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Uneinigkeit zum Bestand im Schaalsee

Salem Uneinigkeit zum Bestand im Schaalsee

Wie steht es um die Entwicklung des Fischbestandes im Ratzeburger See und im Schaalsee? Auf dem 15. Salemer Dialog herrschte zumindest in einem Punkt Einigkeit: Publikum und Podium waren sich einig, dass die Fischbestände besser gegen ihn geschützt werden sollten.

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Wahrnehmung oder Wissenschaft? 15. Salemer Dialog zum Fischbestand mit Moderatorin Gabriele Heise und dem Podium mit Dr. Manuel Cadmus, Thorsten Jantz, Martin Purps (v.l.).

Quelle: Fotos: Biller

Salem. Und wie halten es die Berufsfischer mit der nachhaltigen Bewirtschaftung? 60 Gäste hatte das Thema beim Salemer Dialog angezogen. Auf dem Podium hatten als Experten Dr. Manuel Cadmus, Jurist und Seeeigentümer im Bereich Bresahn-Dargow, Diplom-Biologe Martin Purps, Fischereiberater im Landessportfischerverband Schleswig-Holstein e.V. und Thorsten Jantz, Fischereiaufseher für den nördlichen Schaalsee Platz genommen.

LN-Bild

15. Salemer Dialog gut besucht – Berufsfischer waren nicht gekommen – Kontroverse um Kormoran.

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„Schuld hat nicht nur der Kormoran", sagt Angler Boris Pietron (57).

Kormoran frisst die Hälfte

Nach Aussage von Fischereiberater Martin Purps werden bundesweit jährlich 22000 Tonnen Fisch aus Binnengewässern gewonnen. Den durch Kormorane entstehenden Verlust bezifferte Purps auf 20 000 Tonnen.

Martin Purps berichtete, dass nach seinen Erkenntnissen der Schaalsee einen „gesunden, artenreichen Fischbestand“ hat. Er selbst habe einmal 20 Fischarten im Gewässer festgestellt. Fischereiaufseher Thorsten Jantz erläuterte, dass die Saison jeweils am 1. Mai mit dem Hechtanfischen beginnt und Mitte Oktober endet. Danach sei Schonzeit. Es gäbe für die Angler, die für eine Genehmigung die Sportfischereiprüfung abgelegt haben müssen, strenge Regularien: „Jeder Angler muss eintragen, wann er angefangen und wie lange er geangelt hat und die Bisse und Fische zählen. Man kann glücklich sein, wenn man tatsächlich einen Fisch fängt. Zum Glück müssen wir nicht davon leben“, so Jantz. Dr. Manuel Cadmus ist, wie die weiteren Eigentümer des Schaalsees im westlichen Bereich verpflichtet, Pflege- und Hegepläne zu erstellen.

„Mit staatlicher Genehmigung wird dort zum Beispiel festgelegt, was in den See einzusetzen ist“, erklärte Cadmus. Der Experte hatte eine aktuelle Studie vorliegen, aus der ersichtlich sei, dass der Schaalsee seit 2014 um eine Gewässergüteklasse besser geworden sei. „Der Schaalsee ist auch deutlich besser, als der Ratzeburger See. Der Nährstoffeintrag hat abgenommen durch geringere Düngung in der Landwirtschaft und der Fischbestand hat nicht abgenommen“, bezog sich Cadmus auf eine Untersuchung. Eine Ausnahme gebe es bei Fischen von zehn bis 15 Zentimeter Länge: „Da ist der Bestand durch Prädatoren deutlich reduziert“. Dr. Cadmus nannte den Kormoran als wesentlichen Verursacher.

Im Publikum gab es ganz andere Einschätzungen. Boris Pietron ist seit seiner Jugend begeisterter Angler und beobachtet die Entwicklung der Fischbestände nicht nur in heimischen Gewässern. „Bis vor etwa sieben Jahren konnten wir hier noch zahlreiche Schwärme verschiedener Fischarten beobachten. Die sind heute weg. Dadurch kommen auch keine Angler mehr. Man kann nur Gäste gewinnen, wenn man auch einen attraktiven Fischbestand hat“, sagte Pietron. Und weiter: „Schuld hat nicht nur der Kormoran. Fischer und Angler müssten eine Liste führen, was eingesetzt und was gefischt wird!“.

Mehrere Stimmen aus dem Publikum ließen ein Misstrauen gegenüber den Berufsfischern erkennen. Auf dem Podium sagte Thorsten Jantz: „Bezüglich der Berufsfischer stehen wir im Regen: wir können die Angler kontrollieren, aber nicht die Fischer“. Manuel Cadmus stützte sich wiederum auf die im Gutachten formulierte Einschätzung, dass die Fischerei auf dem Schaalsee „als nachhaltig eingeschätzt werden kann“.

Martin Purps versuchte, zu vermitteln: „Es wird immer Unterschiede geben zwischen der Wahrnehmung von Anglern und wissenschaftlichen Untersuchungen. Aber die Hinweise von Anglern sind wichtig und sollten den Anstoß für wissenschaftliche Untersuchungen geben. Das wurde in diesem Fall so gemacht“.

Moderatorin Gabriele Heise versicherte, dass alle Berufsfischer des Schaalsees zum Salemer Dialog eingeladen worden waren. Erschienen war allerdings keiner. Vor rund drei Jahren wurde eine viel beachtete gemeinsame Initiative gestartet, um die Berufsfischerei auf dem Schaalsee mit dem „Naturland-Siegel“ zu zertifizieren. Das sei derzeit aber eingeschlafen.

Dr. Manuel Cadmus erläuterte dazu: „Die Fischer hätten natürlich für das Siegel etwas bezahlen müssen und hätten ihre Fische auch teurer verkaufen können. Aber Naturland hat es bis heute nicht fertiggebracht, die Zertifizierungsrichtlinien konkret auszuarbeiten, so dass die Fischer sich zurückgezogen haben“.

Der Kormoran bleibt der Verlierer des Salemer Dialoges. Publikum und Podium waren sich zumindest in dem Punkt einig, dass die Fischbestände besser gegen den Kormoran geschützt werden sollten.

Das Entfernen von Eiern war eine Idee, Abschussfreigaben eine andere. Auch Ausgleichszahlungen für Fischer wurden genannt. „Wir bräuchten ein europaweites Kormoran-Management“, forderte Martin Purps.

Manuel Cadmus bremste die Erwartungen an eine europaweite Lösung: „Der Kormoran ist die weiße Kuh Europas“, so der Jurist. Gabriele Heise fasste nach rund eineinhalb Stunden leidenschaftlicher Diskussionen den 15. Salemer Dialog zusammen: „Der Kormoran ist ein Fressfeind. Für eine neue Kormoran-Verordnung müssten wir alle mal wieder unsere Abgeordneten anschreiben!“

Die neueste Studie

Die 82-seitige aktuelle Studie, auf die sich Dr. Manuel Cadmus beim 15. Salemer Dialog berief, trägt den Titel: „Operatives und Überblicksweises Fischmonitoring 2016, WRRL Seemonitoring, Schleswig-Holstein“. Sie wurde vom Landesverband der Wasser- und Bodenverbände Schleswig-Holstein vertreten durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Auftrag gegeben.

Erstellt wurde sie durch das Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow und im Mai 2017 vorgelegt. thobi

 Thomas Biller

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