler. Aber: „Ich kenne bisher kein von Peta initiiertes Verfahren in Schleswig-Holstein, das mit einer Geldstrafe oder einem Bußgeld endete“, erklärt Rechtsanwalt Robert Vollborn, Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes LSFV in Kiel. Er bezeichnet die Aktivitäten als „reine PR-Maßnahme dieser Organisation“, der es nur „um öffentliche Wahrnehmung und Werben für weitere Spenden“ gehe.

Auch bei einem Erfolg der Peta-Anzeige wäre der SFV Ratzeburg laut Vollborn „nicht überflüssig, weil ein Verein nicht lediglich dafür existiert, Veranstaltungen zu organisieren. Der Vereinszweck ist umfangreich, er beinhaltet die Aus- und Fortbildung von Mitgliedern, die Hege von Fischbeständen oder die Information interessierter Nicht-Angler aus der Region“.

Die Bezeichnung „Sport“ dürfe zudem nicht missverstanden werden, so Vollborn weiter. „Angeln ist selbstverständlich kein Sport. Aber die Gründer haben vor Jahrzehnten diesen Namen gewählt, um sich damit bewusst von der Berufsfischerei abzugrenzen.

Der Verband reagiert auf die Peta-Aktivitäten „mit einer gewissen Routine“ und Beratung. In der Bevölkerung würden Peta-Aktionen mittlerweile „zutreffend eingeschätzt, so dass wir sehr viel Solidarität erfahren“.

 Joachim Strunk

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