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Lauenburg Tod auf der Entenwanderung in Ratzeburg
Lokales Lauenburg Tod auf der Entenwanderung in Ratzeburg
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11:59 15.02.2016
Peter Liedtke (69) ist noch immer geschockt. Während Ratzeburger an dieser Stelle geduldig auf die Enten warteten, soll ein Lübecker die Tiere rücksichtslos überfahren haben. Quelle: Fotos: Grombein
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Ratzeburg

Sie watscheln vom Kantstein auf die Fahrbahn, drehen dann unsicher um. Erst wenn alle Autofahrer halten, setzen sie den Weg zur anderen Straßenseite schwanzwedelnd fort. Die Ratzeburger sind Entenwanderungen gewohnt und haben selbst dann Geduld, wenn die eine oder andere Ente auf dem Weg vom Ratzeburger See zum Küchensee auf der Straße etwas Essbares findet — Tierliebe macht Freude.

Diese erprobte Symbiose von Mensch und Tier ist nun brutal gestört worden. Peter und Angela Liedtke wollen beobachtet haben, wie ein dunkler Geländewagen mit Lübecker Kennzeichen ein Entenpaar überrollte — obwohl bereits Fahrer angehalten hätten. Der Erpel ist tot. Ein weiterer Ratzeburger nahm die Verfolgung des Lübeckers auf und notierte das Kennzeichen. In Kürze flattert dem vermeintlichen „Entenmörder“ eine Anzeige nach dem Tierschutzgesetz ins Haus.

„Ich war wütend und meine Frau völlig verdattert“, sagt Peter Liedtke. Er stand am Mittwoch gegen 10.35 Uhr an der Bushaltestelle „Unter den Linden“ vor dem Ratzeburger Rathaus und wartete auf den Bus Richtung Mölln. Plötzlich sei ein Autofahrer in einem dunklen Geländewagen mit Lübecker Kennzeichen auf ein Entenpaar zugerast, das gerade die Straße überquert habe. „Er machte regelrecht Jagd auf die Tiere und überfuhr auch einen Erpel. Der lebte noch, als der Fahrer weiterfuhr“, empört sich Liedtke. Es sei wie in einem schlechten Film gewesen. Der Erpel habe noch einmal den grünen Kopf gehoben, als seine Entenfrau Richtung Küchensee flog, und sei dann leblos zusammengesackt.

Auch Entgegenkommende und Hinterherfahrende hätten die Tat mit Entsetzen beobachtet. Ein Mann in einem hellblauen Auto, der hinter dem Geländewagen gefahren sei, nahm laut Liedtke die Verfolgung auf. Später sei der Verfolger zurückgekommen und habe berichtet. Er sei dem Lübecker Fahrer bis auf Höhe der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft (IKK-Gebäude) gefolgt. Nachdem er ihn mittels „Lichthupe“ angeblinkt habe, sei der Lübecker auf den Parkstreifen gefahren. Doch als der Verfolger ausstieg, um den anderen zur Rede zu stellen, habe der Lübecker Gas gegeben und sei davon gebraust. Er habe gleich die Polizei angerufen, berichtet Liedtke.

Polizeisprecher Holger Meier bestätigte, dass ein Zeuge in betreffendem Fall Strafanzeige erstattet habe und dass der Fahrer aus Lübeck in kürze Post bekomme. „Es handelt sich möglicherweise um eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz“, so Meier. Er erklärt jedoch, es sei schwer zu beweisen, dass der Fahrer den Erpel bewusst angesteuert und überfahren habe.

Bei einer Vollbremsung wegen eines Tieres bestehe außerdem die Gefahr eines Auffahrunfalls, der Menschen gefährden könne. „So hart es klingt. Es handelt sich eben nur um ein Tier“ , erklärt Meier. Noch schlimmer sei es, wenn Fahrer wegen eines Tieres in den Gegenverkehr auswichen. Meier: „Es ist dann immer eine Rechtsgüterabwägung, ob man ausweichen, scharf bremsen oder weiterfahren muss.“

Das Tierschutzgesetz

Laut § 1 des Tierschutzgesetzes ist der Zweck des Gesetzes „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“.

Das Gesetz schützt Wirbeltiere davor, ohne „vernünftigen Grund“ getötet oder gequält zu werden. Quelle: dejure.org

F. Grombein und J. Strunk

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