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Lauenburg Trotz Tourismusboom sitzen Gastwirte auf dem Trockenen
Lokales Lauenburg Trotz Tourismusboom sitzen Gastwirte auf dem Trockenen
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21:22 12.09.2016
Nur Toilettenbesucher: Für Bistrobesitzerin Christine Winterfeld ist der Tourismusboom nicht so positiv, wie für die Kurverwaltung in Mölln. Quelle: Stefanie Ender

Die Kurverwaltung spricht vom Boom des Tagestourismus (LN berichteten). Nun melden sich zwei Gastronominnen am Mühlenplatz zu Wort. Sie müssen um zahlende Gäste kämpfen. Wenn sich einmal Touristen zu ihnen verirren würden, sei das nur für einen kostenlosen Toilettenbesuch. Offenbar gibt es große Unterschiede: Die Restaurantbetreiber an Markt und Bauhof sind dagegen zufrieden.

„Früher rannten sie uns das Café ein. Heute schauen wir nur auf einen Busparkplatz.“Heidrun Stamer, Gastronomin

„Immer wenn einer der großen Reisebusse direkt vor der Tür parkt, dann rennen mir die Touristen die Bude ein. Sie essen und trinken nichts, aber gehen auf Toilette, meist ohne zu bezahlen“, sagt Christine Winterfeld, Inhaberin des „Bistro Bibione“ am Mühlenplatz. Auf den Reinigungskosten bleibt sie sitzen. Und das, obwohl es saubere öffentliche Toiletten am Mühlenplatz gibt.

Die Kurverwaltung sieht großes Potential in den 870000 Tagestouristen, die mittlerweile jedes Jahr nach Mölln kommen. Von den 19 Euro, die Touristen am Tag laut Kurverwaltung ausgeben, merken die Gastronominnen am Mühlenplatz finanziell nichts. „Im Gegenteil, ich bezahle die Touristenabgabe von 288 Euro, dabei habe ich durch die Touristen nur Unkosten. Ich sehe meine Existenz hier bedroht“, sagt Winterfeld. Schon zwei Mal war sie kurz davor, zu schließen. Sie fühlt sich stiefmütterlich behandelt.

„Dabei ist es Aufgabe der einzelnen Gastronomen, ihr Angebot attraktiv darzustellen. Viele Busse parken am Mühlenplatz. Ich kann nicht mehr tun, als die Leute vorbei zu schicken“, sagt dagegen Jochen Buchholz, Leiter der Kurverwaltung in Mölln. Er könne schwer abschätzen, warum die Tourismuseinnahmen unter den Gastronomen so ungleich verteilt sind. Zu viele Faktoren seien der Grund dafür: Lage, Speisenangebot, Öffnungszeiten, Werbung. Winterfeld bemängelt, dass Touristen durch fest gebuchte Pakete nicht nach links und rechts schauen könnten.

Noch hält sich ihr Bistro. Seit einem Jahr betreibt sie den Laden. Während der ersten vier Monate bot sie noch einen Mittagstisch an. Da nicht genug Gäste kamen, verkürzte sie die Öffnungszeiten.

Auch Heidrun Stamer, Inhaberin des „Altstadtcafés“ nebenan, kann sich besserer Zeiten besinnen. „Aus meiner Kindheit weiß ich, dass die historische Wasserpumpe vor unserem Cafe immer viele Besucher angelockt hat.“ Seit 30 Jahren hat sich viel am Mühlenplatz verändert. Die Wasserpumpe ist seitdem verschwunden und der alte Platz zu einem Parkplatz geworden. Irgendwo müssten schließlich Parkplätze geschaffen werden, sagt Bürgermeister Jan Wiegels.

Heute kehren die Touristen am historischen Marktplatz und am Bauhof ein, „unsere gute Stube“, so Wiegels. Dort sind die Gastronomen zufrieden. „Wir profitieren von den Kurgästen und Touristen“, sagt Personalleiterin Ramina Köhler im „Amadeus“ an der Hauptstraße. In den letzten Jahren seien die Besucherzahlen kontinuierlich gestiegen. Auch das griechische Restaurant „Bei Kostas“ am historischen Markt wird mehr besucht. Das liege klar am Standortvorteil, sagt die Frau des Inhabers, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Von solcher Zufriedenheit kann Christine Winterfeld nur träumen: „Ich wünsche mir, dass wir hier wenigstens einen Weihnachtsbaum bekommen.“ Die Kurverwaltung wurde angefragt, verneinte aber. „Nur weil dort ein Weihnachtsbaum steht, kommen nicht mehr Gäste“, so Buchholz. Die Stromversorgung für den Baum ist verlegt, ein Ständer steht bereits vorm „Altstadtcafé“.

 Stefanie Ender

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