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Lauenburg Umgehung: Ratzeburg macht Druck
Lokales Lauenburg Umgehung: Ratzeburg macht Druck
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11:37 20.10.2017
„Die Zusage aus Kiel hat uns gefreut, aber wir bleiben am Ball. Rainer Voß, Bürgermeister Ratzeburg
Ratzeburg

Entsprechend besser gelaunt kehrte die Delegation aus dem Lauenburgischen, angefürht von Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß, von dem Besuch aus Kiel zurück. Buchholz habe erklärt, die Ortsumgehung B 208 Ratzeburg-Mölln-Schmilau-Ziethen werde so schnell wie möglich geplant und gebaut, erklärten die Bürgermeister von Ratzeburg, Schmilau (Eckhard Rollinger), Ziethen (Karl-Horst Salzsäuler) und Bauamtsleiter Manfred Kuhmann, der Möllns Bürgermeister Wiegels vertrat, nach dem Besuch in Kiel. Ein weiteres Treffen mit dem Minister im ersten Quartal 2018 in Ratzeburg wurde vereinbart.

 

Die übliche Verkehrssituation in der Ratzeburger Innenstadt. Die Kreisstadt drängt in Kiel auf baldige Abhilfe. Quelle: Foto: Grombein

Zusätzliches Gewicht für die Interessen der lauenburgischen Delegation brachte der Landtagspräsident und lauenburgische CDU-Chef Klaus Schlie (CDU) ein, der bei dem Gespräch im Wirtschaftsministerium zugegen war. Schließlich hatte auch er im Landtagswahlkampf betont, eine CDU-geführte Regierung würde die Infrastrukturmaßnahmen im Land beschleunigen.

Die Bürgermeister der Städte und Gemeinden hatten nach einem LN-Bericht über eine Minister-Aussage in Geesthacht, die Planung für Ratzeburg würde zurückgestellt worden sein, um einen dringenden Gesprächstermin gebeten. Mit dem Satz „Alles gleichzeitig geht nicht“ hatte Buchholz die Umgehung als auf absehbare Zeit nicht realisierbar erkärt.

Sie machten dabei deutlich, dass die beteiligten vier Städte und Gemeinden seit 2007 konzertiert mit dem Landesbetrieb und dem Verkehrsministerium an der Umsetzung der gemeinsam favorisierten Trassenführung arbeiten. Im Frühjahr 2015 habe nach sehr guter Arbeit des Landesbetriebes dieser Vorplanung dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt werden können. Parallel sei auch die Entscheidung des Landeskabinetts für die Anmeldung der Maßnahme auch im neuen Bundesverkehrswegeplan erfolgt. Während einer Veranstaltung der WFL (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) haben die Vertreter des Landesbetriebes und des Verkehrsministeriums in Elmenhorst Anfang 2017 mitgeteilt, dass der Auftrag für die Planung durch den Bund an das Land noch nicht weitergegeben worden sei und deswegen die Planung nicht weitergeführt werden könne.

 Der Protest der Stadt Ratzeburg und der weiteren Beteiligten dagegen wurde noch in der Versammlung von MdL Klaus Schlie aufgenommen und an MdB Norbert Brackmann mit der Bitte weitergetragen, sich für eine Entscheidung in Bonn (dort sitzt die zuständige Abteilung des Bundesverkehrsministeriums) einzusetzen. Im April 2017 sei diese Entscheidung erfolgt.

Alle regionalen Teilnehmer an dem Gespräch machten deutlich, dass die Verkehrsbelastung in der Innenstadt von Ratzeburg sowie in Schmilau nicht länger hinnehmbar wäre und ständig zunehmen würde. Bürgermeister Salzsäuler machte auch auf die besondere Situation des Lkw-Abkürzungsverkehrs von der A 20 aufmerksam, der ständig weiter zunehmen würde.

Rainer Voß: „Die Zusage des Ministers, so schnell wie möglich zu planen und bauen, hat uns gefreut. Aber wir werden am Ball bleiben und uns mit Dr. Buchholz im Frühjahr 2018 wieder treffen.“

„Trotzhaltung in Ratzeburg“

Das Vorhaben einer Ratzeburger Umgehung sehen die Grünen für Ratzeburg und Umgebung kritisch. So fragt der Sprecher des Ortsvereins Ratzeburg und Umgebung von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Torsten Walther, zum Besuch der Bürgermeister im Kieler Wirtschafts- und Verkehrsministerium: „Seit über 25 Jahren wird den Bürgern von Ratzeburg und Umgebung eingehämmert, eine südliche Stadtumgehung sei unverzichtbar. Was kurz nach der Wende noch eine gewisse Berechtigung gehabt haben mag, hat sich durch die Normalisierung der Verkehrsflüsse aber als überflüssig herausgestellt.“ Die ab Juli 2018 beschlossene Maut für Lkw auch auf Bundesstraßen werde zusätzlich „Mautflüchtlinge“ abhalten. Damit entfalle der Anreiz, von den beiden benachbarten Autobahnen auf die B 208 auszuweichen, meint der Grünen-Politiker. Hinzu könnte ein durchaus mögliches Fahrverbot für Lkw kommen.

Walter weiter: „Die Tatsache, dass eine Forderung seit vielen Jahren erhoben wird und man eine gemeinsame Trasse gefunden hat, begründet keineswegs die Notwendigkeit ihrer Umsetzung. Haben wir in den letzten Jahrzehnten nichts dazu gelernt? Klimawandel? Artensterben? Ist die Weiter so-Mentalität noch zukunftsfähig? Kann man nicht intelligente Systeme zur Verkehrsvermeidung entwickeln und den ÖPNV konkurrenzfähig zum Individualverkehr ausbauen? Ganz zu schweigen vom traurigen Zustand des Radwegenetzes in Ratzeburg.“

Das habe man in Kiel erkannt und nun mache sich in Ratzeburg eine Trotzhaltung breit.

LN

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