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Lauenburg Tüfteln für die große Innovation
Lokales Lauenburg Tüfteln für die große Innovation
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20:23 15.01.2016
Echte Möllner Marmelade hat er mit Frau Barbara entwickelt.

Ganz am Anfang steht immer ein Problem, auf das ein Erfinder stößt. Dann wird überlegt, getüftelt und geschraubt. Aus einer Idee wird eine Erfindung, etwas, das es bis dahin noch nicht gegeben hat. Hans-Jürgen Lenz ist Erfinder aus Mölln. Er ist immer auf der Suche nach etwas, das das Leben leichter macht und sich bestenfalls gewinnbringend vermarkten lässt.

Hans-Jürgen Lenz ist 14 Jahre lang zur See gefahren. In dieser Zeit tüftelte er bereits und optimierte das Sprachrohr des Schiffes, auf dem er arbeitete — der Startschuss für sein Erfinderdasein.

„Dafür habe ich das Fünf- oder Sechsfache meines Gehaltes gekommen“, erzählt Lenz von seinem ersten Erfolg als Erfinder und nippt an seinem Kaffee. Eines Tages gab er die Seefahrt auf, wurde später Hotelier in Mölln, betrieb eine Unterkunft am Wasserkrüger Weg. Dort fiel ihm auf: Wasser fließt den Berg hinunter, an dem das Hotel stand. „Daraus muss man doch Strom machen können“, habe er sich gedacht und begann zu überlegen. Er stellte sich vor, wie Propeller durch das fließende Wasser angetrieben würden und so Strom erzeugten. „Die Idee fand kein Gehör“, erzählt der Tausendsassa. Er überlegte weiter.

Heute hat Lenz eine Transportfirma in Mölln und fährt ständig quer durch Deutschland. In seiner Halle in Bahnhofsnähe hat er zudem einen Trödelhandel. Bis unter das Dach stapeln sich Möbel, Lampen und Schiffsmodelle — über zwei Etagen. Einiges trägt ein Preisetikett, Anderes verbirgt sich hinter großen Bilderrahmen. Mit zwei Jobs nicht genug: Gemeinsam mit Frau Barbara vermarktet er eine Möllner Marmelade mit ausgefallenen Geschmacksrichtungen wie „Sex on the Beach“ oder Zutaten wie „After Eight“.

Eine Straße, die Strom erzeugt. Eine alte Nähmaschine mit Fußantrieb inspirierte den Möllner von Ende sechzig. So sollte die Straße funktionieren: bewegliche Platten, eineinhalb Meter lang, drei Meter breit. Fährt ein Auto darüber, kippt die Platte leicht und treibt darunter einen Motor an. „Mittlerweile gibt es so etwas“, sagt Lenz und zeigt Bilder eines Modells, das er einst angefertigt hatte, „aber in London“. Da Lenz aber weder ein Patent für England hatte, noch die Mittel, das Patent viele Jahre zu halten, hat man ihm die Idee geklaut. Ärgert einen Erfinder das? „Na klar, da hängt ja Herzblut daran“, sagt er. Aber so sei das nun mal.

Mit einer anderen Erfindung lief es besser für Lenz. Die Idee zu seinem „CD-Nippel“ hatte Hans-Jürgen Lenz mit seinem Sohn. Der Nippel dient dazu, CDs vor Kratzern zu schützen und sie gleichzeitig schnell greifen zu können. 6000 Stück ließ Lenz in Büchen fertigen — und überlegt, nochmals nachproduzieren zu lassen. „Sie verkaufen sich sehr gut“, sagt er. „Moment“, unterbricht er dann und holt einen Beutel mit „CD-Nippeln“, zwei Formen, verschiedene Materiale, rutschfeste Unterseite — und schwer. „Man kann sie gleichzeitig als Briefbeschwerer nutzen.“

Derzeit arbeitet Hans-Jürgen Lenz an einem Pappkarton, der großes Gewicht tragen können soll, um mehr darin zu transportieren und um mehrere davon sicher stapeln zu können. Die Idee kam ihm in seiner Halle, in der er gerade Mietparzellen baut. Vor allem die inneren Kanten will er verstärken.

Erfolg mit einer Erfindung zu haben, ist nicht leicht. „Nur drei Prozent der Erfindungen schaffen es auf den Markt“, sagt Hans-Jürgen Lenz. Ein Grund, sich zu organisieren. 1997 rief er mit anderen Tüftlern den „Erfinderclub Schleswig-Holstein“ ins Leben. Seither ist er dort im Vorstand. „Im Club sind die Erfolgschancen zehn bis zwölf Prozent.“ Was treibt einen Erfinder denn an? Es sei nicht das Entwickeln, Tüfteln und Schrauben im stillen Kämmerlein, sagt Lenz. „Es ist eher die Chance, damit Erfolg haben zu können.“

Der Erfinderclub Schleswig-Holstein
Die Vereinigung der schleswig-holsteinischen Tüftler wurde 1997 gegründet. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig bei Erindungen, deren Schutzrechte und Vermarktung. Laut Hans-Jürgen Lenz, dem Vorsitzenden, erhöht das die Chance auf den Erfolg einer Erfindung.
Rund 60 Mitglieder haben ein Wasserrad zur Stromerzeugung, einen Sahnespender mit integriertem Schokoladenstreuselspender oder einen hygienischen Zahnschutz für Flaschentrinker entwickelt. Die Mitglieder treffen sich jeden letzten Mittwoch im Monat in Flintbek.
Nur drei Prozent der Erfindungen schaffen es auf den Markt.“Hans-Jürgen Lenz, Erfinder

Philip Schülermann

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