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Lauenburg Trotz Bürgerentscheid: Niendorf drohen Windkraftriesen
Lokales Lauenburg Trotz Bürgerentscheid: Niendorf drohen Windkraftriesen
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11:39 17.10.2015
Bei Lütau sind im vergangenen Jahr mehrere Windkraftanlagen gebaut worden. Auch dort hatte es heftige Proteste gegeben. Quelle: Timo Jann
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Niendorf

Vor fast genau vier Jahren hat Dr. Frank Haase mit seiner Bürgerinitiative gegen Windkraft in einem Bürgerentscheid den Bau eines Windparks in seiner Gemeinde verhindert. Das Thema schien erledigt — bis das Schleswiger Oberverwaltungsgericht die Regionalpläne im Januar kippte. Ob auf dem „Dach des Kreises“ als höchstgelegene Gemeinde im Herzogtum Lauenburg nun doch Windkraftriesen gebaut werden, liegt nun nicht in den Händen der Bürger, sondern bei den Landesplanern.

Und so sitzt Haase nun wieder vor Bürgern seiner Gemeinde. In einer Einwohnerversammlung will er sie aufklären, gemeinsam nach Wegen suchen. Denn er ist nicht mehr nur Anti-Windkraft-Aktivist, sondern vor allem stellvertretender Bürgermeister — nach dem gewonnenen Bürgervotum auf einer Euphoriewelle mit der neu gegründeten Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl ins Amt gespült. Er wirkt frustriert, fast ein wenig ratlos. „Wir werden als Gemeinde künftig nicht mehr gefragt, um an den Genehmigungsplanungen teilzunehmen“, sagt Haase. Es bleibe lediglich die Hoffnung, dass das mit fast 68 Prozent damals so eindeutige Votum die Abwägung der Landesplaner beeinflussen könne. Allein sei dieser Bürgerentscheid jedoch kein Hinderungsgrund mehr.

Das Problem: Ob Investoren auf Niendorfer Gebiet planen, bekommen die Kommunalpolitiker unter Umständen erst zu wissen, wenn die künftig in Kiel fällige Entscheidung kurz bevor steht. Schon jetzt liegen dem Land von Investoren Anträge für die Aufstellung von mehr als 317 Windrädern vor.

Wie aus Kreisen des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek verlautet, hat die Landesplanung inzwischen so genannte Weißkarten entwickelt, die Bereiche außerhalb der Tabuzonen markieren. Anhand der von Investoren eingereichten Koordinaten möglicher Anlagen lasse sich damit relativ schnell eine erste Prüfung machen.

Während 50 der beantragten Anlagen in den Tabuzonen liegen, sind für 150 Windkraftanlagen (WKA) Ausnahmen vor Inkrafttreten der neu erstellten Regionalpläne möglich. Erste Antrage wurden bereits genehmigt.

Was es bedeuten könnte, wenn auf allen nach der Beachtung von Abstandsflächen theoretisch nutzbaren Bereichen Windräder errichtet würden, hat das Amt Büchen für sein Gebiet in seinem Integrierten Klimaschutzkonzept modellhaft errechnet. Bis zu 22 jeweils 200 Meter hohe WKA, verteilt auf fünf Bereiche, könnten dort bis zu 200000 Megawatt-Stunden Strom im Jahr erzeugen. Berücksichtigt wurden dafür Bereiche, die mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 25 Stundenkilometern in 140 Metern Höhe überdurchschnittliche Windverhältnisse bieten.

Aussichten, die Windkraftgegner und Gemeindevertreter Haase auf dem Dach des Kreises wenig beruhigen dürften.

Holger Marohn

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