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Unbekannte zünden leerstehendes Asylbewerberheim an

Escheburg/Lübeck Unbekannte zünden leerstehendes Asylbewerberheim an

Brandanschlag auf ein Asylbewerberwohnheim in Escheburg: Unbekannte warfen am Montagnachmittag einen Brandsatz durch ein Fenster ins Erdgeschoss des Holzhauses, in das am Dienstag Asylbewerber einziehen sollten. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen fremdenfeindlichen Hintergrund und hat Ermittlungen eingeleitet.

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Unbekannte warfen einen Brandsatz auf eine Asylbewerberunterkunft in Escheburg.

Quelle: Timo Jann

Escheburg/Lübeck. Ein Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft im lauenburgischen Escheburg entsetzt den Norden. Unbekannte haben Montagmittag einen brennenden Benzinkanister in das Zweifamilienhaus geworfen, in das heute eigentlich sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen sollten.

Polizist Holger Leddin begutachtet das Fenster, durch das der Brandsatz geworfen wurde.

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Das Gebäude ist nun unbewohnbar, die Staatsanwaltschaft geht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Zuvor hatte sich offenbar Unmut und Angst unter den Anwohnern breitgemacht.

Escheburg

Hinweise auf die Täter liegen nach Angaben von Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders bisher nicht vor, auch ein Bekennerschreiben oder Ähnliches gebe es nicht. Seltsam: „Die Polizei war noch kurz vor der Brandstiftung vor Ort“, sagt Anders. In beide Wohnungen, die die Gemeinde im Januar als Flüchtlingsunterkünfte angekauft hatte, sei zuvor eingebrochen worden. Ob Einbrüche und Brandanschlag unmittelbar miteinander in Zusammenhang stünden, sei zwar offen. „Wir müssen in beiden Fällen aber ein fremdenfeindliches Motiv annehmen“, sagt der Oberstaatsanwalt. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen.

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Meinung: Beschämend

Den Nachbarn der Unterkunft war offenbar erst am Freitag persönlich mitgeteilt worden, dass die Menschen aus dem Irak heute einziehen sollten. Wie die LN erfuhren, hat sie das offenbar aufgebracht. „Das hat sich in einer Art und Weise Bahn gebrochen, wie ich das noch nicht erlebt habe und es in Escheburg auch nicht für möglich gehalten hätte“, sagt Rainer Bork, Bürgermeister der Gemeinde. Einige hätten sogar Entschädigung für den „Wertverlust“ ihrer Häuser verlangt. „Man wollte die Flüchtlinge einfach nicht.“

Auch Brigitte Mirow, Verwaltungschefin im Amt Hohe Elbgeest, bekam den Zorn zu spüren. Neben Anrufen und wütenden E-Mails hätten gestern 15 Anwohner unangemeldet bei ihr im Büro gestanden, um ihrer Empörung über die Unterbringung Luft zu machen. Was dabei zum Teil für Worte und Unterstellungen gegenüber den Flüchtlingen gefallen seien, möchte sie öffentlich lieber nicht wiederholen. „Die Leute sind völlig überfordert und haben Angst, in ihrem Haus nicht mehr sicher zu sein“, fasst sie zusammen. Normalerweise funktioniere Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen im Amt sehr gut. „Aber leider in Escheburg nicht“, sagt Mirow.

Die Wohnungen sollen jetzt zwar renoviert werden, dürften auf absehbare Zeit aber nicht als Unterkunft zur Verfügung stehen. „Wir müssen jetzt kurzfristig eine Lösung finden. Diese Menschen brauchen schließlich ein Dach über dem Kopf“, sagt die Verwaltungschefin.

Die Politik zeigte sich gestern entsetzt. „Wer Flüchtlingsunterkünfte angreift, offenbart seine menschenverachtende Grundeinstellung“, sagte Innenminister Stefan Studt (SPD). Es dürfe keinen Unterschied zwischen Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Menschen geben. Der Lauenburger Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Grüne) sprach von einer „hochgefährlichen Tat“, die Anlass zu größter Sorge gebe: „Es ist schlimm, dass 22 Jahre nach dem Brandanschlag von Mölln wieder Personen unterwegs sind, die so etwas tun.“

Oliver Vogt und Timo Jann

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