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Lauenburg Tiny Houses statt Jugendbahnhof
Lokales Lauenburg Tiny Houses statt Jugendbahnhof
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14:10 03.11.2018
Die Tiny Houses werden auf einem Fahrgestell eines verschrotteten Hamburger U-Bahn-Waggons gebaut. Quelle: Holger Marohn
Ratzeburg/Hollenbek

Mit seinem Jugendbahnhof schaffte Oliver Victor einst in Hollenbek ein deutschlandweit einmaliges Übernachtungserlebnis in Eisenbahnwaggons für Jugendliche. Nun will der Unternehmer mit den innovativen Ideen dort ein neues Projekt verwirklichen: den Wohnpark „lilleby.de“ mit Minihäusern. Erste Häuser können in Schmilau bereits besichtigt werden.

„Es gibt einen Trend zum Minimalismus und mehr Naturnähe“, sagt Victor, der in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Neues und Innovatives nicht nur im Wohn- und Übernachtungsbereich ausprobiert hat. Seine Idee: Auf dem Gelände des Jugendbahnhofes entsteht ab dem kommenden Jahr ein Dorf auf etwa zwölf kleinen Häuschen, die von Bewohnern bewohnt werden, die sich damit ihren Lebenstraum erfüllen. Idealerweise seien diese nicht irgendwelche Bewohner, sondern werden auch Teil der Erlebnisbahn und könnten später einmal den ehemaligen Jugendbahnhof wieder über entsprechende Seminarveranstaltungen zu neuem Leben erwecken.

Über das „Wie“ dieses Projektes habe man hinter den Kulissen lange gefachsimpelt. Vor allem sei es darum gegangen, ob ein dauerhaftes Wohnen in solchen Häusern in Hollenbek tatsächlich möglich sei. Denn das wäre eine Besonderheit in ganz Norddeutschland. „Mit dem ebenfalls auf dem Bahnhofsgelände bereits stehenden Wohnhaus schien es auch so aus, als hätten wir eine Lösung dafür gefunden“, beschreibt Victor das Auf und Ab bei der Umsetzung. Aktuell sehe es aber wieder so aus, dass doch noch mal „eine kleine Ergänzung des Bebauungsplans“ erforderlich. Dafür stellen die Erlebnisbahner um Victor am Montag ihre Ideen und Wünsche in der Hollenbeker Gemeindevertretung vor (19 Uhr, Feuerwehrgerätehaus).

Der Jugendbahnhof Hollenbek mit seiner einzigen Jugendherberge Deutschlands in einem Zug wurde 2016 nach 15 erfolgreichen Jahren geschlossen. Hintergrund sei gewesen, dass das Finanzamt für das Draisinefahren den in einer Sonderprüfung einstmals als richtig attestierten Umsatzsteuersatz rückwirkend von sieben auf 19 Prozent angehoben habe. Die damit zu wenig entrichtete Umsatzsteuer musste Victor für „acht längst vergangene Betriebsjahre“ nachzahlen. Mit viel Aufwand und dem Verkauf eines Großteils des Equipments sei es dann, die rund 150000 Euro irgendwie aufzutreiben.

Victor spricht ganz offen von „Raubrittertum“. „Um davor zukünftig besser gefeit zu sein, sollte die Erlebnisbahn dann schrumpfen. Es sollten fortan weniger Umsätze gemacht und weniger Personal eingesetzt werden“, blickt Victor zurück. Eine Folge sei auch gewesen, dass der Jugendbahnhof und einige andere Angebote eingestellt wurden. Doch genau dieser Rückzug schafft nun den Platz für Victors neueste Idee: das Minihaus-Projekt „Lilleby.de“.

Mit den Beratungen über die Klarstellung im Bebauungsplan soll Lilleby.de nun auf die Zielgerade gehen und das Projekt in Hollenbek Realität werden. Ein erstes eigenes Tiny House hat die Erlebnisbahn bereits entwickelt und gebaut. Mithilfe eines Möllner Designers ist es auf einem Drehgestell der verschrotteten Hamburg U-Bahn und damit wie für die Erlebnisbahn typisch fahrbar auf Schienen entstanden. Und Victor wäre nicht Victor, wenn auch dieses Haus einen besonderen Gag hätte: Man kann darin auch draußen schlafen. Denn das Bett ist auf einer Art Schublade montiert und kann so in drei Metern Höhe mithilfe eines Garagentor-Motors nach draußen gefahren werden. Ein Sensor sorgt dafür, dass es sich bei Regen automatisch wieder ins Haus zieht.

Außerdem kooperiert die Erlebnisbahn mit dem Kaffeeröster Tchibo. Dieser hatte im Sommer eine Verkaufsaktion für drei verschieden große Tiny-Häuser gestartet. Fast 4000 Kaufinteressenten meldeten sich bundesweit – besonders viele aus Hamburg. Die Erlebnisbahn bekam eines der ersten Häuser nach Schmilau und alle Hamburger Interessenten wurden von Tchibo darüber informiert, sich dieses in Schmilau anzuschauen und dort sogar Probe zu wohnen.

„Wir als Erlebnisbahn freuen uns, mit dem Thema Minimalismus und naturnahes Leben neues Klientel anzulocken. Und wie es scheint, wird daraus ein neuer Trend“, sagt Victor.

Holger Marohn

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