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Lauenburg Traurige Gewissheit: Jugendlicher ist ertrunken
Lokales Lauenburg Traurige Gewissheit: Jugendlicher ist ertrunken
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20:06 29.06.2017
Die Bereitschaftspolizei aus Eutin stoppte auf dem Weg zum G-20-Einsatz gestern in Müssen. Bei ihrem Taucheinsatz entdeckte sie den Leichnam außerhalb der begrenzten Badezone des See. Quelle: Fotos: Timo Jann
Müssen

Jetzt ist es traurige Gewissheit: Der Flüchtling (17) aus Libyen, der seit Sonntagnacht in der Müssener Badelagune vermisst wurde, ist tot. Polizeitaucher bargen die Leiche des Jugendlichen gestern am frühen Nachmittag aus dem mitten im Dorf in einer ehemaligen Kiesgrube angelegten Badesee. Die Polizei geht von einem Unglücksfall aus. Unter Federführung der Geesthachter Kripo hatte man versucht, den Verbleib des unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings zu klären.

Polizeitaucher bargen den leblosen Körper des 17-Jährigen außerhalb der begrenzten Badezone in der Müssener Badelagune.

60 Plätze

Der Fachbereich

St. Salvatoris des Diakonischen Werkes Herzogtum Lauenburg unterstützt Familien, Kinder, Jugendliche und Heranwachsende durch ambulante Hilfen in den Räumen eines ehemaligen Pastorats.

Seit Januar 2016 werden in der ehemaligen Jugendherberge an der Berliner Straße mit bis zu 60 Plätzen auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut.

Anlässlich des Fastenbrechens zum Ende des Ramadans hatte das Diakonische Werk Herzogtum Lauenburg mit den in der ehemaligen Geesthachter Jugendherberge untergebrachten Flüchtlingen am Sonnabend einen Grillabend gefeiert. Dabei waren auch drei pädagogische Betreuer. Um 22 Uhr trennte sich die Gruppe, einer der Betreuer fuhr mit einigen Jugendlichen zurück in die Einrichtung, zwei Betreuerinnen fuhren mit 14 Jugendlichen zum Badesee in Müssen. Dort nahm das Unheil dann seinen Lauf. Obwohl es ein nasser kühler Tag war, wagten sich die Jugendlichen in den zu später Stunde unbeaufsichtigten Badesee.

Nach Darstellung von Heiko Steiner, dem Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, wären die Jugendlichen unter Aufsicht der Betreuerinnen in dem vom Verein Sicheres Wasser (SiWa) markierten und maximal hüfttiefen Badebereich geschwommen. Der Vermisste wurde aber zuletzt gesehen, wie er jenseits der Begrenzung schwamm. Dort gibt es eine bis zu 19 Meter tiefe Abbruchkante. Als die Gruppe um 23 Uhr vom See aufbrechen wollte, wurde der 17-Jährige vermisst. Gegen 23.40 Uhr forderten die Betreuer über Notruf Hilfe an.

Mehr als 150 Retter mit 59 Fahrzeugen rückten an der Badelagune an, um mit Tauchern, Booten, Wärmebildkameras, einem Sonar, Hunden und Nachtsichtgeräten am Ufer und im Wasser nach dem Vermissten zu suchen. Erfolglos.

Gestern Vormittag kamen nun die Polizeitaucher der 1. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Eutin, die auf dem Weg zu ihrem Einsatz beim G20-Gipfel in Hamburg waren, noch nach Müssen.

„Die Abbruchkante, die mit ihrem dort plötzlich kaltem Wasser unerfahrenen Schwimmern zum Verhängnis werden kann, ist für uns kein Problem, da wir mit Trockentauchanzügen ins Wasser gehen“, erklärte Taucher-Einsatzleiter Martin Rollmann. Schwierigkeiten machte den Tauchern aber der hohe Verkrautungsgrad des Badesees mit Wasserpflanzen. Dennoch wurden die Beamten schnell fündig. Unweit einer Stelle gegenüber der offiziellen Badestelle, wo am Sonntag auch schon Suchhunde angeschlagen hatten, fanden sie den Leichnam des 17-Jährigen.

„Wir sind erschüttert und bedrückt“, sagte Steiner gestern, nachdem er von dem Fund der Beamten erfahren hatte. „Mitarbeitende, die Jugendlichen der Einrichtung und die Leitung sind erschrocken und traurig, dass einem jungen Flüchtling, der in unserer Obhut stand, etwas zugestoßen ist“, sagte Steiner. „Wir hatten immer noch so etwas wie Resthoffnung“, sagte er. Jetzt gelte es, den Fall aufzuarbeiten. Das wird auch die Polizei tun, unter anderem vor dem Hintergrund der Aufsichtspflicht für den Minderjährigen.

„Es ist traurig, aber es ist auch gut, dass es jetzt Gewissheit gibt. Es war schon eine belastende Situation, jederzeit damit rechnen zu müssen, auf den Leichnam zu stoßen“, erklärte Monika Retzlaff, die Sprecherin von SiWa. Die Ehrenamtlichen des Vereins beaufsichtigen die Badestelle immer bei gutem Wetter.

 Timo Jann

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