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Lauenburg Überleben in zwei totalitären Systemen
Lokales Lauenburg Überleben in zwei totalitären Systemen
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18:13 29.10.2016

Für 65 Schülerinnen und Schüler des Berufsbildungszentrums Mölln war es eines der bewegendsten Erlebnisse in ihrem noch jungen Leben, als sie dem beeindruckenden Lebensbericht des 94-jährigen Dr. Leo Frankfurt lauschten. 90 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit für einen Menschen, der, befragt durch den Schriftsteller Christoph Ernst aus Klein Zecher und den Hamburger Künstler Heiner Studt, sein Leben vor den Schülern ausbreitete und sie mit seinen Erinnerungen in den Bann zog. Heute lebt der Doktor der Zahnmedizin Leo Frankfurt in Bad Nauheim. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit den Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig-Holstein statt.

Als Sohn einer assimilierten jüdischen Arztfamilie im Dezember 1921 in Leningrad geboren, wächst Leo Frankfurt in russischer und deutscher Umgebung auf, so dass er als Jugendlicher die deutsche Sprache in Wort und Schrift lernt. Nach seinem Schulabschluss wird er Ende 1939 zur Roten Armee eingezogen und absolviert als Politkommissar seinen Militärdienst. Kurz nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Sommer 1941 gerät der damals 20-Jährige wie Millionen andere Soldaten der Roten Armee kampflos in deutsche Kriegsgefangenschaft und sieht sich als Jude und Kommissar mit dem Tod bedroht. Dass er das Martyrium überleben konnte, grenzt an ein Wunder. Es folgen dutzende Verhöre und wiederholtes Zusammenschlagen, selbst vor Scheinerschießungen schreckt man nicht zurück. Frankfurt kann dieser Gefahr entkommen und gerät schließlich an den Sonderführer der Geheimen Feldpolizei (GFP) der Wehrmacht Klemm, einem gebürtigen Petersburger, der ihm überraschend vorschlägt, als Dolmetscher für die GFP zu arbeiten. Frankfurt nimmt das Angebot an, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. In den Augen seiner Landsleute ist er ein Verräter. „Ich bemühte mich durch mein Verhalten das Gegenteil zu beweisen und glaube, dass ich das auch geschafft habe“, sagt er rückblickend. Die geplante Flucht wird verraten und Frankfurt zum Tode verurteilt. Das Urteil wird schließlich zu 15 Jahren Zwangsarbeit umgewandelt – der Inhaftierte muss aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung in ein Lazarett verlegt werden und landet nach einer Odyssee durch weitere Lager in Hohn in der Nähe von Rendsburg. Dort erlebt er die Befreiung durch britische Truppen am 8. Mai 1945. Anschließend kehr er nach Leningrad zurück und schließt seine Ausbildung als Zahnarzt 1949 ab.

Als ehemaliger Kriegsgefangener wird er in der sowjetischen Gesellschaft benachteiligt und diskriminiert - das ändert sich erst unter Chruschtschow. Wenn Frankfurt sagt, dass er die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland und der Sowjetunion den Menschen näher bringen will und sie mit seinem Schicksal konfrontieren möchte, so darf man behaupten, dass ihm dies gelungen ist – 90 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit sprechen für sich.

LN

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