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Lauenburg Umarmung im Hammer-Prozess
Lokales Lauenburg Umarmung im Hammer-Prozess
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20:20 25.05.2016

Der Krummesser, der seine Ehefrau mit Hammerschlägen fast getötet hätte, war möglicherweise aufgrund eines Affekts und von Alkoholeinfluss in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt. Das hat der psychiatrische Gutachter Dr. Wilhelm Tophinke gestern im Prozess um versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung am Landgericht Lübeck erklärt. Das könnte strafmildernd sein. Das Strafmaß für die Anklage läge dann zwischen zwei und elf Jahren Haft.

„Die Steuerungsfähigkeit ist durch die affektive Situation und den Alkoholeinfluss vielleicht nicht gegeben“, erklärte Tophinke. Dafür spreche, dass der Angeklagte „aus einem Guss handelte“, die Tat sich nicht über einen langen Zeitraum hingezogen habe. Auch, dass der 51-Jährige zwischendurch einen Benzinkanister geholt habe, um „beide anzuzünden“ (die LN berichteten), bringt Tophinke nicht von dieser Einschätzung ab.

Der Angeklagte hatte angegeben, keine Erinnerung an die Tat zu haben. „Klinisch sieht eine Amnesie anders aus“, so der Gutachter. Dafür sei sie mit insgesamt drei Stunden zwischen Tat und Untersuchung im Polizeirevier zu lang. Es sehe eher nach einer psychogenen Gedächtnislücke aus. Trotzdem glaube Tophinke dem Angeklagten. „Es gibt ja auch Leute, die vergessen wollen“, kommentierte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann diesen Aspekt.

In einer kurzen Verhandlungspause fielen sich die 49-jährige Ehefrau und der 51-jährige Angeklagte unter Duldung der Justizwachtmeister in die Arme. Und auch Singelmann erklärte, das Paar wolle an der Ehe festhalten. Tophinke stellte eine positive Prognose für den Angeklagten, der verstehe, das er bestraft werden müsste. Eine Wiederholung der Tat sei wenig wahrscheinlich.

Gestern wurden auch Nachbarn des Paares befragt. Dabei kam nur heraus, dass die Eheleute öfter Alkohol konsumierten. Die Ehefrau wurde von den Außenstehenden als dominanter Partner eingeschätzt. Auch sie habe laut Polizei während des schrecklichen Vorfalles etwa 1,4 Promille Alkohol im Blut gehabt. Bei der Sicherung des Tatorts fand die Kripo einen Latthammer, der als Tatwaffe in Frage kommt. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Ivana Gerling berichtete, wegen eines Schädel-Hirn-Traumas habe akute Lebensgefahr für die 49-Jährige bestanden. Es seien mindestens acht Schläge mit massiver Gewalteinwirkung am Kopf der 49-Jährigen festgestellt worden, die zu einem Hammer passten. Spätfolgen aufgrund der Frakturen am Schädelknochen seien möglich.

Der 51-Jährige ist nicht vorbestraft. Am morgigen Freitag stehen die Plädoyers an. Ein Urteil wird erst am Freitag, 3. Juni, erwartet.

fg

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