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Lauenburg Tristesse am Schwarzenbeker Bahnhof
Lokales Lauenburg Tristesse am Schwarzenbeker Bahnhof
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21:30 29.08.2016
Der Schwarzenbeker Bahnhof ist in einem traurigem Zustand - noch. Quelle: Geercken

Der Schwarzenbeker Bahnhof ist in einem traurigem Zustand: Aufzug defekt, einige Lampen im Tunnel ebenfalls. Das Grundstück wirkt ungepflegt. Der Kiosk ist geschlossen. Fahrkarten gibt es nur am Automaten. Während Stadt und Bahn um die Zuständigkeit ringen, ist jetzt noch ein Dritter im Bunde: Der Verein für soziale Arbeit und Integration hat das ehemalige Empfangsgebäude angemietet – und neu möbliert. Und er will sich jetzt auch um die Pflege seines Grundstücks kümmern.

Nachdem das Bahnhofsgebäude 2013 von Investor Dennis Berling gekauft und anschließend saniert wurde, ist im Juli ein Verein eingezogen, der sich um Alkohol- und Drogenkranke kümmert.

Verwaltungsleiter André Böttche: „Wir möchten hier eine Begegnungsstätte für alle Menschen schaffen. Unser Frühstücks- und Mittagsangebot ist offen.“ 35000 Euro habe der Verein in die Einrichtung gesteckt. Inzwischen gibt es neben dem schönen Aufenthaltsraum ein neu möbliertes Büro, einen Raum für Ergotherapie, eine neue Heizung, eine neue Küche – und überhaupt ist das ehemalige Empfangsgebäude drinnen nicht wieder zu erkennen. Weniger schön ist das äußere Erscheinungsbild des ehemaligen Bahnhofs, aber auch hier will der Verein mit Hilfe seiner Klientel noch aktiv werden.

„Noch in diesem Jahr werden die Außenanlagen fertig, 2017 ist das Kiosk-Umfeld dran“, sagt Böttche. Die Besucher der Begegnungsstätte könnten nicht täglich acht Stunden in Arbeit eingebunden werden.

„Diese Menschen sind krank, das erfordert etwas Rücksicht.“ 2017 sei dann wohl auch klar, was mit dem zurzeit geschlossenen Kiosk geschehen werde. Nach einem Wasserschaden hatte die bisherige Besitzerin, die den Kiosk mehr als zehn Jahre betrieben und neben Brötchen und Zeitungen auch Fahrkarten verkauft hat, aufgegeben. Zurzeit gibt es nur zwei Automaten auf den Bahnsteigen. Die Bahnkunden müssen sich selbst versorgen.

Investor Dennis Berling steht mit der Kiosk-Eigentümerin in Verhandlung. Das Problem: Das Grundstück, auf dem der Kiosk steht, gehört ihm, der Kiosk selbst nicht. „Ich habe die Besitzerin aufgefordert, mir bis zum Monatsende mitzuteilen, welche Pläne sie mit dem Kiosk hat“, sagt Berling. „Der momentane Zustand gefällt mir natürlich auch nicht.“

Aber auch rund um das Stellwerk, das noch in Eigentum der Bahn AG ist, sprießt das Unkraut. Der Pflegezustand des Grundstücks lässt zu wünschen übrig. Dazu Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis: „Auf unserem Gelände machen wir Vegetationsrückschnitt, wenn es erforderlich ist.“ Zum defekten Aufzug und einigen kaputten Lampen im Tunnel sagte er: „Die Aufzüge sind außer Betrieb, da die Notrufeinrichtungen defekt sind. Die Reparaturaufträge sind ausgelöst. Im Tunnel war eine von 14 Lampen defekt und wurde bereits ausgetauscht. Die Treppe vom P+R Bereich in die Unterführung ist in der Verantwortung der Stadt.“ Hier ist der Bahnsprecher nicht auf dem neuesten Stand: Im Tunnel selbst waren gestern zwei Lampen kaputt. Zwei weitere Lampen im Tunnelabgang ab Kiosk ebenfalls. Zum Problem der Fahrkartenausgabe, die bisher im Kiosk stattfand, sagte der Bahnsprecher, dass man derzeit mit einem Interessenten für eine HVV-Servicestelle im Gespräch sei, eine Entscheidung aber noch ausstehe. „Wir haben großes Interesse, hier eine schnelle Lösung zu finden.“

Wer nun tatsächlich wofür zuständig ist, soll in einem gemeinsamen Gespräch erörtert werden, das die Stadt Schwarzenbek initiieren will. Dazu Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig: „Seit meinem Amtsantritt vor gut anderthalb Jahren versuche ich, die Bahn dazu zu bewegen, das Unkraut in den Beeten zu entfernen und die Büsche zurück zu schneiden. Wir wollen eine Planung für das Bahnhofsumfeld auf den Weg bringen. Dabei wird es um die Neugestaltung des Tunnels, weitere Unterstände auf den Bahnsteigen und die Bike und Ride-Anlage gehen. Ich hoffe, dass sich die Deutsche Bahn AG an diesem Gespräch aktiv beteiligt.“

 Silke Geercken

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